Die Wege von Sebastian Hoeneß und Niko Kovac haben sich schon oft gekreuzt. Foto: Pressefoto Baumann, imago/osnapix

Niko Kovac und Sebastian Hoeneß verbindet seit Jahren einiges. Vor dem direkten Duell erteilt der Dortmunder Trainer seinem VfB-Kollegen einen nicht alltäglichen Ritterschlag.

Man muss schon sehr weit zurückgehen, um zu den gemeinsamen Anfängen von Sebastian Hoeneß und Niko Kovac zu gelangen. 20 Jahre ist es her, dass die heutigen Cheftrainer des VfB Stuttgart und von Borussia Dortmund im selben Verein Fußball spielten – nur nicht in der gleichen Mannschaft. Kovac lief als gestandener Profi für Hertha BSC auf, Hoeneß in der zweiten Mannschaft der Berliner, beide Mittelfeldspieler begegneten sich gelegentlich auf dem Trainingsplatz.

 

Auch beim nächsten Berührungspunkt agierte Kovac eine Ebene höher, als er 2018 den FC Bayern München als Cheftrainer übernahm und mit dem Münchner U-19-Coach Hoeneß immer mal wieder im Austausch war.

Inzwischen kreuzen sich die Wege auf Augenhöhe. Wenn Hoeneß (43) und Kovac (54) an diesem Samstag (15.30 Uhr) in der Bundesliga aufeinandertreffen, tun sie das punktgleich als direkte Nachbarn im Tableau. Dritter gegen Vierter, BVB gegen VfB, ein Duell um die vorderen Plätze. Diese tabellarische Augenhöhe beider Mannschaften hat für Kovac maßgeblich mit seinem Trainer-Weggefährten zu tun. „Er ist im Moment derjenige“, sagt der Dortmunder Coach über Sebastian Hoeneß, „der das Aushängeschild der deutschen Fußballlehrer ist.“ Der Aufschwung sei schlicht Wahnsinn: „Wir wissen alle, wo der VfB herkam. Das ist sicherlich nicht nur sein Verdienst, sondern auch der Leute, die drumherum arbeiten. Aber es ist zu einem sehr großen Teil sein Verdienst.“

Kovac über Hoeneß: „Das so hinzubekommen, ist einzigartig“

Nun hat zwar auch Kovac – eine weitere Parallele – während seiner Zeit an der Seitenlinie bei Eintracht Frankfurt einen Traditionsclub von der Relegation (2016) zum Pokalsieg (2018) geführt. Beim VfB aber war das zuletzt noch verbunden mit Platzierungen im vorderen Tabellendrittel. „Das so hinzubekommen“, sagt Kovac, „ist einzigartig.“

Niko Kovac tauscht sich 2019 als Bayern-Trainer mit Vertretern des Nachwuchsleistungszentrums aus – ganz rechts Sebastian Hoeneß. Foto: imago /Philippe Ruiz

Nun konnte Hoeneß auf den verbalen Schulterklopfer nicht direkt reagieren, da die Pressekonferenzen im Vorfeld des Spiels nahezu zeitgleich stattfanden. Klar ist aber, dass auch der Stuttgarter Trainer Kovacs Weg und Wirken genau verfolgt – und sich auf ein ganz schwieriges Spiel einstellt. „Niko hat es in Dortmund geschafft, in einer wirklich schwierigen Situation das Ding wieder komplett ins Rollen zu bringen“, sagt Hoeneß, „der Spirit ist da, die Mannschaft ist absolut bereit zu marschieren, die Laufdaten sind beeindruckend.“ Und individuelle Klasse habe der BVB sowieso.

Disziplin, Einsatz, Kompaktheit – Kovac legt großen Wert auf diese Dinge, die sich auch im Torverhältnis spiegeln. Mit sieben Gegentreffern in zehn Ligaspielen stellen die Dortmunder die zweitbeste Defensive der Liga, nur der FC Bayern hat noch ein Tor weniger kassiert. War das BVB-Spiel in der Vergangenheit immer wieder vom Hang zum Spektakel mit beträchtlichen Schwankungen geprägt, hat Kovac dem Team nun einen gehörigen Schuss Seriosität verordnet. Eine Stabilität, die auch das Stuttgarter Auftreten bislang über weite Strecken kennzeichnet: Der Gegentor-Schnitt ist im Vergleich zur Vorsaison von 1,6 auf 1,2 pro Spiel gesunken.

Die Kehrseite: Beide Mannschaften sind in puncto offensiver Durchschlagskraft noch nicht da, wo sie ihre Trainer gerne hätten. Kovac wird in Interviews seit Wochen mit der Ladehemmung von Mittelstürmer und Ex-VfB-Profi Serhou Guirassy konfrontiert, dem in den vergangenen acht Pflichtspielen lediglich ein Tor gelang. Und für Hoeneß ist beim VfB die Mittelstürmer-Position ohnehin schon seit Monaten Thema, nicht zuletzt aufgrund von Verletzungen. Derzeit rangiert kein Stuttgarter Profi unter den Top 20 der Bundesliga-Torjägerliste.

Ein Ende finden die Gemeinsamkeiten aber definitiv beim Blick auf den Druck und die Ansprüche, die in Dortmund ungleich größer sind. Die Qualifikation für die Champions League ist das erklärte Mindestziel, schon das jüngste Remis beim Hamburger SV genügte, um für ein wenig Unruhe zu sorgen. Und für Zugzwang gegen den VfB, auf den wiederum drei Wochen nach dem Spiel bei RB Leipzig (1:3) das nächste Kräftemessen mit einem Spitzenteam wartet. „In Dortmund zu spielen, ist mit das anspruchsvollste, was du bekommen kannst in der Bundesliga“, sagt Hoeneß zur anstehenden Standortbestimmung, „es ist die zweite richtige Top-Mannschaft, gegen die wir spielen.“ Ein erkenntnisreicher Gradmesser wird es also in jedem Fall werden. Für den VfB, den BVB – und die beiden langjährigen Weggefährten auf der Trainerbank.