Mit einem schwachen Auftritt beim 0:2 in Mainz verpatzt der VfB die Generalprobe für das große Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Paris Saint-Germain – aus diesen Gründen.
Sebastian Hoeneß brauchte nicht viel Zeit für die Grunderkenntnis des Nachmittags. „Es war ein verdienter Sieg für Mainz“, sagte der Trainer des VfB Stuttgart nach dem 0:2 am Samstag: „Das muss man neidlos anerkennen.“ Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sprach in den Katakomben der Arena am Mainzer Stadtrand fast deckungsgleich von einem Spiel, das der VfB verdient verloren habe.
Und was soll man sagen: Die Leistung der Stuttgarter bot auch keinen Spielraum für eine andere Analyse. Offensiv träge, unkonzentriert, uninspiriert und ungenau – hinten fehleranfällig und obendrein nicht bissig und wach genug: Das war der VfB-Auftritt in Mainz nach zuvor vier Pflichtspielsiegen nacheinander anno 2025.
„Wir müssen es unterteilen in die ersten 28 Minuten bis zum Gegentor, da haben wir es ordentlich gemacht“, sagte Hoeneß: „Aber dann haben uns die Mainzer den Schneid abgekauft, es war unterm Strich zu wenig von uns.“
Dem war wenig hinzuzufügen – außer dem Fakt, dass die Weiß-Roten in Mainz nicht erst vom Gegentor in Minute 28 an abbauten. Sondern vielmehr schon nach knapp 20 Minuten. Sportvorstand Wohlgemuth sprach hinterher noch von einem „äußerst schwierigen Spiel“ und einer „hitzigen Atmosphäre“. Man habe die Chance verpasst, sich in der Tabelle abzusetzen.
Woran das lag? Klar, der Gedanke an das große Spiel am Mittwoch in der Champions League gegen Paris Saint-Germain lag nahe – und damit die Vermutung, dass einige VfB-Profis das Finale der Ligaphase in der Königsklasse schon im Hinterkopf hatten. Selbstredend versuchte Trainer Hoeneß solche Gedanken hinterher beiseite zu wischen. Was sich aber sagen lässt: Gedanklich waren die meisten Jungs in weiß und rot in Mainz nicht immer auf der Höhe, obendrein fehlte die letzte Hingabe. Ob das nun an Paris lag, den vielen kräftezehrenden englischen Wochen oder an beidem – alles wird sich nicht beweisen lassen.
Am Ende war es wohl eine Mischung aus allem: Paris zumindest ein bisschen im Hinterkopf, müde Beine und ein müder Geist, in Summe eine sehr schwache Tagesform – perfekt ist dann eine hochverdiente Bundesliga-Niederlage bei einem Gegner, der mit Emotionen, Aggressivität und extremer Leidenschaft genau das auf den Platz brachte, was den Stuttgartern den Zahn zog.
Stolzer Mainzer Trainer
Und es war ja auch nicht irgendwer, auf den der VfB am Samstag traf. Der FSV mischt in dieser Runde kräftig im Kampf um die Europapokal-Plätze mit, feierte nun mit dem 2:0 (Tore durch Nelson Weiper/29. und Anthony Caci/86.) den fünften Heimerfolg nacheinander und rückte als Tabellensechster bis auf einen Zähler an den VfB heran. „Wir haben sehr mutig gespielt und sind immer besser ins Spiel gekommen“, sagte Trainer Bo Henriksen, „nach zwei Niederlagen nacheinander zuletzt war der Erfolg sehr wichtig für uns.“
In der VfB-Offensive wiederum war Nationalspieler Chris Führich ein Totalausfall, Deniz Undav nach starker erster Viertelstunde ebenso. Der Angreifer hatte nach 14 Minuten die hundertprozentige Chance zum 1:0. Doch er machte aus zehn Metern freistehend vor Keeper Robin Zentner das, was er normal bei solchen klaren Möglichkeiten nicht macht: Er vergab sie. Später stachen die beiden Joker Jamie Leweling und Ermedin Demirovic nicht, Mainz blieb griffig und hellwach – weshalb am Ende das verdiente 0:2 aus Sicht des VfB stand.
Am Mittwoch steigt nun mit der Partie gegen Paris ein Höhepunkt der Saison. Kurz aufarbeiten, dann abhaken und vergessen, das wird die Marschroute mit dem Blick auf das Spiel in Mainz sein. Denn dass es das Hoeneß Team anders und besser kann, hat es auch in dieser Saison schon oft bewiesen. Oder anders: Mit Leistungen wie etwa im Gruppenspiel bei Juventus Turin (1:0) oder jenen in den ersten vier Partien des Kalenderjahres 2025 ist ein Punktgewinn und damit ein Weiterkommen in der Königsklasse gegen PSG in der heimischen Arena, angetrieben von den eigenen Fans, absolut drin.