Die Fans von Roter Stern Belgrad gelten als heißblütig – und in Teilen gewaltsuchend. Foto: imago/MN Press Photo/Marko Metlas

Auf die 2400 Stuttgarter Anhänger kommt in Serbien ein anderes Auswärtsspiel zu als zuletzt in der Champions League – in puncto Einlasskontrollen, Parkmöglichkeiten, Handy-Gebühren und mehr. Warum die VfB-Fans in Belgrad vorsichtig sein müssen.

Eine Reise wie jede andere? Nein, niemand in der Fanbetreuung des VfB Stuttgart würde das behaupten mit Blick auf die Partie bei Roter Stern Belgrad am Mittwoch (18.45 Uhr) in der Champions League. „Es ist kein normales Auswärtsspiel wie in der Bundesliga und bringt generell ganz eigene Herausforderungen – auch unter Sicherheitsgesichtspunkten – mit sich“, sagt Christian Schmidt, der Leiter der VfB-Fanbeauftragten. Es sei keine Panik angebracht, aber große Vorsicht geboten.

 

Die Lage in der Stadt

Die Warnung des VfB ist dabei deutlich: „Teile der Fanszene von Roter Stern Belgrad gelten als gewaltsuchend und der organisierten Kriminalität zugehörig.“ Von „gewaltbereit“ ist hier ganz bewusst nicht die Rede: Anhänger von Roter Stern hätten in der Vergangenheit im Stadtgebiet immer wieder gezielt aktiv Auseinandersetzungen mit Gästefans gesucht, genau damit sei nun auch wieder zu rechnen.

Das führt zu einem großen Unterschied zu den vergangenen beiden Champions-League-Auswärtspartien bei Real Madrid und Juventus Turin: Hüpfende und singende Stuttgarter Fans wie auf der Plaza Major oder der Piazza San Carlo dürfte es dieses Mal nicht geben. Der VfB jedenfalls rät strikt davon ab, sich in irgendeiner Form als Gästeanhänger zu erkennen zu geben. „Das Stadtbild wird ein anderes sein als in Turin und Madrid“, sagt Schmidt, „unsere Fans sollten alle unsere Hinweise sehr ernst nehmen, sich neutral kleiden und zurückhaltend auftreten.“ Man rate zudem davon ab, alleine unterwegs zu sein.

Einen Fantreffpunkt wird es zwar im Süden der Stadt beim Sportzentrum Vozdovac geben, dieser ist aber weniger ein Verweilort für mehrere Stunden – sondern eher eine Abholstelle: Von diesem Sammelplatz aus findet ein organisierter Transport mit Polizeibegleitung zum Stadion und wieder zurück statt. Der VfB rät allen Fans, die sich am Spieltag in der Stadt aufhalten, diese Anreise-Option auch zu nutzen. Denn rund um das Stadion Rajko Mitic in einem Wohngebiet im Süden der Stadt gibt es kaum Abstellmöglichkeiten für Autos – Taxen wiederum hätten Fans in der Vergangenheit teils „gezielt an potenziell gefährliche Punkte“ im Umfeld der Fußballarena gebracht.

Der Weg zum Stadion

Viele Fanbusse werden ohnehin aus Stuttgart direkt zum Stadion fahren – unter anderem der Anbieter VfB Away, der mitteilt: „Ein Aufenthalt vor dem Spiel in Belgrad wird aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt sein.“ Voraussichtlich werden die Busse von der serbischen Grenze aus in einem Konvoi zum Stadion geleitet. Dort sind es dann 2400 Fans, die das Team während des Spiels unterstützen. So viele Karten hat der VfB aus Belgrad erhalten und wenig überraschend auch abgesetzt.

Der Gästebereich befindet sich, aufs Spielfeld blickend, rechts neben der Haupttribüne. Die Stuttgarter Fanbetreuung rät strikt davon ab, sich irgendwo anders im Stadion Karten zu besorgen. Es bestehe ein „hohes Gefahrenpotenzial“ für Anhänger von Gastmannschaften, der VfB könne im Heimbereich auch keinen Schutz gewähren.

Der Aufenthalt im Stadion

Roter Stern trägt seine Heimspiele im Stadion Rajko Mitic aus. Foto: imago//Dimitrije Vasiljevic

Am Einlass ist zudem voraussichtlich eine Menge Geduld gefragt. So schrieb RB Leipzig im vergangenen Jahr im Vorfeld seiner Partie bei Roter Stern Belgrad: „Fans aller bisherigen Gäste wie Bayern München, Köln und Bern beschreiben den Einlass als sehr schikanös. Dieser war teils übergriffig, teils quälend langsam, sodass wir ein frühzeitiges Anreisen empfehlen müssen.“ Außerdem seien teils beliebige Gegenstände wie Münzen abgenommen worden, alles andere als Geldbörse und Handy seien ebenfalls nicht erlaubt, Taschen würden maximal in Bauchtaschengröße geduldet.

So weit zum Spiel. Da Serbien nicht Teil der Europäischen Union ist, ergeben sich aber auch im Alltag vor Ort einige Besonderheiten. Nicht bei den Reisedokumenten, hier genügt ein normaler Personalausweis zur Einreise. Aber in puncto Geld: Scheine der Landeswährung Dinar können im Regelfall an einem Automaten abgehoben werden. Mit einer Kreditkarte funktionieren Zahlungen auch in vielen Supermärkten und Restaurants, mit einer EC-Karte dagegen nicht immer.

Handy und Verkehr vor Ort

Stichwort Handy: Da Serbien nicht zur EU-Roaming-Zone zählt, fällt es bei fast allen Anbietern (je nach Tarif) in eine deutlich teurere Kategorie. Alternativen sind das Zubuchen von einigen Gigabytes per elektronischer SIM (sofern das eigene Handy hierfür kompatibel ist) oder der Kauf einer Prepaid-Karte an einem Kiosk.

Vom Flughafen fahren öffentliche Verkehrsmittel und Taxen in die Stadt – wobei es sich bei letzteren empfiehlt, schon im Flughafengebäude eine Taxikarte zu ziehen und mit dieser zum Fahrer zu gehen. „Nutzen Sie nur deutlich gekennzeichnete offizielle Taxis“, rät das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen für Serbien, „bestellen Sie Taxis gegebenenfalls unter Mithilfe des Hotels oder Restaurants bei bekannten Taxiunternehmen vor und bestehen Sie auf Einschalten des Taxameters.“

Auf die VfB-Fans wartet also ohne Frage kein gewöhnliches Auswärtsspiel – bei allen notwendigen Vorkehrungen aber wohl auch ein reizvolles. „Es gibt auch gute Gründe, sich sehr auf dieses Spiel zu freuen“, sagt der VfB-Fanbeauftragte Christian Schmidt. „Ich hoffe auf Fußball in Reinkultur.“