Krähen sind soziale Tiere und gelten als sehr lernfähig. Foto: © Bärbel Trende - stock.adobe.com

Sie gelten als sozial, lernfähig und gewitzt, wenn es um die Nahrungsbeschaffung geht: Ein Schwarm Saatkrähen hat in Ottenbronn über Wochen für mächtig Ärger gesorgt. Die Tiere zu vertreiben, ist gar nicht so einfach.

Althengstett-Ottenbronn - Einem Bewohner des Althengstetter Ortsteils wurden die Verwüstungen auf dem dortigen Friedhof schließlich zu viel. Er machte seinem Ärger unlängst in einer Sitzung des Ortschaftsrats Luft und forderte die Verwaltung zum Handeln auf. Der Mann berichtete dem Gremium, dass ein Schwarm Saatkrähen wochenlang die Bepflanzungen der Gräber zerstört habe. Die Tiere seien nach Paragraf 10 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt. Zudem fielen Saatkrähen unter die EG-Vogelschutzrichtlinie.

 

Der Mann äußerte außerdem, dass es auch in zahlreichen anderen Gemeinden des Landkreises Ärger mit den Vögeln gebe. Der Ottenbronner sprach sich deshalb dafür aus, dass sich die Kommunen gemeinsam an die Landesregierung wenden und darauf drängen, dass die gültigen Regelungen gelockert werden, um des Problems Herr zu werden.

Nur die Rabenkrähe darf bejagt werden

Doch was kann man derweil unternehmen, um die hartnäckigen Gesellen da wieder loszuwerden, wo sie immer wieder auftauchen und Schäden anrichten? "Eine Bejagung oder Vergrämung von Krähen beziehungsweise Saatkrähen ist sehr schwierig. Diese Vögel sind schnell lernfähig und in gewisser Weise auch schlau", äußerte sich Mario Fürstenberg, Wildtierbeauftragter des Landkreises Calw, auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten. Die heimische Saatkrähe unterliege nicht dem Jagdrecht, "sie darf also ganzjährig nicht bejagt werden". Eine Jagdzeit sei nur für die Rabenkrähe im Zeitraum 1. August bis 15. Februar festgelegt. Saatkrähen, Kolkraben, Dohlen und auch Eichelhäher seien ganzjährig geschützte Vogelarten.

Würmer und Engerlinge sind große Delikatessen

Von den Vorfällen mit Saatkrähen im Zusammenhang mit Bepflanzungen auf dem Friedhof in Ottenbronn hatte Fürstenberg bislang noch nichts mitbekommen. Wohl aber von Schäden durch Krähen – Saatkrähe und Rabenkrähe – auf den Wertstoff- und Recyclinghöfen mit Schwerpunkt Altensteig-Walddorf. "Dort wird unter Planen und Folien Häckselgut sowie Grüngut gelagert. Unter Temperatureinwirkung wandelt sich das Material in Humus um. In diesem Substrat finden sich auch zahlreiche Würmer und Engerlinge. Diese Tierchen sind wahre Leckerbissen für unsere heimische Saatkrähe", so Fürstenberg. Immer wieder würden die Vögel Löcher in die Folien picken, und das Eindringen von zusätzlicher Feuchtigkeit unterbreche beziehungsweise verändere die angestrebte Humusbildung deutlich.

Tiere stürzen sich auf Essensreste

Vor einigen Jahren habe es auch erhebliche Probleme mit Krähen im Bereich der Calwer McDonald’s-Filiale in der Straße gegeben: "Immer wieder stürzten sich auch Saatkrähen auf die achtlos weggeworfenen Reste. Durch ein besseres und schnelleres Reinigungsmanagement konnte das Problem aber in der Zwischenzeit deutlich entschärft werden".

