Das Steuerungsteam der Vesperkirche vor dem Windrädle, aus dem heraus das Essen ausgegeben wird. Foto: Monika Schwarz

Unter dem Motto „miteinander essen – reden – leben“ startete am Montag die ökumenische Vesperkirche im Carport am „Haus der Kirche“. Zum 10-jährigen Bestehen der segensreichen Einrichtung gibt es auch ein paar Besonderheiten.

Der „Startmontag“ der Vesperkirche ist normalerweise nie der besucherstärkste Tag der Vesperkirchenwoche. Am ersten Tag war die Resonanz aber erstaunlich groß. Dass die ersten Stammbesucher teilweise deutlich vor dem Start der Essensausgabe um 11.30 Uhr gekommen waren, zeigt, welche Bedeutung die Vesperkirche für diese Menschen hat.

 

Die Steuerungsgruppe der Vesperkirche und die ehrenamtlichen Helfer waren darauf eingestellt und hatten alles vorbereitet. Sie wissen, dass es so mancher Besucher kaum erwarten kann. Um den Vesperkirchenbesuch auch denjenigen zu ermöglichen, die nicht in fußläufiger Entfernung wohnen – und um den möglichen Besucherkreis noch zu erweitern – hat das Organisationsteam zum Jubiläum erstmals einen richtigen Fahrdienst mit Fahrplan eingerichtet.

An insgesamt sieben Stationen in Freudenstadt und Umgebung können Besucher währen der Vesperkirchenwoche zu bestimmten Uhrzeiten zusteigen und werden nach dem Essen zu einem festen Zeitpunkt auch wieder mit dem Bus zurückgebracht. „Wir sind gespannt, wie das Angebot angenommen wird“, sagt Martina Grebe von der Steuerungsgruppe.

„Wir wollen ein Abbild der Bevölkerung“

Den Verantwortlichen der Vesperkirche ist es ausgesprochen wichtig, dass nicht nur diejenigen kommen, die sich ein solches Essen mit Bedienung normalerweise vielleicht gar nicht leisten könnten, sondern, dass alle kommen, die Lust auf Vesperkirche haben. „Wir wollen hier nämlich ganz bewusst ein Abbild der ganzen Bevölkerung“, betont der Tagesverantwortliche Michael Paulus.

Auch Firmen packen mit an

Ziel sei es, dass sich die unterschiedlichen Menschen an den Tischen mischen und miteinander ins Gespräch kommen. Ganz gezielt hatte die Steuerungsgruppe deshalb auch die Gemeinderatsfraktionen und die Stadtspitze eingeladen. Gestern waren dann auch einige „Solidaritätsesser“ vor Ort.

Neu sind auch Kooperationen mit Firmen und Institutionen, die das Vesperkirchenteam bei der Bewirtung unterstützen. Am Montag waren deshalb Azubis der Firma Schmalz im Einsatz und am Freitag hilft eine kleine Delegation der Volksbank eG im Kreis Freudenstadt.

Die Azubis der Firma Schmalz, die am Montag im Einsatz waren. Foto: Monika Schwarz

Am Dienstag und am Mittwoch ist zudem eine Friseurin vor Ort, die den Besuchern nach Anmeldung einen kostenlosen Haarschnitt verpasst. Die Anmeldeliste war am ersten Tag schon gut gefüllt. „Ich kann mir den Friseurbesuch gerade einfach nicht leisten“, erklärt sich ein Besucher, obwohl er sich gar nicht erklären müsste.

Beratungsangebot vor Ort

Auch der frühere Freudenstädter Hausarzt Maximilian Paetzel hat sich bereit erklärt, Besuchern mit Rat und Tat kostenlos zur Seite zu stehen. „Ich weiß nicht, was mich erwartet, aber ich bin da“, betont Paetzel.

Ein sehr netter Tisch mit Stammbesuchern der Vesperkirche Foto: Monika Schwarz

Manchmal geht es nur darum, jemandem mal wieder den Blutdruck zu messen. Die Hürde für Arztbesuche ist für manche Menschen offenbar hoch. Sie sind dankbar für das Angebot. Die Speisen kommen auch in diesem Jahr wieder vom Windrad der Erlacher Höhe, das während der Dauer der Vesperkirche geschlossen hat. Täglich ist auch eine fleischlose Variante im Programm. Zudem werden gespendete Kuchen und süße Stückle kredenzt. Neben Privatpersonen sind es auch Bäckereien, Läden, Vereine und die Kirchengemeinde, die dabei unterstützen.

Vesperkirche findet noch bis Freitag, 28. Juni, statt

„Ich finde das hier richtig klasse und deshalb komme ich jedes Mal“, erzählt ein Stammbesucher ganz begeistert. Wie ihm geht es vermutlich vielen. Die Vesperkirche findet mit wechselnden Gerichten noch bis einschließlich Freitag, täglich ab 11.30 Uhr, statt.