Immer wieder Diskussionen: Das Hinspiel des VfB Stuttgart im Achtelfinale der Europa League gegen den FC Porto. Foto: Baumann/Volker Mueller

Nach dem Spiel des VfB Stuttgart gegen den FC Porto wird viel über die Spielweise der Gäste diskutiert. Provokant und dreckig sei diese gewesen. Wie sollte der VfB damit umgehen?

Einen Impfstoff gegen widerborstige Gegner im internationalen Vereinsfußball gibt es noch nicht. Und es braucht ihn auch gar nicht. Sagt zumindest Fabian Wohlgemuth. Denn der Sportvorstand des VfB Stuttgart attestierte am Donnerstagabend seinen Spielern, sie hätten sich im Laufe der Partie ja selbst „immunisiert“. Gegen das, was der Kontrahent so alles ins Spiel gebracht hatte.

 

Im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League trafen die Stuttgarter auf den portugiesischen Hochkaräter vom FC Porto. Und schon vor dem Anpfiff war klar gewesen: Die Blau-Weißen haben zwar einige blutjunge Talente in ihren Reihen, gelten aber auch als das, was man im Fußballerjargon „abgezockt“ nennt. Das hat sich dann auch mehr als nur bestätigt.

Die Portugiesen nutzen zwischen der 20. und der 27. Minute kleine Fehler des VfB gnadenlos aus. Und wählten dann eine breite Palette an Mitteln, ihren Vorsprung über die Zeit zu bringen. Auch unerlaubte?

Nicht wirklich. Dass dennoch ein gewisser Ärger auf Stuttgarter Seite vorherrschte, lag sicherlich einerseits an der 1:2-Niederlage. Und andererseits daran, dass einiges, was der FC Porto anbot, für einen zurückliegenden Kontrahenten nervtötend sein kann.

Nach den Toren wurde vor der Cannstatter Kurve gejubelt – was die Fans in Rage brachte. Später wurde immer mal wieder ein Ball liegengelassen. Wurde eine Verletzungspause provoziert. Wurden kleine Nebenkriegsschauplätze aufgemacht. „Die Emotionen sind sehr hoch geflogen“, sagte der VfB-Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt – und betonte: „Es war provokant und ein Stück weit dreckig.“

Was es allerdings auch war: völlig im Rahmen. Die Portugiesen zeigten keine übertriebene Härte. Der Stürmer Terem Moffi entschuldigte sich nach seinem Jubel vor dem Stuttgarter Anhang gestenreich. Die entscheidenden Stuttgarter Fehler hatten mit all den Scharmützeln nicht das Geringste zu tun. Und auch das Zeitspiel war zwar nicht immer schön anzuschauen (Deniz Undav: „Ich glaube, der Linksverteidiger lag 37-mal auf dem Boden wegen der gleichen Aktion“), aber da gab es schon viel schlimmere Partien. Man denke nur an das Europa-League-Halbfinale zwischen Bayer Leverkusen und der AS Roma im Frühjahr 2023 zurück.

Sebastian Hoeneß wollte nach dem Abpfiff dann auch gar nicht das Hauptaugenmerk auf die Begleitumstände legen. Generell war der Coach des VfB nämlich der Meinung, sein Team habe das „gut kanalisiert“. Lediglich hätte er sich eine etwas straffere Spielleitung des Schiedsrichters Donatas Rumsas (Litauen) gewünscht. Die Spieler des FC Porto hätten schließlich „Grenzen ausgetestet“.

Im Rückspiel kommt „alles in die Waagschale“

Auch Fabian Wohlgemuth blickte lieber auf das, was der VfB aus der Partie lernen kann – als sich noch ewig an der Spielweise der Portugiesen abzuarbeiten. Dieses „große Maß an Provokation“ gehöre international dazu, sagte der Sportchef, „daran müssen wir uns gewöhnen und darauf einstellen“. Denn viel anders wird es in einer Woche nicht werden.

Am kommenden Donnerstag (21 Uhr) geht es zum Rückspiel nach Porto. Und im Estadio do Dragao geht es für die Hausherren dann weiterhin darum, einen Vorsprung über weitere 90 Minuten zu bringen. „Wir werden alles in die Waagschale werfen“, versprach Wohlgemuth. Fußballerisch, athletisch – und als Lehre vom Hinspiel sicher auch ein paar Emotionen und Provokationen.