Auf dem Boden der Tatsachen: die VfB-Spieler Ramon Hendriks (links) und Maximilian Mittelstädt nach der der Niederlage in Hamburg. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Die Elf von Sebastian Hoeneß tritt in Hamburg nicht wie eine Spitzenmannschaft auf. Weil sie Grundtugenden hat vermissen lassen, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

Immer noch Tabellenvierter – das ist die gute Nachricht für den VfB Stuttgart nach dem 1:2 beim FC St. Pauli. Eine Niederlage, die den Fußball-Bundesligisten nach zuletzt vielen Erfolgserlebnissen zu Jahresbeginn auf dem Boden der Tatsachen belässt. Denn gab es bereits vor dem Spiel am Hamburger Millerntor keinen Grund, in den Schwebezustand zu geraten, hat sich nun gezeigt, dass die Mannschaft von Chefcoach Sebastian Hoeneß zwar zu den Spitzenteams in Deutschland zählt, aber nicht immer so auftritt.

 

Auf St. Pauli ließ es der VfB an den Grundtugenden vermissen, die für sein Spiel notwendig sind. Laufbereitschaft, Zweikampfhärte, Intensität. Die Folge: der Abstiegskandidat überraschte die Gäste mit gutem Spiel und konsequenter Vorgehensweise. Die Stuttgarter wirkten dagegen fahrig. So kann man aus Fansicht hinterher zwar auf den Schiedsrichter Benjamin Brand schimpfen, weil er zwei Handsituationen vermeintlich unterschiedlich auslegte – zum Nachteil der Stuttgarter. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass die Hoeneß-Elf bereits vor dem von Chris Führich unglücklich verursachten Strafstoß zum 0:2 schlecht war. Die Tore von Manolis Saliakas (35.) und Danel Sinani (55.) spiegelten diese Realität am 21. Spieltag wider.

Dennoch ist der VfB gut und in starker Form ein Anwärter auf die Champions-League-Ränge. Dafür muss er sich jedoch ständig an seiner Leistungsgrenze bewegen. Gelingt dies wie auf St. Pauli nicht, dann gibt es Rückschläge. Ob sich daraus bereits ein Rückschritt auf dem Weg nach oben ergibt, bleibt abzuwarten. Hoeneß glaubt, die Spieler nach der Niederlage wieder sensibilisieren und frisch motivieren zu können. Um sich nach strapaziösen Wochen neu auszurichten. Grundsatzkritik wie nach der Vorrunden-Pleite in Freiburg formuliert der Trainer allerdings nicht. Das ist auch nicht nötig. Der VfB hat vorerst nur ein Spiel verloren, nicht seine Qualität.