Das wenige verfügbare Geld muss während der Pandemie auch noch für Desinfektionsmittel und Masken ausgegeben werden. (Symbolfoto) Foto: vegefox.com – stock.adobe.com

Menschen in prekären Lebenslagen sind von der Pandemie besonders betroffen. Auf ihre teilweise verzweifelte Situation machen die Mitarbeiter des Caritassozialdienstes (CSD) in einer Mitteilung aufmerksam.

Wolfach/Haslach - Neben Selbstständigen treffen die Folgen der Pandemie besonders Alleinerziehende, Geringverdiener und Eingewanderte, berichten die Mitarbeiter in Wolfach und Haslach. Fehlende Rücklagen, schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und Probleme beim Homeschooling machen es Familien in prekären Lebensverhältnissen schwerer. Beengte Wohnverhältnisse tun ein Übriges zur Verschlechterung der Situation.

Mentale und emotionale Ressourcen schwinden

In ihren täglichen Kontakten mit den Menschen sehen die Caritas-Mitarbeiter, wie mentale und emotionale Ressourcen und Kräfte immer mehr schwinden je länger die Pandemie andauert. "Materielle Ressourcen hat es sowieso nie gegeben", weiß Constanze Blank. Deshalb, und weil leicht zugängliche Angebote weggefallen und Behörden häufig eingeschränkt oder nur über Anmeldung zu erreichen sind, werden Notlagen schnell existenziell.

Ratsuchende seien oft schon überfordert, wenn es um Telefonate, das Schreiben von Emails oder das Ausfüllen von Anträgen gehe, heißt es in der Mitteilung. Hingewiesen wird auch auf den Umstand, dass keine PCs vorhanden sind oder Drucker, um beispielsweise Antragsformulare oder – im Falle von Schülern im Distanzunterricht – Arbeitsblätter auszudrucken. Fehlender Präsenzunterricht mindere ohnehin die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen, weil Homeschooling weniger effektiv sei und soziales und gemeinschaftliches Lernen als wesentliches Element von Bildung massiv fehle. Eltern aus prekären Verhältnissen könnten das oft nicht kompensieren und seien nicht selten selbst überfordert.

Die Lage benachteiligter Gruppen wird in der Pandemie zusätzlich dadurch verschärft, dass sie das wenige verfügbare Geld auch noch für Desinfektionsmittel und Masken ausgeben müssen, warnen die Mitarbeiter. Notwendig für Bezieher von Hartz-4-Leistungen ist nach Constanze Blanks Ansicht deshalb ein Zuschlag für die Dauer der Pandemie zur Abfederung der Mehrkosten, wie das Sozialgericht Karlsruhe kürzlich geurteilt hat.

Vor allem Menschen mit Minijobs und niedrigem Einkommen haben durch die Corona-Krise häufiger die Arbeit verloren.

Vor allem Minijobber sind betroffen

Gerhard Schrempp, im CSD schwerpunktmäßig für Schuldnerberatung zuständig, denkt dabei an Menschen, die als Reinigungskräfte oder im Gastronomiebereich in den besonders betroffenen Dienstleistungsberufen tätig sind. Für sie ist es unmöglich, die laufenden Ausgaben zu decken und den finanziellen Alltag zu sichern, was letztlich in die Verschuldung führt. Gerade die Pandemie zeigt nach seinen Worten, dass es oft Faktoren von außen sind, die die Menschen in die Schulden treiben können. In der Beratung werde geprüft, ob Kosten gemindert und Sozialleistungen beantragt werden können. Der CSD berät auch zum Schutz vor Pfändungen und zu Regulierungsmöglichkeiten bis hin zu einer Privatinsolvenz.

Als politische Folgen des längerfristigen Lebens mit Niedrigeinkommen befürchtet Constanze Blank, dass die Betroffenen sich weniger freiwillig engagieren und nicht mehr wählen gehen, dass sie sich also aus politischen und gesellschaftlichen Prozessen ausklinken.

Der Caritassozialdienst ist als Grunddienst der Caritas Erstanlaufstelle für Menschen in Notlagen, heißt es auf der Internetseite der Caritas. Die Mitarbeiter beraten und begleiten Interessierte als Einzelperson, als Paar oder Familie – unabhängig von Alter, Religion und Herkunft – unter anderem wenn sie in Trennung leben oder alleinerziehend sind, sich in einer Krisensituation befinden oder psychisch belastet sind, arbeitslos geworden sind, in finanziellen Schwierigkeiten stecken oder überschuldet sind oder Probleme mit Behörden haben. Weitere Infos gibt es unter www.caritas-kinzigtal.de/caritassozialdienst.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: