Die Kläranlage in Schuttern steht vor der höchsten Investition ihrer Geschichte. Foto: Bohnert-Seidel

Verzweiflung in der Friesenheimer Verwaltung: In den kommenden fünf Jahren muss ein Drittel mehr Geld in die Schutterner Anlage gesteckt werden als gedacht. Optionen, Kosten zu sparen, gibt es laut Bürgermeister Erik Weide nicht. Im Gegenteil – der Betrag könnte sogar noch steigen.

Dem Abwasserverband Friesenheim galoppieren für die kommenden Jahre die Kosten regelrecht davon. Ist Verbandsvorsitzender Bürgermeister Erik Weide noch vor zwei Jahren von einer Investitionssumme in die Erneuerung, Erweiterung und laufende Instandhaltung der Kläranlage mit Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro ausgegangen, ist mit dem Stand heute von 30 Millionen Euro die Rede.

 

Gründe für den satten Kostenzuschlag seien wirtschaftlicher Art. Dennoch gibt Bürgermeister Weide weiterhin zu bedenken: „Dazwischen kann noch sehr viel liegen, vor allem was die Inflation anbelangt.“ Dabei steht Verbandsrechner Joachim Krämer die Verzweiflung über die massive Kostenentwicklung bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans für 2025 fast schon ins Gesicht geschrieben. „Wir werden künftig ganz schön Schulden machen“, ergänzt Bürgermeister Weide. Sparen lässt sich bei der Klärung des Abwassers so gut wie nichts. Vielmehr steigen die Anforderungen an eine Kläranlage und die damit verbundenen höheren Einwohnervergleichswerte.

Höhere Anforderungen sind an die Kläranlage und die Entsorgung des anfallenden Klärschlamms von rund 2000 Tonnen pro Jahr aus Friesenheim, Meißenheim, Schwanau sowie Lahr gegeben. In Forchheim entstehe der Zweckverband „Klärschlammverwertung Zweckverband Südbaden.“ Der Abwasserverband ist Mitglied dieses Zweckverbands. Künftig soll so eine effiziente, klimagerechte und wirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms auf interkommunaler Ebene erfolgen.

Abwasser fließt in der Hauptsache aus Friesenheim, Lahr Flugplatzgelände, Meißenheim und Neuried mit Schutterzell zur Kläranlage in Schuttern. Für das Jahr 2025 stehen im Wirtschaftsplan knapp 4,6 Millionen Euro Investitionskosten. Diese werden mit 1,7 Millionen Euro über Kredite finanziert. Den größten Posten markiert dabei die Baumaßnahme für die Biologie und das Nachklärbecken in Höhe von 2,4 Millionen Euro.

Anlage wird seit 2023 modernisiert

Seit dem Jahr 2016 entwässert der Zweckverband Industrie- und Gewerbepark Lahr das Schmutzwasser der Baugebiete IGP II und IGP III zur Verbandskläranlage Schuttern. In den Jahren 2021 bis 2023 wurde ein Block des Heizkraftwerks ersetzt und die Überspannungsanlage weiter ausgebaut. Seit dem Jahr 2023 befindet sich die Kläranlage in der Modernisierungsphase, um auf die bereits im Jahr 1990 in die Planung aufgenommene Kapazität von 29 500 Einwohnervergleichwerte gebracht zu werden. Der vorgesehene Endausbau der Kläranlage hat im Jahr 2023 begonnen und soll in den kommenden fünf Jahren mehrheitlich vollzogen sein.

Notstromanlage für 200 000 Euro geplant

Weitere hohe Investitionen in Höhe von jeweils 600 000 Euro sind für 2025 in den Faulbehälter sowie die Außenstationen vorgesehen. Eine Notstromanlage soll 200 000 Euro kosten. Für den geplanten Retentionsbodenfilter Plus haben alle Gemeinderäte aus Friesenheim, Meißenheim und Neuried bereits ihre einstimmige Zusage gegeben (wir berichteten). Der Hauptbrocken der Kosten wird bei der Gemeinde Friesenheim in Höhe von gut 3,5 Millionen Euro liegen. Unabhängig von der Zusage der Fördersumme in Höhe von 20 Prozent an der Investitionssumme könne bereits mit dem Ausbau begonnen werden.

Seit dem Jahr 2022 übernimmt der Abwasserverband Friesenheim mit einer Personalstelle zudem die Versorgung der Kläranlage in Meißenheim. Die Personalkosten werden von der Gemeinde Meißenheim erstattet. Einstimmig beschlossen wurde der Jahresabschluss für das Jahr 2023.

Info – Bisher größter Umbau

Für die kommenden gut fünf Jahre wird mit Investitionskosten in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro kalkuliert. Die Kläranlage in Schuttern ist seit 1978 in Betrieb. In den Jahren 1999/2000 erfolgte der größte Erweiterungsbau mit neuen Becken. Heute – 25 Jahre später – steht der Verbandskläranlage eine der größten Umbaumaßnahmen bevor.