Der VfB Stuttgart holt den zweiten Sieg in der Europa League. Das 2:0 gegen Feyenoord Rotterdam war ein hartes Stück Arbeit. Wie gelang der wichtige Erfolg? Unsere Analyse.
Es lief bereits die 84. Minute – und in der Partie des VfB Stuttgart gegen Feyenoord Rotterdam sah es nicht mehr wirklich danach aus, als ob dieses Spiel noch einen Sieger bekommt. Die Gastgeber mühten sich, doch noch drei Punkte zu ergattern, es war aber viel Stückwerk dabei. Ehe dann doch noch ein Spielzug wie aus einem Guss gelang. Der die Entscheidung brachte.
Finn Jeltsch, der VfB-Abwehrspieler, dribbelte in die Hälfte der Niederländer, passte auf Lorenz Assignon. Der Franzose sprintete Richtung Grundlinie, flankte nach innen – wo Bilal El Khannouss seinen drahtigen Körper nach oben schraubte. Der Algerier gilt zwar nicht als Kopfball-Ungeheuer, setzte jedoch den Ball im Stile eines solchen perfekt ins Rotterdamer Tor. 1:0, dem wenig später das 2:0 durch Deniz Undav folgte. Es war die endgültige Entscheidung. Es waren drei Punkte. Die nach zuletzt zwei Auswärtsniederlagen in der Europa League unglaublich wichtig sind. „Ich bin erleichtert, es tut gut, so ein Spiel mal auf unsere Seite gezogen zu haben“, sagte Sebastian Hoeneß.
Der VfB-Trainer hatte auch diesmal Wechsel in seiner Startelf im Gegensatz zur 1:3-Niederlage bei RB Leipzig vorgenommen. Aber: Eine Veränderung war gänzlich ungewollt. Eigentlich sollten Jeltsch, Luca Jaquez und Jeff Chabot die Dreierkette in der Abwehr bilden. Als der Anpfiff ertönte, war von dem Schweizer Jaquez aber keine Spur – weil er aufgrund von Adduktorenproblemen kurzfristig hatte passen müssen. Stattdessen stand Josha Vagnoman auf dem Feld, allerdings ungewohnt links vorne. Hinten agierte der VfB mit einer Viererkette, doch gerade über die linke Seite von Vagnoman und Maximilian Mittelstädt waren die Stuttgarter anfällig. Was an Anis Hadj Moussa lag.
Der Kapitän von Feyenoord machte ordentlich Betrieb und ließ Mittelstädt immer wieder alt aussehen. In der 14. Minute parierte der VfB-Keeper Alexander Nübel einen Schuss des 23-Jährigen. Kurz vor der Pause hätte der Algerier dann erneut fast die Rotterdamer Führung erzielt. Nach einem langen Pass des Torhüters Timon Wellenreuther startete Hadj Moussa zentral durch, die Abwehr des VfB hatte eine riesige Lücke gelassen – und erst an der eigenen Strafraumlinie konnte Mittelstädt eingreifen. Per Foul, weshalb der Linksverteidiger Glück hatte, dass er nicht mit Rot vom Platz gestellt wurde. Was vom VfB bis dahin zu sehen war?
Wenig. Und schon gar nicht der Spielfluss, für den die Weiß-Roten zuletzt bekannt waren und der sie in der Bundesliga bis auf Platz vier gespült hat. Kleine Ungenauigkeiten bei den Abspielen, immer wieder Fouls aufgrund schlechten Timings in der Zweikampfführung, dazu kaum Abschlüsse, die das Rotterdamer Tor in Gefahr brachten. Die Stuttgarter fanden in der ersten Hälfte irgendwie nie den Zugang zu diesem Spiel. „Was wir vorhatten, ist nicht aufgegangen“, gab Hoeneß zu, „die Dinge haben nicht geklappt.“
Zum Wiederanpfiff korrigierte der Coach dann seine Aufstellung, brachte Jamie Leweling für Vagnoman – in der Hoffnung, etwas mehr Druck entwickeln zu können. Die ersten Szenen gehörten allerdings wieder den Gästen, ehe dann Bilal El Khannouss gleich zweimal im Fokus des Geschehens stand.
Zunächst ging es dem VfB-Offensivspieler wie seinem Landsmann auf Rotterdamer Seite – er wurde auf dem Weg zum Tor per Foul gestoppt, und sein Gegenspieler schrammte wie zuvor Mittelstädt nur knapp an einem Platzverweis vorbei. Kurz danach, in Minute 58, zog El Khannouss aus 17 Metern ab, Timon Wellenreuther im Feyenoord-Tor konnte aber parieren.
Immerhin: Der VfB war nun besser im Spiel, gewann mehr Zweikämpfe und kam auch zu weiteren Chancen. Deniz Undav scheiterte an Wellenreuther (69.), Sekunden später köpfte Jamie Leweling neben das Tor. Man konnte sehen: Die Stuttgarter wollten sich mit diesem einen Punkt nicht zufriedengeben, zum Sturmlauf taugten die Bemühungen des VfB aber eher nicht.
Es blieb irgendwie wild, zerfahren, nicklig und selten wirklich schön anzuschauen. Ehe sich der VfB dann doch noch an das schöne Spiel erinnerte – und ein äußerst kniffliges Match für sich entscheiden konnte. Erst Bilal El Khannouss, dann Deniz Undav nach Vorarbeit von Chris Führich, weshalb die Stuttgarter mit jetzt sechs Punkten nun wieder eine gute Ausgangssituation haben für das Erreichen der nächsten Runde. Die kann sich weiter verbessern: am 27. November bei den Go Ahead Eagles in Deventer. „Wir haben den Grundstein gelegt“, sagte Undav, „jetzt müssen wir so weitermachen.“