Ein Eigentor, laute Pfiffe und die zweite Niederlage gegen den VfB: Der frühere Stuttgarter Kapitän spricht über das Spiel gegen seine Ex-Mannschaft, aus der nach Abpfiff anders als in den sozialen Medien keine Schadenfreude kommt.
Die Pfiffe waren nicht so laut wie im Hinspiel, was aufgrund der numerischen Unterzahl der VfB-Fans im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund auch auf der Hand lag. Aber die Unmutsbekundungen hallten deutlich hörbar durch die Arena: Wann immer BVB-Innenverteidiger Waldemar Anton im Duell mit seinem Ex-Verein an den Ball kam, quittierten weite Teile der 8000 Stuttgarter Anhänger das mit einem gellenden Konzert. Der Tag verdeutlichte abermals: Der Abgang des früheren Kapitäns im vergangenen Sommer nach vorherigen Treuebekenntnissen ist für viele Fans nach wie vor ein Thema und nicht abgehakt.
Es gehörte zu den Geschichten dieses Nachmittags, dass Anton nun ausgerechnet vor dem Gästeblock ein spielentscheidendes Missgeschick unterlief. Kurz nach dem Seitenwechsel grätschte der 28-Jährige eine Hereingabe von Chris Führich ins eigene Tor, der VfB ging in Führung und gab diese bis zum Spielende beim 2:1-Sieg nicht mehr her.
Niko Kovac: „Der eine Schritt von Waldi hätte noch sein müssen“
Hätte sich das Eigentor vermeiden lassen? Viel dreht sich im Nachhinein um die Positionierung des Dortmunder Innenverteidigers. „Da müssen wir etwas tiefer stehen, der eine Schritt von Waldi hätte noch sein müssen“, sagte BVB-Trainer Niko Kovac zu der Szene, in der Anton den Ball mit ausgestrecktem Bein ins Tor grätschte und mit besagtem Schritt in Richtung Torauslinie womöglich hätte frontaler blocken können. Zugleich sei auch Pech dabei gewesen, so Kovac, die Kugel hätte schließlich auch an den Pfosten oder ins Toraus springen können. Natürlich wolle und werde er sich die Szene in der Analyse nochmals anschauen, betonte auch Anton selbst. „Aber ich muss da schon hingehen. Es ist dann natürlich bitter, dass der Ball ins Tor springt, obwohl ich vor dem ersten Pfosten bin.“
Aus der Stuttgarter Mannschaft jedenfalls kam nicht einen Hauch jener Schadenfreude, die teils in den sozialen Medien kursierte. „Er war ein Spieler, der bei uns auch dazu beigetragen hat, dass wir Erfolg hatten“, sagte VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „deshalb gibt es keine Häme.“ Selbstverständlich habe das Eigentor rein sportlich im Spielverlauf geholfen, mehr wolle er dazu aber nicht sagen.
So stand am Ende für Anton die zweite Niederlage im zweiten Duell mit dem VfB seit seinem Wechsel zu Buche – und zugleich aus Dortmunder Sicht ein misslungenes Debüt des neuen Trainers Kovac. Sein hätte das nicht müssen, befand Anton: „Wir haben enormen Druck gemacht. Vor allem in der ersten Hälfte hatten die Stuttgarter kaum Möglichkeiten, bei Ballbesitz rauszukommen. Wir hatten jeden zweiten Ball auf unserer Seite“, sagte der Verteidiger, der neben seinem Eigentor Licht und Schatten zeigte. Mit einem zu kurz geratenen Rückpass leitete er eine Großchance durch VfB-Stürmer Deniz Undav ein (37.), zugleich hatte er aber auch die zweitmeisten Ballkontakte aller Spieler auf dem Feld und mit 60 Prozent eine ordentliche Zweikampfquote.
Offensiv aber blieb der BVB letztlich zu harmlos. „Am Ende musst du halt irgendwann mal ein Tor machen. Am Ende war es dann sehr hektisch“, resümierte Anton, der sich zu den Pfiffen gegen seine Person zunächst nicht groß äußern wollte: „Das war ja schon im Hinspiel so, ich habe das abgehakt. Für mich ging es einzig darum, zu gewinnen. Alles andere drumherum war mir nicht wichtig.“
Im sozialen Netzwerk Instagram veröffentlichte er allerdings am Samstagabend eine Nachricht, in der ohne weitere Erläuterungen die Definition des englischen Worts „obsessed“ (Deutsch „besessen“) zu lesen war: „Nicht aufhören können, über etwas nachzudenken; sich zu sehr für etwas interessieren oder sich Sorgen um etwas machen.“ Das Ganze konnte durchaus als Anspielung auf die Pfiffe und den anhaltenden Unmut der VfB-Fans verstanden werden, blieb aber nicht von langer Dauer: Nach wenigen Minuten war der Beitrag wieder gelöscht.