Auch wenn viele Arbeiten laufen – wie hier an den Bestandstunneln – kommt es bei der Hesse-Bahn zu erheblichen Verzögerungen. Foto: avmediafactory

Eigentlich sollte die Hesse-Bahn im Jahr 2023 fahren. Doch aus diesem Plan wird nichts. Der Starttermin ist nicht zu halten. Das Jahrhundertprojekt wird Verspätung haben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Und die liegen nicht nur im Einflussbereich des Calwer Landratsamtes.

Kreis Calw - Infrastrukturdezernent Andreas Knörle und Michael Stierle, Geschäftsführer des Zweckverbands Hesse-Bahn, verkündeten die "erhebliche" Verzögerung des Jahrhundertprojekts im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie viel Verspätung die Hesse-Bahn tatsächlich haben wird, können die beiden nicht sagen. Eine genaue Zahl ist ihnen nicht zu entlocken. Fest steht nur, dass sie irgendwann fahren wird, nur nicht wann genau.

Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Einer davon ist mit Sicherheit die geopolitische Weltlage, aber auch die Geschehnisse im Ahrtal haben ihre Wirkung auf die Hesse-Bahn. "Denn dorthin geht gerade das ganze Fachmaterial wie Signale, Weichen und anderes", berichtet Stierle. "Und dieses Material ist eben keine Massenware, sondern Manufakturware."

1400 Seiten starkes Gutachten nötig

Einfluss auf das Projekt hat auch die Europäische Union (EU). So läuft das EU-Verfahren im Bezug auf den an der Strecke vorkommenden Steinkrebs bereits seit 2018 – und ist noch immer nicht abgeschlossen. Ein anderes Verfahren, das eine wichtige Rolle spielt, ist das Planfeststellungsverfahren für die Kammerlösung an den Bestandstunneln zum Schutz der Fledermäuse. Das liegt in den Händen des Regierungspräsidiums Karlsruhe – "und der Prüfungsaufwand dafür ist sehr viel höher als bei anderen Verfahren", so Stierle. Unter anderem muss ein 1400 Seiten starkes Gutachten dafür erstellt werden. Dazu kommt, dass in den Tunneln nur in fünf Monaten im Jahr gearbeitet werden darf – von Mai bis September. In allen anderen Monaten herrscht für die Tunnel ein Betretungsverbot.

"Die Verfahren sind wie sie sind"

Für Andreas Knörle ist der entscheidende Grund für die Verzögerung klar: Es sind die Maßnahmen rund um die Fledermäuse, die das Projekt ins Stocken bringen. Doch beschweren will man sich im Calwer Landratsamt darüber nicht: "Die Verfahren sind wie sie sind. Und es gibt dafür auch keine Alternative", analysiert der Infrastrukturdezernent.

Auch wenn es jetzt diese Verzögerung gibt, so kommt die Hesse-Bahn doch voran: Am Haltepunkt Renningen laufen die Arbeiten, auch der Neubau des Tunnel am Hacksberg laufe wie geplant, die Sanierung der Bestandstunnel ist abgeschlossen. 2023 geht es am Calwer ZOB los.