Die Stadt Altensteig lässt sich nicht mehr über den European Energy Award zertifizieren. Dies hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen. Künftig sollen ein „Klimateam“ und das Büro Endura Kommunal den Klimaschutzprozess in der Flößerstadt steuern.
Der European Energy Award (EEA) ist ein Zertifizierungs- und Qualitätsmanagementsystem für Kommunen, die ihre Energie- und Klimapolitik verbessern wollen. Die Stadt Altensteig nimmt seit dem Jahr 2012 daran teil und hat seither kontinuierlich Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Förderung erneuerbarer Energien umgesetzt.
Die Stadt Altensteig sei im Bereich Klimaschutz insgesamt sehr gut aufgestellt, betonte Hauptamtsleiter Thomas Bräuning den Mitgliedern des Gemeinderats. 2022 habe man einen Zertifizierungsgrad von 65 Prozent erreicht und sich damit gegenüber 2018 um rund drei Prozent verbessert.
Trotz der guten Ausgangslage stoße man hinsichtlich der Vorgaben des EEA jedoch an Grenzen. Vor allem die vorgeschriebene ausführliche Dokumentation der Prozesse sei in Zeiten knapper Kassen und dünner Personaldecke kaum noch leistbar – „wir kommen da nicht voran“, so Bräuning.
Endura Kommunal soll im Boot bleiben
Um sich nicht zu sehr in Details zu verlieren und nicht zu viele Ressourcen mit Bürokratie zu binden, will man in der Flößerstadt die Klimaschutzziele in einem angepassten Modell verfolgen. Deshalb schlug die Stadtverwaltung vor, aus dem EEA auszutreten. Auf eine externe Begleitung will man aber auch in Zukunft nicht verzichten. Künftig sollen die bisher mit dem EEA befassten Mitarbeiter ein städtisches „Klimateam“ bilden, das den Klimaschutz in Altensteig gemeinsam mit dem externen Büro Endura Kommunal – das die Prozesse schon zuvor begleitete – vorantreibt.
Bürgermeister-Stellvertreter Tobias Schmid (CDU) betonte, dass die Flößerstadt mit diesem Schritt nicht aus dem Klimaschutz aussteige, sondern künftig lediglich einen anderen Weg verfolge. Er selbst sei zunächst skeptisch gewesen, könne sich inzwischen aber mit dem neuen Modell anfreunden.
Hobler: Nicht einfach auf Werbung verzichten
Hartmut Hobler (SPD) hält die EEA-Zertifizierung hingegen für eine gute Werbung für die Stadt Altensteig, auf die man nicht so einfach verzichten sollte. Ob es denn möglich sei, nur jedes zweite Mal teilzunehmen, wollte er wissen. Hauptamtsleiter Bräuning verneinte das – vier Jahre seien der maximale Zeitraum, der bis zu einer Rezertifizierung verstreichen dürfe. Andere Gemeinden hätten eigens Stellen geschaffen, um den Auflagen entsprechen zu können. Der Verwaltungsaufwand sei einfach zu groß, und letztlich gehe es doch um Ergebnisse.
Neben Bildung sei Klimaschutz eines der wichtigsten Themen, konstatierte Fabian Müller (FWV). Die Frage sei letztlich, ob der Nutzen in Relation zum Aufwand stehe, und in Altensteig sollte man sich nun auf die wesentlichen Punkte konzentrieren. Er regte aber an, die Fortschritte regelmäßig im Gemeinderat zu besprechen. Albrecht Joos (FBV) stimmte zu: „Wir haben einen Punkt erreicht, wo wir es selbst besser machen können.“
„Bürger mitnehmen“
Claudia Bertram-Schuler (SPD) legte Wert auf Transparenz – „Wir müssen die Bürger mitnehmen.“
Marcus Lotzin (AfD) begrüßte den Vorschlag der Verwaltung, sah er darin doch seine bisherige ablehnende Haltung gegenüber dem EEA bestätigt. Das wollte Fabian Müller so nicht stehen lassen. Der EEA habe für Altensteig durchaus Nutzen gehabt, „er hat Strukturen geschaffen und uns weitergebracht“. Wenn die Stadt nun aussteige, dann bestimmt nicht „aus ideologischen Gründen“.
Der Gemeinderat beschloss mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich nicht mehr über den EEA zertifizieren zu lassen, sondern die Klimaschutzprozess in einem angepassten Format fortzuführen.