Muslime auf der ganzen Welt fasten noch bis zum 9. April. Auch in den Mannschaften des Multikulti-Vereins ist das ein Thema. Lässt sich Sport und der Verzicht vereinbaren? Der SCL spricht über seine Erfahrungen.
Für Muslime hat am 10. März der Ramadan begonnen. Wer das Fasten lebt, für den sind unteranderem Essen und Trinken zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang tabu. Sportler stehen in dieser Zeit vor besonderen Herausforderungen – zum Beispiel im Fußball. Lassen sich regelmäßiges Training und Spieltage überhaupt mit dem Verzicht vereinbaren? Unsere Redaktion hat mit Verantwortlichen des SC Lahr gesprochen.
„Immer mal wieder hat es Spieler gegeben, die während des Ramadan gefastet haben“, berichtet Petro Müller. Der Sportliche Leiter des SC ist für die erste und zweite Herrenmannschaft zuständig.
In der aktuellen Saison gibt es, anders als in früheren Jahren, keinen aktiven Spieler der fastet. Grund sei auch die Verletzungssituation, berichtet Müller. Ein Spieler der fastet, ist betroffen und steht daher gerade sowieso nicht auf dem Fußballplatz.
Entscheidend ist die Selbsteinschätzung der Spieler
Auf Training und Spieleinsätze hätten die gläubigen Fußballer bisher noch nie verzichtet. „Sie trainieren schon mit“, berichtet Müller. Klar sei für ihn aber auch: „Je höher die Liga, desto schwieriger.“ Das höhere Spielniveau bringe auch größere körperliche Belastungen mit sich.
Entscheidend sei die Selbsteinschätzung der Fußballer. „Die Spieler müssen ehrlich mit sich selbst sein“, findet Müller. Man müsse sich mit den besonderen Umständen arrangieren, gerade bei einem Teamsport wie Fußball. An Spieltagen bedeutete das in vergangenen Jahren, dass es auch kürzere Einsätze gab, je nach Energie und Fitness.
Mit den Auswirkungen des Fastens auf den Sport, hat sich auch Stefan Wölfle, Jugendleiter im Verein, beschäftigt. In diesem Jahr sei es aber noch kein Thema, berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion. Das hänge mit der jetzigen Jahreszeit zusammen. Zu den Trainingseinheiten am Abend, ist die Sonne bereits – oder fast – untergegangen. So hätten Jugendliche, die am Ramadan teilnehmen, die Möglichkeit, sich vor den Übungseinheiten zu stärken, begründet Wölfle. Liege der Ramadan aber etwa im Sommer, sei die Situation eine andere.
Niemand verzichtete komplett auf Fußball
Im vergangenen Jahr hatten sich zwei SC-Jugendspieler entschlossen, zu fasten, berichtet Wölfle. Die konkrete Auslegung variiere aber je nach Spieler. „Es gab schon alle Varianten des Fastens“, so der Jugendleiter. Von sehr konsequent bis zu Ausnahmen, etwa um an den Trainings- und Spieltagen den Trinkverzicht auszusetzen. Aus Sicht des Jugendleiters hängt es auch stark vom jeweiligen Elternhaus ab, ob der Ramadan bei muslimischen Jugendspielern einen großen oder kleinen Rahmen einnimmt.
Auf den Fußball komplett habe, wie auch bei den Herren, bisher niemand verzichtet. „Aller größten Respekt vor dieser Willenskraft“, merkt Wölfle anerkennend an. Im Verein werde die individuelle Entscheidung „voll respektiert und akzeptiert“.
Klar ist für den Verein: Die Gesundheit steht im Vordergrund. Daher liege es an den Betroffenen, ihr Training, falls nötig, anzupassen – etwa indem sie ihr Pensum etwas heruntergefahren. Auf Trainerseite sei es wichtig, dass etwa Pausen zum trinken und stärken ermöglicht werden – beispielsweise, wenn das Training kurz vor Sonnenuntergang beginnt. „Da braucht es das nötige Fingerspitzengefühl“, so Wölfle. Das, so fügt er hinzu, sollte ein guter Trainer aber sowieso mitbringen.
Wechselnde Zeiten
Der Fastenmonat Ramadan richtet sich nach dem islamischen Kalender. Er begann in diesem Jahr mit dem Erscheinen der Neumond-Sichel am zehnten März. Der Kalender wird anders berechnet als der christlich-gregorianische und richtet sich nach dem Mond. Deshalb variiert der Zeitpunkt des Fastenmonats.