Die Einschulung – für Familien meistens ein freudiges Ereignis. In Talheim gab es aber Unmut. (Symbolfoto) Foto: Oliver Berg/dpa

Onkel und Tanten stehen vor Schulen und Kirchen und fotografieren Kinder mit Schultüten. Etwas ganz Alltägliches? Ja und nein. Eine Praxis in Talheim ärgerte einzelne Angehörige.

Horb - "Getrübte Freude zur Einschulung". Unter diesem Titel berichtet eine Leserin, die wir hier Rebecca B. nennen, über die Einschulungsfeier in der Talheimer Steinachtalschule. "Leider hat sich die neue Schulleitung für ein Fotoverbot während der gesamten Veranstaltung entschlossen, und außer den Eltern durften keine anderen Angehörigen zum Gottesdienst kommen", berichtet B.. Die Schulleiterin habe persönlich die Verwandten aufgefordert, die Kirche zu verlassen und den Zutritt verweigert.

"Keine Erinnerungen an die Einschulung"

Nach dem Gottesdienst habe es weitere Einschränkungen gegeben. Rebecca B. berichtet: "Da es das Fotoverbot gab, konnte man auch nachträglich die Angehörigen nicht mit einbeziehen oder in zehn Jahren in Erinnerungen verweilen." Für B. als Angehörige eines Schulkindes stellte dies eine unverständliche Regelung dar: "Für die meisten Kinder ist der Lebensabschnitt Schulanfang mit vielen Unsicherheiten, Freude und Nervosität verbunden. Deshalb ist es toll, wenn die Kinder den Rückhalt der Familie spüren. Doch, wie fühlen sich genau diese Kinder, wenn Oma und Opa bei der Einschulung der Cousine einen Ort weiter dabei waren, aber bei der eigenen Einschulung nur die Eltern da sind? Und das nicht einmal zum Gottesdienst? Auch Fotos können die Kinder Oma und Opa danach nicht zeigen, um Ihre Erlebnisse zu teilen."

Jahrzehntelange Tradition?

Die neue Talheimer Schulleitung, so schildert Rebecca B, breche mit einer jahrzehntelangen Tradition. B. räumt zwar ein, dass die Einschulungsfeiern zunehmend größer ausfallen und teilweise sogar dem Weihnachtsfest Konkurrenz machen, hält den Ausschluss eines Teils der Verwandten aber nicht für den richtigen Weg. "Was würde dagegen sprechen, Angehörige in die Kirche zu lassen und die Einschulung später in der Schule nur im engsten Rahmen abzuhalten? Das wäre weder Mehraufwand für die Lehrer, noch kann der Platzmangel in der großen Kirche der Grund für die ablehnende Haltung der Schulleitung sein. Auch für Oma und Opa, die ihre Enkel von Geburt an begleiten, wäre es ein Anliegen bei so einem lebensveränderten Ereignis dabei zu sein."

Rebecca B. ärgerte auch das "Fotoverbot". " Nicht einmal ein Bild mit allen Kindern und ihren Schultüten wurde gemacht. Zusammenfassend war die Einschulung der Grundschule Talheim traurig, und die Schulleitung sollte ihre Entscheidung fürs nächste Jahr noch einmal überdenken." Vielleicht finde sich ja ein Mittelweg.

Schulleiterin verteidigt die Organisation

Luisa Eidel, die Leiterin der Steinachtalschule, verteidigt die organisatorischen Entscheidungen: "Bei unserem Gottesdienst handelt es sich um unseren Schulanfangsgottesdienst für alle Klassen, bei dem neue Schüler der Schule, neue Kolleginnen und Betreuerinnen und auch unsere neuen Erstklässler begrüßt werden (kein öffentlicher Gottesdienst). Die Einschulungsfeier im Theatersaal schließt sich an den Gottesdienst an. Nach dem Gottesdienst läuft die ganze Schülerschaft zur Schule und empfängt mit einem Spalier die neuen Erstklässler mit ihren Eltern. Die eigentliche Einschulungsfeier findet danach im Theatersaal der Schule statt."

Eltern waren informiert

Bereits vor vier Jahren und noch vor Corona sei es eine bewusste pädagogische Entscheidung gewesen, vom "Rummel" in der Turnhalle und einer "sehr unruhigen, hektischen Atmosphäre" wegzukommen, so Eidel. "Die Veranstaltung wurde deshalb auch in Abstimmung mit allen schulischen Gremien von der Turnhalle weg in den Theatersaal verlegt – sie ist für die neuen Schulanfänger, die an diesem Vormittag ohnehin sehr aufgeregt sind, in diesem Rahmen überschaubar, gut fassbar und altersgerecht. Ein kleiner überschaubarer Rahmen wurde bewusst abgestimmt."

Der Theatersaal, so die Schulleiterin weiter, bietet einen schönen Rahmen, lässt aber nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zu, zumal auch noch andere Schüler an der Programmgestaltung beteiligt sind. Eidel ergänzt: "In unserem Theatersaal wird unsere Schulgemeinschaft gepflegt. Der Raum ist für uns und unsere Kinder ein wichtiger Wirkungsort und Wohlfühlraum. Hier finden sämtliche Feiern statt, die für unsere Schulgemeinschaft wichtig sind. Bei der Einschulung ist es uns besonders wichtig, dass alle Schülerinnen und Schüler der Schule mit Lehrerinnen und Betreuerinnen dabei sind und die Erstklässler in unserem Theatersaal begrüßen."

Eltern wurden über die Regeln informiert

Über die Regeln zur Einschulung seien die Familien informiert worden. Eidel schreibt: "Dass zwei Gäste pro Kind zur Einschulung eingeladen sind, wurde über mehrere Kanäle (Elterninfoabend vor den Sommerferien, Einschulungsbroschüre, Erinnerungsmail am Montag, 12.09. für die Eltern der neuen Erstklässler) kommuniziert und war bekannt."

Während der Einschulung, so schildert sie weiter, sie die Stimmung unter allen Anwesenden sehr gut gewesen, es habe positive Rückmeldungen gegeben. Ein "Fotografierverbot", so Eidel abschließend, sei zu keiner Zeit ausgesprochen worden. Es sei nur gebeten worden, in der Kirche nicht zu fotografieren, da dies die Stimmung störe. "Die Eltern haben draußen sowohl vor und nach der Kirche als auch auf dem Weg zur Schule und vor und nach der Schule fotografiert. Hier gab es keine Einschränkungen", so Eidel. "Ein gemeinsames Bild wurde aus zeitlichen Gründen nicht gemacht, es wird in der kommenden Woche mit einem Fotograf nachgeholt (an diesem Tag bringen die Erstklässler noch mal ihre Schultüten mit)."