Die Vesperkirche im evangelischen Gemeindezentrum ist gut besucht. Foto: Baum

139 Mittagessen wurden am Sonntag, dem ersten Tag der Rottenburger Vesperkirche ausgegeben. An den folgenden Tagen ist die Nachfrage noch gestiegen.

Rottenburg - Die Vesperkirche ist für alle Menschen geöffnet, die gerne in geselliger Runde ein wunderbares Mittagessen mit mehreren Gängen einnehmen wollen. Wer wenig Geld zur Verfügung hat gibt weniger, die Leute, die mehr geben möchten, können dies ebenfalls tun. Die Vesperkirche sei gelebte Solidarität, erklärt Diakonin Susanne Mehlfeld im Gespräch mit unserer Redaktion. Am Mittwoch waren es sogar 155 Essen, und die Tendenz sei steigen, so Heide Mattheis von der evangelischen Kirchengemeinde. Dies vermutete Susanne Mehlfeld bereits am Sonntag. "Wenn die Leute erst einmal wissen, dass man in der Vesperkirche ohne Maske und 2G-Coronaregel Zutritt hat, dann werden sie auch strömen und in Scharen kommen."

 

Das gibt es am Freitag

Für jeden, der etwas Hunger mitbringt, ist ein warmes Mittagessen da. Am Freitag steht beispielsweise paniertes Hähnchenschnitzel mit Bratensoße und Kartoffeln auf dem Speiseplan, am Samstag dann Gaisburger Marsch mit Kartoffelschnitzen und Spätzle. Auch am Sonntag sowie in der zweiten und dritten Vesperkirchenwoche sind wieder leckere Mahlzeiten geplant.

Groß weht in der Kirchgasse vor der evangelischen Kirche eine orangefarbene Fahne: "Es ist Vesperkirchenzeit in Rottenburg", steht darauf zu lesen. Die Jahreslosung "Du bis ein Gott, der mich sieht" – dieser Bibelvers aus dem ersten Buch Mose ist der eigentliche zentrale Aspekt der diesjährigen Vesperkirche in Rottenburg. So hat die evangelische Kirchengemeinde Rottenburg die Trägerschaft übernommen.

Viele Helfer

Doch werden die Helfer von Menschen anderer Konfessionen, aus verschiedensten Kirchengemeinden in Rottenburg, tatkräftig unterstützt. Menschen aus Rottenburgs Stadtteilen und den umliegenden Dörfern helfen während der Vesperkirchenzeit mit.

Wer einen Gesprächspartner sucht, der findet Ansprache. Auch gibt es Hilfestellung bei alltäglichen Dingen: Es gibt offene Ohren, helfende Hände sowie immer jemand, der sich um ein Anliegen kümmert – dies ist etwa das Angebot der Änderungsschneiderin, die kleine Dinge an Kleidern nähen kann. Zudem ist eine Friseurin aktiv – sie schneidet den gewünschten Schnitt. "Aber gewaschen werden die haare nicht", erklärt Mehlfeld.

Geöffnet sind die Räume des evangelischen Gemeindezentrums ab 11 Uhr – und hier muss auch keiner frieren. Manch einer friert eventuell daheim vor sich hin, um Energie zu sparen, vermutet die erfahrene Diakonin. "Wir erfüllen da für ärmere, bedürftige Menschen vielleicht auch die Aufgabe einer Wärmestube."

Angenehm warm

Es ist angenehm warm im Gemeindezentrum. Auf den Tischen stehen Rosen – daneben befinden sich Karaffen mit Wasser oder Apfelsaft. Mittig ist ein Spendenglas platziert – jeder gibt einfach, was er ermöglichen kann. Es geht nicht um Geld bei der Vesperkirche – Gespräche, Solidarität untereinander und Begegnung mit anderen Mitmenschen stehen vielmehr im Vordergrund.

Leitlinie, nicht nur am Sonntag war und ist, den "Gottesdienst in der Kirche aus den Kirchenbänken hinauszutragen in die Gemeinderäume", so Diakonin Susanne Mehlfeld.

Alle sind willkommen

Alle Gesellschaftsschichten sind angesprochen – vom Häusle- oder Firmenbesitzer über Berufstätige, Rentner, Menschen mit viel oder weniger Einkommen. Obdachlose dürfen ebenso kommen wie Menschen jeglicher Konfession. Jeder, auch und gerade geflüchtete Menschen sind alle willkommen. "Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt", sagt Mehlfeld.