Nach der Eröffnung der 23. Schwenninger Vesperkirche am Vormittag mit einem Gottesdienst, startete am Sonntagabend die Kulturreihe.
Zum Auftakt gab es ein munteres Konzert der „Four Sax.Brothers plus“ und einem Mix aus Dixieland, Swing und Blues, Oldies und Evergreens, aber auch deutsche und lateinamerikanische Pop- und Latino-Musik.
Seit Sonntag lädt die Schwenninger Vesperkirche wieder in die Pauluskirche am Waldfriedhof. Doch neben einem Mittagessen sorge das „Gasthaus am Weg“, wie man ja immer bildlich zu sagen pflege, auch für das andere „Grundnahrungsmittel Kultur“, verkündete der Initiator der Kulturreihe in der Vesperkirche, Rolf G. Klaiber.
Erfreulich gut besucht war so diese erste „Zugabe am Abend“ des Eröffnungstages. Dabei habe man in diesem Jahr nur sechs Kulturabende statt neun im vergangenen Jahr. Schon seit 20 Jahren mit im Kulturprogramm waren dabei auch am Sonntagabend die „Four Sax.Brothers plus“, quasi das „Kammerorchester“ der Swano Big Band, wie sie Klaiber scherzhaft ankündigte.
Ungewohnt klassisch
Diesen Impuls griffen die routinierten Musiker der „Four Sax.Brothers plus“ natürlich gerne auf und starteten in ihr Programm ganz ungewohnt klassisch mit Mozarts Kleiner Nachtmusik. Dabei traf es der Name an diesem ersten Abend der Vesperkirche ehrlich gesagt gar nicht mal ganz, denn für den verhinderten Lothar Schaub als viertem Bruder sprang mit Gabriele Patz eine Sax-Schwester ein.
Dickes Plus
Und auch das Plus im Namen war an diesem Abend besonders dick ausgestattet: So erhielten die drei „Brüder“, Bernhard Patz (Sopran- und Alt-Saxophon), Bandleader Bernd Reinhardt (Tenor-Saxophon) und Tobias Lorke (Bariton-Saxophon), und die „Schwester“ Gabriele Patz gleich doppelte Rhythmus-Unterstützung am Bass durch Peter Adis und von Rolf Schäfer an der Gitarre und dem Banjo. Letzterer führte auch humorvoll und persönlich durch das abwechslungsreiche Programm.
Musik zum Tanzen
So spielten die Sechs Klassiker aus Dixieland, Swing und Blues, Oldies und Evergreens, aber auch deutsche und lateinamerikanische Pop- und Latino-Musik. Also durchaus Musik, die zum Tanzen einlud, wie Rolf Schäfer mehrfach betonte.
Auch Rolf Klaiber gab im vollen Kirchenschiff quasi grünes Licht von oberster Instanz: „Der liebe Gott ist einverstanden.“ Doch auch wenn die Tanzbeine vielleicht eher zögerlich wippten, spielte die Combo ja auch einfach Musik zum Zuhören und Mitschwelgen: etwa mit fein ausgewählten Klassikern der Jazzgeschichte.
Zahlreiche Soli
So spannte das Ensemble einen stilistischen Bogen vom frühen Dixieland über Ragtime-Anklänge wie Irving Berlins „Alexander’s Ragtime Band“ bis hin zu eleganten Swing-Nummern. Gerade hier trat Bernhard Patz mit zahlreichen Soli besonders hervor, vor allem bei „Wild Cat Blues“, wo er sein Saxophon spielfreudig in Szene setzte, was ihm nicht nur ein anerkennendes Schulterklopfen von Bandleader Bernd Reinhardt, sondern auch kräftigen Applaus aus dem Kirchenschiff einbrachte.
Mit Gershwins „Lady, Be Good!“ erklang zudem ein Broadway-Hit der 1920er-Jahre, der längst zum Jazzstandard geworden ist. Später wurde es lyrischer und bluesiger, etwa mit Erroll Garners berühmter Jazzballade „Misty“, die Raum für warme Saxophonklänge und ruhige Improvisationen ließ.
Wie Conférencier Rolf Schäfer überlegte, war das fast ein bisschen wie der Nebel auf dem Weg zum diesem ersten Konzert in der Kulturreihe der Vesperkirche 2026, der sich allemal gelohnt hatte.