Die Ehrenamtlichen Michael Maier (links) und Werner Hoos bringen das Essen aus dem AWO-Seniorenzentrum in die Pauluskirche. Foto: Mareike Kratt

Die 22. Vesperkirche in der Schwenninger Pauluskirche läuft auf Hochtouren. Mittendrin: die zahlreichen Ehrenamtlichen, die Tag für Tag rund um das erfolgreiche Sozialprojekt im Einsatz sind. Unsere Redaktion hat zwei von ihnen begleitet.

Früh sind Michael Maier und Werner Hoos heute Morgen dran. So früh, dass sie von Tagesleiterin Dora Seifried gebeten werden, vor ihrer eigentlichen Arbeit die bereitliegenden frischen Tischdecken auf den Tischen auszubreiten. Schließlich könne man jede helfende Hand gebrauchen. Denn eigentlich sind Maier und Hoos in dieser Woche als Fahrer für den Transport von Wäsche und Essen zuständig.

 

Michael Maier hilft zum zweiten Mal bei der Vesperkirche mit, Werner Hoos zum dritten Mal. Als Rentner sei es gut machbar, eine Woche am Stück von morgens gegen 9.15 Uhr bis nachmittags gegen 15.15 Uhr mit dabei zu sein. Den Fahrdienst zu übernehmen, bedeutet, dass man nicht nur einen Sprinter bedienen muss, sondern dass man auch einigermaßen belastbar sein sollte, erklären die beiden Ehrenamtlichen. „Es hält fit“, meint Werner Hoos schmunzelnd.

Neue Wäscherei

Um 9.30 Uhr starten sie zur ersten Fahrt Richtung Wäscherei Schlenker-Schüle. Die Kooperation mit der Wäscherei an der Sturmbühlstraße ist ganz neu, nachdem sich die Wäscherei Klaiber aus organisatorischen Gründen zurückgezogen hatte. Wurden die Tischdecken bisher stets gemietet, mussten sie nun ganz neu angeschafft werden – ein Kostenfaktor, der zu grundsätzlichen Überlegungen im Vesperkirchen-Team geführt habe, wie Werner Hoos berichtet.

Schließlich habe man aber entschieden, an den weißen Tischdecken, die eine festliche Atmosphäre in der Pauluskirche schaffen, festzuhalten. Rund 20 Tischdecken, 50 Schürzen sowie unzählige Trocken- und Spültücher bringen die beiden Männer morgens in verschiedenen Kisten in die Wäscherei – und nehmen frische Tücher als Vorrat wieder mit.

Schon eingespielt

Auch wenn die Kooperation für beide Seiten neu ist, geht es vor Ort in der Sturmbühlstraße Schlag auf Schlag und wirkt eingespielt: Rückwärts in die Hofeinfahrt einparken, Kisten raus dem Sprinter, rein in die Wäscherei, in der fleißig gewaschen und gemangelt wird. Den Geruch nach frischer Wäsche nehmen Michael Maier und Werner Hoos nur unterbewusst war. Sie sind schon wieder auf dem Sprung.

Doch Geschäftsführer Daniel Häring schaut kurz vorbei, während die beiden Ehrenamtlichen die frische Wäsche einladen. Die Wäscherei sei für die Vesperkirchen-Kooperation angefragt worden und man habe sofort zugesagt, erzählt Häring. Für diese drei Wochen bedeute dies organisatorisches Geschick einen Mehraufwand, den man gerne eingehe.

Die Kooperation mit der Wäscherei Schlenker-Schüle ist neu. Geschäftsführer Daniel Häring (rechts) ist bisher zufrieden. Foto: Mareike Kratt

Großzügige Spenden

Dann machen sich Hoos und Maier wieder auf den Rückweg Richtung Pauluskirche – mit Umweg über die Bäckereien und Konditoreien Kutmühle, Feiss und Acerbi, die jeden Morgen Kuchen- und Gebäckspenden bereitstellen. Von solchen Spenden lebe die Vesperkirche, betont Michael Maier.

Neue Gesichter

Nach dem Ausladen der frischen Decken und Kuchen haben die beiden Fahrer eine kurze Verschnaufpause. Alle übrigen Ehrenamtlichen, die an diesem Tag im Service, bei der Essensausgabe, beim Spülen oder als Träger im Einsatz sind, versammeln sich um 10.30 Uhr zur Begrüßung in der Pauluskirche. Es sind nahezu 40 Personen. Die beiden Tagesleiterinnen Christel Haller und Dora Seifried freuen sich über zahlreiche neue junge Helfer, die Auszubildende bei den Firmen Solero, Kübler oder Kendrion sind.

