In Frankfurt an diesem Sonntag hofft Cacau auf seine Chance von Beginn an. Foto: Baumann

Schwierige Phasen hat Cacau beim VfB häufig erlebt. Umso lauter schrillen die Alarmglocken, wenn ausgerechnet er sagt: „So schwierig wie jetzt war die Situation noch nie.“ Der Stürmer will seinen Herzensclub nicht als Absteiger verlassen.

Schwierige Phasen hat Cacau beim VfB häufig erlebt. Umso lauter schrillen die Alarmglocken, wenn ausgerechnet er sagt: „So schwierig wie jetzt war die Situation noch nie.“ Der Stürmer will seinen Herzensclub nicht als Absteiger verlassen. Mit seiner Erfahrung will er helfen, auch diese Krise zu meistern.

Stuttgart - Die Bilder der vergangenen Wochen gleichen sich. Nach jeder Niederlage war Cacau (32) der Erste, der sich auf den Weg zur Fankurve begab. Der erste VfB-Profi, der den Mut hatte, sich den Anhängern zu stellen. „Es ist bezeichnend“, sagt Joachim Schmid, der Vorsitzende des Fanclubs Rot-Weiße Schwaben Berkheim, „dass es ausgerechnet er ist, der vorne draus geht.“

Ausgerechnet Cacau. Der Stürmer, den die meisten schon lange abgeschrieben hatten – nach seinem Kreuzbandriss, der ihn fast die komplette vergangene Saison gekostet hatte. Und erst recht nach seinem Muskelbündelriss in der Wade, der ihn Ende Oktober 2013 zu einer zweimonatigen Pause zwang. Allenfalls als Joker konnte man sich den dienstältesten VfB-Profi (336 Pflichtspiele/108 Tore) noch vorstellen. Im Sturm hatte der VfB in Vedad Ibisevic, Timo Werner und Mohammed Abdellaoue wahrlich genügend Alternativen.

Jetzt aber ist vieles anders. Toptorjäger Ibisevic (zehn Saisontreffer) ist nach seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen den FC Augsburg (1:4) noch bis zur Partie gegen den Hamburger SV am 22. März gesperrt. Abdellaoue konnte nach seinem ersten Saisontreffer beim Rückrundenstart (1:2 gegen den FSV Mainz 05) zuletzt nicht mehr überzeugen, und auch ein Supertalent wie Werner (vier Saisontore) hat naturgemäß noch mit Leistungsschwankungen zu kämpfen.

Schlägt nun also doch wieder die Stunde von Routinier Cacau? Im Spiel beim Tabellen-13. Eintracht Frankfurt an diesem Sonntag (17.30 Uhr/live auf Sky) darf der ehemalige Nationalspieler auf einen Platz in der Startelf hoffen. Es wäre sein erster Bundesliga-Auftritt von Beginn an seit dem 16. September 2012 (0:3 gegen 1899 Hoffenheim). Bis heute wurde er seitdem zwölfmal eingewechselt. „Ich bin bereit und will der Mannschaft helfen“, sagt er, „egal, ob von Anfang an oder von der Bank aus.“

Der größte Trumpf Cacaus im Kampf gegen den Abstieg ist seine Erfahrung. Seit seinem Wechsel von 1. FC Nürnberg im Sommer 2003 hat der gebürtige Brasilianer in Stuttgart so ziemlich alle Höhen und Tiefen einer Fußballerkarriere erlebt. Von der Meisterschaft im Jahr 2007 bis hin zum Fast-Abstieg in der Saison 2010/11. Wenn also einer wie Cacau sagt: „Das ist die wohl schwierigste Situation, die ich in meinen elf Jahren beim VfB zu meistern hatte“, dann bedeutet das schon etwas.

Cacau weiß, was ihn und seine Kollegen erwartet, und er ist sich seiner Rolle in der Mannschaft sehr bewusst. „Die Erfahrung lehrt einen, die Dinge besser einzuschätzen“, sagt er und will seinen jungen Kameraden ein Vorbild sein. Ihnen klarmachen, dass der Kampf selbst nach sieben Niederlagen in Folge noch nicht verloren ist. Sie aber auch vor der trügerischen Sicherheit bewahren, nach einem einzelnen Erfolg zu glauben, jetzt sei alles plötzlich wieder gut. „Dann darf man sich nicht blenden lassen“, sagt er, „die Situation bleibt brenzlig. Man darf dann nicht denken, dass alles okay ist.“

Cacau will sich mit dem VfB durchbeißen. Für die Mannschaftskameraden. Für den Verein. Für die Fans, „die es verdient haben, dass wir uns für sie zerreißen“. Ein bisschen aber sicher auch für sich selbst. Cacaus Vertrag läuft zum Saisonende aus. Er wird nicht verlängert. Für jemanden, der elf Jahre lang bei einem Club gespielt hat, gibt es nichts Schlimmeres, als sich mit einem Abstieg zu verabschieden. „Ich will nicht absteigen. Und wir werden nicht absteigen“, sagt er.

In der kommenden Woche erscheint Cacaus Biografie auf dem Markt. Sie handelt von seinem steinigen Weg aus einem Armenviertel in Brasiliens Metropole São Paulo bis zum deutschen Nationalspieler. Der Titel des Buches „Immer den Blick nach oben“ ist auch ein Lebensmotto für den Fußball-Profi. Und dieses gilt derzeit mehr denn je. Cacau glaubt an sich und seine Kollegen. Und daran, dass es wieder aufwärtsgeht. „Ich habe nicht aufgegeben“, sagt er, „und ich werde nicht aufgeben.“

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