Das Vesperkirche-Publikum erlebte am Samstag im Steinhaus Improvisationstheater zum Mitmachen. Foto: Volker Schmid

Bei der noch bis Mittwoch dauernden Bewirtungswoche traten das Improvisationstheater Improtent und das Duo Kieran’s Garden auf.

Zum Vespern gab es im Steinhaus an diesem Abend deftig belegte Stücke Laugenkranz – und vor der Bühne kulturelle Kost in Form von Musik und Improvisationstheater. Die Gruppe mit dem Namen Improtent gilt seit ihrer Entstehung im Jahr 2024 als humorvolle Bereicherung der Horber Kulturszene.

 

So war es „etwas ganz Besonderes“, das Elisabeth Wütz vom Katholischen Dekanat Freudenstadt-Horb am Samstagabend beim Kulturabend im Rahmen der Vesperkirche ankündigte: „So etwas hat das Steinhaus vermutlich noch nie erlebt.“

Und damit hatte die Dekanatsreferentin nicht zu viel versprochen. Rund 80 Gäste genossen einen überaus unterhaltsamen Abend mit dem Improtheater-Ensemble Improtent, das ein Teil der Katholischen Erwachsenenbildung im Kreis Freudenstadt ist. Und die Akustik-Rocker des Duos Kieran’s Garden servierten den Soundtrack dazu – mit Songs zum Beispiel von Barclay James Harvest, Jethro Tull oder anderen Formationen. Ein paar Stücke wurden auch zur Erinnerung an den verstorbenen irischen Songwriter Kieran Halpin gespielt. Bis zu den Corona-Jahren trat Halpin immer wieder auch in der Umgebung auf und ist noch einigen Folkmusikfans ein Begriff.

Das Publikum bestimmt

Ein wahres Feuerwerk der Improvisation brannten die acht Akteure von Improtent – Svenja Krüger, Bernd Brenner, Christof Schülke, Doris Klein, Theo Mayer, Jan Bihn, Vincente „Sensi“ Lopez und Mara Lucas – im Steinhaus ab. Und all das nach den Vorgaben des Publikums: So wurde über ein telefonierendes Kamel gesungen und das Märchen „Schneewittchen“ spontan im Stil einer Wettervorhersage oder Sportberichterstattung erzählt. Klothilde suchte unter dem Dauergelächter des Publikums via Tinder zudem einen 17-jährigen strickbegeisterten Mann mit dicken Waden – wobei die Herren des Theaterensemble einer nach dem anderen mit Angaben zu Alter, Aussehen und Hobby ergründen mussten, wie Klothildes Traummann beschaffen sein muss. Bei einer falschen Antwort hieß es „Mööp“ – und der nächste war an der Reihe, sein Glück zu versuchen.

Aliens in Miami

Ein Science-Fiction-Roman spielte am Strand von Miami. Dort landeten Aliens am Strand und trafen auf einen der wenigen noch übrig gebliebenen Menschen – einen Pommes-Verkäufer, temperamentvoll gespielt von „Sensi“ Lopez, der danach noch einmal mit seiner Glanzrolle auf die Bühne trat. Denn das Gesehene wurde direkt im Live-Interview kritisiert – und zwar barrierefrei: Mit vollem Körpereinsatz tanzte Lopez zwischen Pantomime und Gebärdensprache das Gesagte. Dass die Akteure in den verschiedensten Genres zu Hause sind, bewiesen sie, indem sie sich quer durch Thriller, Oper oder Arztserie zappten.

Beim Kulturabend der 18. Horber Vesperkirche begeistert die Theatergruppe „Improtent“ das Publikum im voll besetzten Horber Steinhaus. Foto: Volker Schmid

„Leben in der Bude“

Und immer durfte das Publikum mitbestimmen. So stand am Samstag quasi das spannendste Theater der Welt vor den Tischen und Stuhlreihen: Ob Schauspieler oder Zuschauer – keiner wusste, was passieren wird. Den Höhepunkt des Abends hatten sich die Akteure allerdings bis zum Ende aufgespart: Sie suchten das am längsten verheiratete Paar im Publikum – und fanden es in Elisabeth und Hubert Dettling. Über diese bereits 57 Jahre lang bestehende Ehe sangen „Improtent“ spontan eine echte Hymne: „Hubert und Elisabeth, ihr seid ein tolles Paar!“

Für Michael Vogelmann von der Caritas passte der Abend perfekt zum Vesperkirchen-Motto „Miteinander. Essen. Reden. Leben“: „Hier war heute richtig Leben in der Bude!“ Und eine begeisterte Besucherin sprach wohl allen aus der Seele: „Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht!“