Neue Küche

Zeit zum Kennenlernen und Austausch ist für Werner Hoos und Michael Maier nicht: Um 11 Uhr werden sie nämlich beim AWO-Seniorenzentrum Am Stadtpark erwartet. Hier wird seit diesem Jahr das Essen für die Vesperkirchen-Besucher gekocht, nachdem das Franziskusheim seine Kooperation mit der Vesperkirche durch den Ruhestand des Küchenchefs beenden musste. Auch vor Ort im Anlieferungsbereich ist bereits nach anderthalb Wochen alles schnell zur Routine geworden: Küchenchef Jens Schmeisser und sein Team schieben die verschiedenen Behälter auf Rädern Richtung Sprinter und helfen beim Einladen.

Die Kooperation zwischen Vesperkirche und AWO-Seniorenzentrum klappt bisher gut, darin sind sich alle einig, so auch Küchenchef Jens Schmeisser (Dritter von links) und Einrichtungsleiter Martin Hayer (rechts). Foto: Mareike Kratt

Der Küchenchef zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. „Es klappt gut“, sagt er, wenngleich er auf den erheblichen Mehraufwand verweist. Diese Woche seien es rund 230 Essen mehr, die in der Küche des Seniorenheims zubereitet werden. „Man muss sich anders organisieren und aufstellen“, erklärt er. Letztendlich seien es wichtige Erfahrungswerte, aus denen man für die nächsten Male lerne.

Mehr als 500 Essen

Für das Heim sei es selbstverständlich gewesen, durch das Essen einen Teil zur Vesperkirche beitragen zu können, sagt indes Einrichtungsleiter Martin Hayer. Schließlich beliefere die Küche bereits einmal pro Monat die Vesperkirche Plus. Dennoch herrsche aktuell in diesen drei Vesperkirchen-Wochen in der Küche Ausnahmezustand. Für die Mitarbeiter gebe es dann sogar Urlaubssperre. „Jetzt kommen wir an unsere Grenzen“, gibt Hayer zu – organisatorisch, aber vor allem platzmäßig. Immerhin werde für die Vesperkirchen-Besucher das gleiche Essen gekocht wie für die Heimbewohner und die übrigen Institutionen, die das Heim beliefert. Mehr als 500 Essen insgesamt pro Tag.

Positive Resonanz

„Wir freuen uns, wenn die Resonanz auf das Essen positiv ist“, sagt Küchenchef Jens Schmeisser schließlich. Wenn Werner Hoos und Michael Maier kurze Zeit später im Sprinter sitzen und ein feiner Duft das Auto erfüllt, sind sie sich sicher, dass auch heute das Essen wieder schmecken wird: Es sollen Tomatensuppe, geschmelzte Maultaschen, Kartoffel- und Rote-Beete-Salat, alternativ gebratene Polenta in Kräutersauce – alles in separaten Behältern verpackt – serviert werden.

Das Essen wird aus der Küche des Seniorenzentrums in den Sprinter geladen. Foto: Mareike Kratt

Im Akkord

Zurück an der Pauluskirche, die um kurz vor halb zwölf schon rappelvoll ist. Jetzt muss es schnell gehen. Die Träger helfen den beiden Fahrern, um die zahlreichen – beschrifteten – Behältnisse aus dem Sprinter an die Essenstheke zu tragen. Auch hier läuft alles im Akkord. Die Helfer ans der Essensausgabe stehen bereit. Für jeden Behälter ist ein Platz im Warmhaltesystem vorgesehen. Dann muss das Essen noch auf dem Teller angerichtet werden. Fertig. Die ersten vollen Teller können serviert werden, die Vesperkirchen-Mahlzeit beginnt.

Das Essen ist fertig! Die Ehrenamtlichen hinter der Essenstheke und aus dem Service servieren es. Foto: Mareike Kratt

Bescheiden

Werner Hoos und Michael Maier sind mit dem Hauptteil ihrer heutigen Arbeit durch. Jetzt dürfen auch sie essen, danach bei Bedarf den Trägern helfen. Vielleicht müsse auch ein Getränkenachschub geholt werden. Zu tun gibt es auf jeden Fall immer etwas, bis sie gegen 14.45 Uhr die gespülten Behältnisse wieder zurück ins Seniorenheim bringen. Dann ist ihr Einsatz für diesen Tag beendet, morgen steht der gleiche Ablauf an. „Wir machen es gerne und freuen uns, wenn wir helfen können“, sagen beide, fast bescheiden.