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VfB im Pokal – 1997 Giovane Elber: Erst Jubel, dann Tränen

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Giovane Elber un der Pokal 1997 Foto: dpa

Stuttgart - 1997 gewann der VfB Stuttgart letztmals den DFB-Pokal. Entscheidender Mann beim 2:0 über Energie Cottbus war Giovane Elber – für den der Endspieltag auch bittere Momente hatte.

Zeit für den Fußball hat er nur noch bedingt. Erst jetzt, wenn die Schalen und Pokale vergeben werden, gönnt sich Giovane Elber mal eine Rückkehr in sein altes Leben. Kürzlich stand er im Spalier der Ehemaligen, als sein Ex-Club Bayern München zum Meister gekürt wurde. Vergangenen Samstag flog er nach London zum Champions-League-Endspiel der Münchner gegen Borussia Dortmund. Seither ist er in Deutschland und schaut sich an diesem Samstag das Pokalfinale der Bayern gegen den VfB an, seinen anderen Ex-Club. Wem er dabei die Daumen drückt? Elber muss nicht lange überlegen: „Ich hoffe, dass der VfB gewinnt. Ich würde Stuttgart den Pokal gönnen, vor allem Fredi Bobic.“

Das magische Dreieck: Bobic, Balakov, Elber

Zusammen mit dem VfB-Sportdirektor und Krassimir Balakov bildete Elber einst das magische Dreieck. Sie begeisterten die Liga – und sie gewannen am 14. Juni 1997 den DFB-Pokal. 2:0 gegen Energie Cottbus, beide Treffer erzielte Elber. „Eine Niederlage wäre eine Blamage gewesen“, sagt er. Cottbus war noch Regionalligist, der VfB haushoher Favorit. Hinterher leisteten Gerhard Poschner und Marco Haber ganze Arbeit:  Sie färbten Elber, Bobic, Thomas Berthold und sich selbst die Haare rot und golden. „In der Kabine sieht es aus wie in der Lackiererei von Mercedes-Benz“, sagte Berthold. Und als das Siegerfoto gemacht wurde, fehlte ausgerechnet Joachim Löw: Der Trainer war nicht rechtzeitig aus den Fängen von ARD-Reporter Waldemar Hartmann gekommen. Nach der Rückkehr nach Stuttgart kam es für Löw noch dicker: Auf dem Rathausbalkon griff Poschner zum Rasierer und verpasste dem heutigen Bundestrainer eine Glatze.

Jubel, Trubel – dabei waren die tollen Tage speziell für Giovane Elber nicht einfach. Das Pokalfinale war sein Abschiedsspiel, der Stürmer hatte längst beim FC Bayern unterschrieben. Die Fans nahmen ihm den Wechsel übel, Elber spürte im Vorfeld Misstrauen. Bobic, Balakov und Berthold stärkten ihm den Rücken: „Sie haben gesagt: Mach dein Spiel, wir brauchen dich!“ Zu Löw sagte Elber: „Trainer, ich will dabei sein, ich will mithelfen, das Spiel zu gewinnen.“ Nach seinem Treffer zum 1:0 (18.), erinnert er sich, „ist mir eine Riesenlast von den Schultern gefallen. Danach habe ich mich sicherer gefühlt.“ Sein Tor zum 2:0 (52.) war dann Genuss – und Genugtuung, „weil ich allen gezeigt habe: Leute, ich bin bis zur letzten Minute für den VfB da.“ Und „die Krönung von drei wunderschönen Jahren in Stuttgart“.

Am Abend beschlich ihn dann Wehmut. Während die Mitspieler feierten, zog sich Elber allein auf sein Hotelzimmer zurück und verdrückte ein paar Tränen. „Ich war enttäuscht, dass ich diese Mannschaft verlassen würde. Es war so, als ob ein Sohn von zu Hause auszieht.“ Fredi Bobic kam schließlich auf sein Zimmer und munterte ihn auf: „Komm, feiere mit, Giovane, heute bist du noch ein Schwabe, einer von uns.“

Elber ist heute Sportbürgermeister

An diesem Samstag fühlt er sich wieder wie ein Schwabe. Zumindest für ein paar Stunden ruht dann seine neue Existenz, die er sich in seiner brasilianischen Heimat aufgebaut hat. Elber managt zwei Rinderfarmen mit 6000 Tieren, so groß wie 28 000 Fußballplätze und 1400 Kilometer entfernt von seinem Wohnort Londrina. „Dort funktioniert kein Handy. Wenn ich abschalten will, fliege ich dorthin und bin Cowboy“, sagt Elber (40). Eine Firma für Futtermittel besitzt er, außerdem ist er Vorsitzender der Giovane-Elber-Stiftung in Winterbach, die Straßenkinder in Brasilien unterstützt. Seit kurzem ist er auch noch Sportbürgermeister in Londrina. In der 500  000-Einwohner-Stadt verwaltet er einen Etat von einer Million Euro, was herzlich wenig ist, in seinem neuen Amt ist er auf sich allein gestellt und fragt sich inzwischen: „Warum habe ich den Job bloß angenommen?“

Ob das Pokalfinale die pure Entspannung für ihn wird, ist auch nicht so sicher. Denn der VfB, dem er die Daumen drückt, ist klarer Außenseiter. „Die Bayern von heute sind stärker als bei ihrem Champions-League-Sieg 2001. Nach der Finalniederlage gegen Chelsea im vergangenen Jahr hatte ich gedacht, sie hätten daran zu knabbern. Aber jetzt lassen sie nie locker und sind zu allem entschlossen, das ist schon beeindruckend“, sagt Elber – und hofft, dass sich nicht auch der VfB über die Maßen beeindrucken lässt.

VfB: Wohlfahrt – Haber, Verlaat, Berthold – Hagner (71. Thomas Schneider), Soldo, Balakov, Poschner, Legat – Elber (89. Schwarz), Bobic (81. Gilewicz).

 
 
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