Der VfB Stuttgart startet am Samstag ins neue Bundesligajahr. Reicht es 2026 wieder für die Königsklasse? Die VfB-Reporter Carlos Ubina und Dirk Preiß diskutieren diese Frage.
Der Winterschlaf, der eher ein Powernap war, ist beendet. Auch für den VfB Stuttgart. An diesem Samstag (18.30 Uhr) tritt das Team des Cheftrainers Sebastian Hoeneß zum Restart der Fußball-Bundesliga gleich zum Topspiel bei Bayer Leverkusen an. Bringt diese Partie schon Klarheit in der Frage, wohin es für die Weiß-Roten in dieser Saison noch gehen kann?
Womöglich. Vielleicht dauert es aber auch noch ein wenig, bis sich der Nebel lichtet. Klar ist nur: Das Team will in allen drei Wettbewerben nach dem Maximum streben.
Wir haben uns schon jetzt mit der Frage beschäftigt: Schafft es der VfB Stuttgart am Saisonende in die Champions League? Einig ist sich unsere Redaktion dabei nicht.
Pro – der VfB zieht in die Champions League ein
VfB-Reporter Carlos Ubina: Pssst. Wir müssen leise und vorsichtig sein. Denn wenn Sebastian Hoeneß mitbekommt, was hier zu lesen steht, dann wird der Trainer des VfB Stuttgart sicher nicht begeistert sein. Weil Hoeneß zwar ein überaus ehrgeiziger Fußballlehrer ist, aber ebenso ausgeprägt ist sein Hang, die Erwartungen an seine Mannschaft nicht zu hoch zu schrauben. Er stapelt lieber tief, stürmt gerne aus der zweiten Reihe nach vorne und vermeidet laute Ankündigungen. Dennoch: der VfB schafft es in die Champions League.
Diese These steht vor dem schwierigen Jahresauftakt mit den Bundesligaspielen bei Bayer Leverkusen und gegen Eintracht Frankfurt – zwei Clubs, die aktuell an der europäischen Königsklasse teilnehmen. Und klar, hinterher wären wir alle schlauer, was die Stuttgarter Stärke anbelangt. Doch es braucht einen langen Atem, und schon jetzt verfügt der VfB über einen gut besetzten Kader – in Spitze und Breite. Das haben die ersten Saisonmonate in den drei Wettbewerben gezeigt.
Liga, DFB-Pokal und Europa League – diesen sportlichen Dreisprung muss der VfB unter Dauerbelastung hinbekommen. Sofern keine Schlüsselfiguren ausfallen. Bisher ist das gelungen, und nun stehen Trainer und Team vor der Herausforderung, den nächsten Schritt in der Entwicklung zu gehen. Vom aufstrebenden Coach zum dauerhaften Spitzentrainer, von der spielstarken Überraschungself zur etablierten Spitzenmannschaft.
Hoeneß hat das Zeug dazu, da er ein Bessermacher ist und die Clubführung ihm und seinen Fähigkeiten vertraut. Und in der VfB-Mannschaft stecken genügend Qualität und Erfahrung, um mit Siegen zur Stelle zu sein, wenn ein Mitglied der Top Vier aus der Bundesliga schwächelt. Der FC Bayern München ist dabei übermächtig, aber Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig sind Kontrahenten, die sportlich in Reichweite liegen. Zudem hat die TSG Hoffenheim keine besseren Voraussetzungen.
Ab sofort heißt es beim VfB also wieder: mit Überzeugung zu verteidigen, den Ball leichtfüßig laufen zu lassen und den Fokus vor dem gegnerischen Tor nicht zu verlieren – damit der weiß-rote Traum wahr wird. Dann lässt es sicher auch Hoeneß knallen.
Contra: Für die Königsklasse reicht es über die Liga nicht
VfB-Reporter Dirk Preiß: Wer weniger erwartet, kann umso mehr positiv überrascht werden. Ist klar. Einfache Nummer. Keine höhere Psychologie. Aber darum geht es in diesem Fall nicht. Es geht vielmehr: um eine realistische Einschätzung. Wie stark ist der VfB Stuttgart im Jahr 2026? Was ist drin bis zum Saisonende? Reicht es wieder für die Königsklasse?
Die Antworten: Das Team des VfB ist gut. Es ist auch einiges machbar bis Ende Mai. Aber zum erneuten riesengroßen Wurf, also dem Sprung in die Champions League, wird es nicht ganz reichen für die Weiß-Roten aus Bad Cannstatt.
Der VfB hat sich nach dem sagenhaften Aufstieg in der Saison 2023/2024 und dem Pokalsieg 2025 endgültig etabliert in der oberen Tabellenhälfte und unter den Europapokalanwärtern, vielleicht sogar im ersten Drittel der Rangliste – das hat der bisherige Saisonverlauf eindeutig bewiesen. Es waren wieder viele gute und nur ganz wenige schwache Leistungen dabei. Dennoch wurde auch klar: Für einen sicheren Platz unter den besten vier fehlt dem Team noch ein letzter Rest an Qualität und Konstanz. Ein Hinweis darauf: In den Duellen gegen die Kontrahenten aus der oberen Tabellenhälfte gelangen in dieser Saison noch keine Siege.
Dass die nun ausgerechnet in den ausstehenden Vorrundenpartien gegen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt nachgeholt werden, ist möglich, aber alles andere als sicher. Zumal Verletzungen (vor allem in der Abwehr) und das Fehlen von Bilal El Khannouss (Afrika-Cup) die Chancen mindern. Und die Kaderergänzung bisher moderat ausgefallen ist. Daher wird es für den VfB – auch mit Blick auf die Dreifachbelastung – in der Liga lediglich darum gehen, Rang sechs zu halten und so zumindest die erneute Teilnahme am internationalen Geschäft abzusichern.
Um in den anderen beiden Wettbewerben derweil unbeschwert einem erneuten Titel hinterherjagen zu können. Und am Ende womöglich doch noch positiv zu überraschen.