In der hiesigen Landwirtschaft gebe es vereinzelt Schäden durch Saatkrähen Unmittelbar nach der Aussaat würden größere Schwärme den landwirtschaftlichen Geräten folgen und das Saatgut aus dem Boden picken. "Sie holen aber auch reichlich Schädlinge wie Drahtwürmer aus der Erde", betont Fürstenberg den großen Nutzen der Krähen. "Die finanziellen Schäden in der hiesigen Landwirtschaft kann ich nicht beziffern. Deutlich mehr Schäden gibt es aber durch Rehwild und vor allem durch nächtlich aktives Schwarzwild."

Knallgeräusche helfen nur kurzzeitig

Obsterzeuger, die wegen der Schäden durch die Krähen schier am Verzweifeln sind, setzen oftmals auf Geräte, die Knallgeräusche produzieren. Diese werden in Obst- beziehungsweise Kirschplantagen aufgehängt – mit nur kurzzeitiger Wirkung. "An diese Knallgeräusche gewöhnen sich die Vögel schnell und sie fliegen nicht mehr auf beziehungsweise davon", weiß der Wildtierbeauftragte.

Einfache Gegenmaßnahmen im heimischen Garten

Einige einfache Maßnahmen können dazu beitragen, dass Krähen sich zumindest nicht im eigenen Garten breit machen. Kommen sie nicht mehr an Futter heran, steigen die Chancen, dass sie von dannen ziehen. Mülleimer sollten immer dicht verschlossen gehalten werden und Mülltüten nicht frei zugänglich herumliegen, weil Krähen diese problemlos mit ihren scharfen Schnäbeln öffnen können. Kleine Mülltonnen sollten vor dem Umkippen geschützt und der Komposthaufen im Garten abgedeckt werden. Gemüsebeete und Obstpflanzen mit einem Netz zu umspannen, kann ebenfalls gegen die standorttreuen Vögel helfen. Und Fallobst sollte sofort aufgesammelt werden – so kann der Mensch zumindest im persönlichem Umfeld dafür sorgen, dass er gegen die Krähen nicht unbedingt den Kürzeren zieht.

Info: Wissenswertes zu Krähen

Insgesamt werden Krähen als soziale Tiere wahrgenommen mit teilweise ganz ähnlichen Eigenschaften wie Menschen. Sie sind zum Beispiel auch nachtragend. Krähen können sich Gesichter merken – vor allem von Menschen, die gemein zu ihnen waren. So wie das von Biologe John Marzluff, der 2011 Krähen einfangen musste, um sie zu markieren. Das nahmen ihm die Vögel noch lange Zeit übel.

Der Unterschied zwischen Raben und Krähen

Der Unterschied liegt in der Größe. Es sind alles schwarze Vögel die man schwer unterscheiden kann. Die Raben sind größer als die Krähen. Zu den Raben zählt in Deutschland der Kolkrabe und zu den Krähen zählen in Deutschland zum Beispiel die Aaskrähe, die Saatkrähe, die Dohle und die Nebelkrähe.

Die Saatkrähe ist sehr standorttreu, sie kommt also immer wieder an die gleichen Plätze zurück und breitet sich dort nicht sehr aus, sondern lebt mit vielen Individuen auf engem Raum.

Die Krähensprache

Mehr als 250 verschiedene Laute haben Wissenschaftler in der "Krähensprache" identifiziert. Zudem nutzen die gesprächigen Tiere laut Experten zwei verschiedene "Dialekte": Einen lauten für Unterhaltungen innerhalb der Gruppe, und einen leisen für Privatgespräche innerhalb der Familie.

 Der Speiseplan

Auf dem Speiseplan der Saatkrähen stehen unter anderem Samen, Keimlinge und Getreide. Deshalb sind sie in der Landwirtschaft oft unbeliebt. Gerne fressen sie aber auch Insekten und Mäuse, können also für die Landwirtschaft auch nützlich sein.

Die Rolle in Märchen und Sagen

Die auffälligen Krähen und Raben spielen weltweit eine Rolle in Sagen und Märchen. Demnach haben alte Götter und Könige ihre Weisheit, Intelligenz und Flugfähigkeit genutzt. Parallel dazu spielen diese Vögel auch eine Rolle im Volks- und Aberglauben.