Der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart spricht über seine Zukunft und die Entwicklung beim Bundesligisten – wo er am Wochenende in den Fokus rücken dürfte.
Es ist ruhiger geworden um Chema. Während der junge Spanier in der Hinrunde eine der positiven Überraschungen beim VfB Stuttgart war, muss er inzwischen im zentralen Mittelfeld immer öfter Atakan Karazor den Vortritt lassen: Nur einmal stand der 20-Jährige in den vergangenen sieben Pflichtspielen in der Startelf, dreimal kam er gar nicht zum Einsatz.
Nun aber dürfte sich das ändern: Im kommenden Bundesliga-Spiel gegen den Hamburger SV am Sonntag (17.30 Uhr) fehlt Kapitän Karazor gelbgesperrt. Die Chance für Chema? Alles andere wäre eine Überraschung. Seit November 2025 besetzte Trainer Sebastian Hoeneß die beiden zentralen Mittelfeldpositionen in der Anfangsformation stets nur mit drei verschiedenen Spielern: Angelo Stiller, Atakan Karazor – und eben Chema.
Dass Hoeneß große Stücke auf den Youngster hält, hatte er bereits während dessen erster Leistungsdelle im Winter betont. Schwankungen seien bei einem jungen Profi ohne große Erfahrung auf dem Niveau ganz normal – und seine Fähigkeiten stünden in keiner Weise in Frage: „Chema hat gleich gezeigt, warum wir ihn wollten.“ In seinen besten Auftritten für den VfB kombinierte er Spielintelligenz mit Zweikampfhärte, agierte zudem passsicher auch über längere Distanzen. „Und die Art, wie er auftritt, ist überragend“, so der VfB-Trainer: „Er geht immer positiv an die Sache heran, ist lernwillig. Chema gehört die Zukunft.“
Wo diese langfristig liegt, ist derweil offen. Der 1,90 Meter große Rechtsfuß war im vergangenen Sommer für knapp drei Millionen Euro von Real Madrid gekommen, das ihn per Rückkauf-Option wieder in die spanische Hauptstadt holen könnte. Für 13,5 Millionen Euro in diesem Sommer, danach wird es teurer. Die Stuttgarter wären dann aber noch immer im Spiel, falls Real ihn nicht behält. Zum einen durch eine Weiterverkaufsbeteiligung, zum anderen durch ein sogenanntes Matching Right: Zieht der VfB mit dem Angebot eines anderen Vereins gleich, erhält er den Zuschlag.
Chema lobt Angelo Stiller: „Er könnte für jedes Team spielen“
Solche Klauseln und Konstrukte sind bei den Königlichen üblich, wenn ein Youngster aus dem eigenen Nachwuchs den Verein verlässt – was ja sehr oft vorkommt, da der direkte Sprung ins Profi-Team ein riesengroßer ist. Das war auch bei Chema nicht anders, der aufgrund geringer Aussichten auf Spielpraxis den Weg nach Stuttgart ging. „Das Projekt hier hat zu dem gepasst, was ich wollte: den Schritt in den professionellen Fußball schaffen und die Chance erhalten, Erfahrungen und Einsatzzeiten zu sammeln“, sagte der Mittelfeldspieler kürzlich im Gespräch mit „The Atheltic“. Hoeneß habe ihn dabei im persönlichen Gespräch überzeugt: „Ich konnte sehen, dass er mich will und an mich glaubt. Er hat mir Vertrauen gegeben.“
Bereut hat er den Wechsel nach Deutschland nicht. Trotz der zuletzt unregelmäßigen Einsatzzeiten spielt Chema deutlich mehr als in der Vorsaison bei Real (drei Kurz-Einsätze), auch körperlich hat er sich entwickelt. Drei bis vier Kilogramm, berichtet der Youngster, habe er an Muskelmasse während seiner Zeit in Stuttgart zugelegt. Und auch in puncto Fankultur sind es neue Erfahrungen, die er zu schätzen weiß: „Der Fußball in Deutschland und speziell in Stuttgart gehört den Fans.“ Der Verein ermögliche und erleichtere das Zusammenkommen mit den Anhängern und den gemeinsamen Austausch: „Und die Menschen hier schätzen die Spieler wirklich.“
Zugleich macht Chema keinen Hehl daraus, dass er Real immer noch im Herzen trägt. Die Zeit in der Nachwuchs-Akademie war prägend, in der U14 trainierte ihn dort Xabi Alonso, die Konkurrenz zur Barcelona-Schmiede La Masia ist allgegenwärtiger Antrieb. „Es ist wie eine Familie, die Bindung bleibt lebenslang“, sagt Chema, der die Auftritte von Real nach wie vor verfolgt: „Sie sind die beste Mannschaft auf der Welt. Dort zu spielen, ist der härteste Job im Fußball.“
Ob das auch irgendwann sein Job sein wird? „Das ist etwas, was der Verein entscheiden muss. Ich wäre erfreut, nach Madrid zurückzukehren“, sagt Chema – ergänzt aber auch: „Es ist nichts, worüber ich mir gerade Gedanken mache. Ich bin sehr glücklich in Stuttgart und habe meinem Berater gesagt, dass ich nichts davon wissen möchte.“ Wenn die Zeit komme, werde man sprechen und sehen, welche Optionen es gebe.
Gegenwärtig liegt der Fokus ohnehin ausschließlich auf dem VfB, wo der Spanier über einen Vertrag bis 2030 verfügt und nun durch die Karazor-Sperre in den Fokus rückt – als Nebenmann von Angelo Stiller, dessen Name auch immer mal wieder im Zusammenhang mit Real Madrid fällt. Chema überrascht das nicht: „Er ist unser bester Spieler. Er ist spektakulär und könnte für jedes Team spielen.“ In der nahen Zukunft wird Stiller erst einmal gegen den HSV spielen. Aller Voraussicht nach mit Chema.