Bis zu 500 Essen gehen bei der Vesperkirche täglich über den Tisch. Obwohl nur ehrenamtliche Helfer am Start sind, läuft die Benefizaktion wie am Schnürchen.
10 Uhr morgens in der Früh. Die Ruhe vor dem Sturm. In der Nagolder Friedenskirche bereiten sich alle Helfer und Organisatoren auf einen weiteren Tag bei der zwölften Vesperkirche vor. Alles muss gut durchgeplant sein: Fast 400 Mahlzeiten wurden allein am Mittwoch heraus gegeben. An richtig guten Tagen sind es bis zu 500 Essen.
Im Untergeschoss der Friedenskirche versammeln sich die mehr als 60 Helferinnen und Helfer in ihren gelben Schürzen zum gemeinsamen Einstieg. Mit dabei sind Freiwillige verschiedenster Altersklassen. Von Schülerinnen und Schülern – an diesem Tag von der nahe gelegenen Rolf-Benz-Schule – bis hin zu Rentnern und Pensionisten ist bei dem vielfältigen Helferteam alles vertreten .
Allerdings muss die Vesperkirchen-Helfertruppe – gerade bei den Organisatoren und der Führungsriege – kurzfristig Ausfälle verkraften, so dass Regine Michel, die ehemalige Leiterin der Annemarie-Lindner-Schule, in die Rolle der Organisationsleiterin schlüpfen muss.
Viele gute Freundschaften
Vor der Einweisung für den heutigen Tag gibt es einen kleinen Impuls von Pfarrer Matthias Trumpp und ein gemeinsam gesungenes Lied.
Begegnungen mit Menschen seien der wichtigste Bestandteil der Vesperkirche, findet Vorstandsmitglied Claudia Ehrmann. „Es ist unheimlich schön. Sowohl die Begegnung mit den Gästen, als auch mit den Mitarbeitenden“ sagt sie. „Da sind über die Jahre schon viele gute Freundschaften entstanden.“
Die Koordination muss stimmen
Danach geht es auch schon direkt los mit den Einweisungen. Organisationsleiterin Regine Michel gibt ein paar allgemeine Anweisungen zum genauen Ablauf. Denn die Koordination muss stimmen; Für den heutigen Tag haben bereits fünf Gruppen einen Platz an den Tischen reserviert, zwei große Kindergartengruppen aus Gündringen und aus der Hohe Straße und mehrere Gruppen aus der Tagespflege. Etwas mehr als sonst.
11.15 Uhr: Kurz vor dem großen Andrang werden die Helfer von den Organisatoren in ihren Teams aufgestellt. Die einen schenken die Getränke aus, die anderen tragen die Tabletts, wieder andere sind für das Spülen eingeteilt. Da an jedem Tag überwiegend andere Helfer kommen, müssen die Teams regelmäßig neu eingewiesen werden.
Derweil herrscht in der relativ kleinen Küche konzentrierte Ruhe. Wie im kompletten Team scheint auch hier jeder zu wissen, was er zu tun hat. Von Panik oder Chaos ist da keine Spur.
Der Ansturm
Mit Anbruch der Mittagszeit – gegen 11.30 Uhr – gehen bei der Vesperkirche die Türen auf. Langsam aber sicher füllt sich die Kirche mit Gästen. Mit dem Shuttle-Bus kommen dutzende Bewohner der Diakoniestation, und auch die Kindergarten-Kinder wuseln durch die offenen Türen an ihre Plätze. Binnen kürzester Zeit sind alle Plätze im Kirchenraum besetzt.
Jetzt muss es zügig gehen. Vor der Essensausgabe bildet sich eine lange Schlange aus gelben Schürzen, die wie eine Ameisenkolonie der Reihe nach Suppe und Salat – und später das Geschnetzelte mit Reis – in die Halle der hungrigen Gäste bringen.
In der Küche brodeln die Töpfe, die Helfer huschen durch die Gänge, hier und da zerschellt mal ein Glas. „Jetzt sehen sie Vesperkirche!“ lacht Leiterin Michel inmitten der Menschenflut, die sie bestens im Griff zu haben scheint.
Das „Café Vesperkirche“
Derweil ist im Untergeschoss des Kirchenkomplexes schon das „Café Vesperkirche“ auf den Ansturm vorbereitet. Die gespendeten Kuchen – jeden Tag braucht die Vesperkirche rund 30 davon – stehen bereit, auch die Butterbrezeln und süßen Stückle. Die Kaffeemaschine und heißes Wasser für den Tee stehen vorbereitet. An einem kleinen Marktwagen können sich Gäste etwas für Zuhause mitnehmen – darunter selbstgeschmierte Stullen.
Gegen 15 Uhr können die vielen Helfer dann so langsam ihre gelben Schürzen ablegen, die bei Bedarf in einer Rohrdorfer Wäscherei gewaschen werden. Damit sie am nächsten Tag um 10 Uhr für den nächsten Vesperkirchentag bereitliegen.