Das Landratsamt Freudenstadt bestreitet vehement die Vorwürfe, die gegen das Veterinäramt im Raum stehen. Foto: Michael Spotts

Im Zuge der Aufregung rund um den Freudenstädter Tierschutzverein sind auch gravierende Vorwürfe gegen das Veterinäramt des Landkreises Freudenstadt laut geworden. Diese Vorwürfe dementiert die Pressestelle des Landratsamts nun vehement.

Es waren schwerwiegende Vorwürfe, die von mehreren Seiten gegen das Veterinäramt des Landkreises Freudenstadt erhoben worden waren. So hatten gleich mehrere ehemalige Mitarbeiter des Kreistierheims behauptet, das Veterinäramt habe die Leitung des Tierheims vor Überraschungskontrollen gewarnt. Und sogar der Deutsche Tierschutzbund warf dem Veterinäramt angesichts zahlreicher angeblicher Missstände im Tierheim Untätigkeit vor.

 

Mit einer Pressemitteilung hat das Landratsamt nun am Montagnachmittag auf eine Anfrage unserer Redaktion vom vergangenen Freitag geantwortet und reagiert damit auf die Vorwürfe. Angesichts der Schwere der Anschuldigungen verwundert es nicht, dass das Dementi der Behörde deutlich ausfällt.

„Keinerlei Kontakt“

„Den Vorwurf, das Veterinäramt habe das Tierheim oder den Tierschutzverein vorab über beabsichtigte Kontrollbesuche in Kenntnis gesetzt, weisen wir aufs Schärfste zurück“, heißt es in der Mitteilung. „Außer bei Terminen im Verlauf der Kontrolle oder Nachkontrolle beziehungsweise bei Besprechungen über bauliche Angelegenheiten gab es keinerlei Kontakt mit den Verantwortlichen des Tierheims.“

Landrat Klaus Michael Rückert nimmt in der Pressemitteilung seine Mitarbeiter sogar persönlich in Schutz: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Veterinär- und Verbraucherschutzamtes genießen mein uneingeschränktes Vertrauen.“

Auch weist das Landratsamt die Kritik des Deutschen Tierschutzbunds zurück, das Veterinäramt habe auf die Beschwerden mit Untätigkeit reagiert. Sowohl nach der Anzeigeerstattung durch die ehemaligen Mitarbeiter im Januar 2022 als auch nach der Anzeige durch den Deutschen Tierschutzbund seien Kontrollen erfolgt. Die Vorwürfe hätten sich dabei aber nicht bestätigt, so das Landratsamt.

Doch eine Stelle in der dreiseitigen Pressemitteilung macht dann doch stutzig. Denn einer der Vorwürfe des Tierschutzbundes lautete, dass das Tierheim keine Betriebserlaubnis habe. Dazu schreibt das Landratsamt nun: „Das Kreistierheim hat mit Datum vom 13. Juli 2023 eine Erlaubnis nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes für den Betrieb eines Tierheims.“

Noch mal nachgefragt

Das wirft die Frage auf: Hatte das Tierheim davor keine Genehmigung? Unsere Redaktion hat also noch mal beim Landratsamt nachgefragt. „Natürlich hatten die eine Betriebserlaubnis“, versichert Pressesprecherin Sabine Eisele. Allerdings habe das Tierheim im Jahr 2018 die Gebäude umgebaut und erweitert. Daher habe der Verein die Genehmigung neu beantragen müssen.

„Im November 2022 wurde der Antrag gestellt“, erklärt Eisele. Was dann auch erklärt, warum die Genehmigung erst im Juli 2023 erfolgte. Warum der Verein nicht wesentlich früher die Genehmigung beantragt hat, entzieht sich laut Eisele der Kenntnis des Landratsamts. Die Behörde habe aber schon während der Umbauarbeiten darauf hingewiesen, dass die Genehmigung erneut beantragt werden muss.

Laut Landratsamt gab es auch keinen Grund, der gegen die Genehmigung gesprochen hätte: „Bereits seit Fertigstellung des Katzenhauses im Jahr 2018 waren die gesetzlichen Voraussetzungen für die Betriebsgenehmigung grundsätzlich erfüllt und die Genehmigung hätte schon damals erteilt werden können“, heißt es in der Mitteilung.

Warum der Tierschutzvereiverein trotzdem rund vier Jahre untätig geblieben ist, bleibt vorerst offen. Denn der Vorsitzende des Tierschutzvereins Rudolf Müller war bis zum Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.