Schrambergs Übernachtungszahlen haben sich im Zeitraum von 2013 bis 2023 stark negativ entwickelt. Die Ankünfte sanken um 27 Prozent auf jährlich knapp 20 000, die Übernachtungen um zwölf Prozent auf rund 70 000.
Das sind zwei der zentralen Kennzahlen, die Ayline Liedtke als Hauptverantwortliche der Abteilung Marketing und Tourismus den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses in der Sitzung am Donnerstag, 28. November, präsentieren wird. Die Zahlen beziehen sich auf Betriebe mit mehr als zehn Betten. Die Entwicklungen seien sogar noch verheerender, wenn man bedenke, dass im gleichen Zeitraum im Landesdurchschnitt Baden-Württembergs die Ankünfte um 23 Prozent und die Übernachtungen um 20 Prozent zugelegt hätten, führt Liedtke im Beschlussvorschlag zur Fortschreibung des Tourismusstrategieprozesses aus.
Festgestellte Gründe für den Gästerückgang
Verantwortlich für den starken Rückgang sind Liedtke zufolge ein teilweise nicht mehr zeitgemäßes Angebot aufgrund veränderter Gästeansprüche, fehlende Investitionen und Innovationen sowie eine nicht hinreichende Vernetzung, aber auch deutlich veränderte Markt- und Rahmenbedingungen im Tourismus. Dies habe eine Analyse ergeben, die im April 2024 nach einem Bewerbungsverfahren an die Münchner Strategiebertung Project M vergeben worden sei. Das Beratungsunternehmen habe mittlerweile eine Ortsbegehung mitsamt Experteninterviews und Betriebsbesichtigungen durchgeführt sowie Gäste als auch Leistungsanbieter online befragt sowie statistische Kennzahlen ausgewertet.
Der Tourismus in Schramberg erwirtschaftet laut Schätzung der Schwarzwald Tourismus GmbH einen Bruttoumsatz von 27 Millionen Euro. Damit leiste er einen relativen Beitrag von zwei Prozent zum Primäreinkommen, führt Liedtke aus. Der Stellenwert sei dennoch gewichtig: „Wenngleich dieser Wert im Vergleich zu anderen Schwarzwald-Kommunen gering ist, bringt der Tourismus wertvolle Effekte für die Stadt, Bevölkerung und Unternehmen, indem er die regionale Wirtschaft fördert, Kaufkraft, Frequenzen und Arbeitsplätze sichert, zum Erhalt von Kultur- und Brauchtum beiträgt sowie Freizeit-, Wohn und Lebensqualität in Schramberg erhöht“.
Familienfreundliche Betriebe als Chance
Die Stadt Schramberg will den Ausführungen des Beschlussvorschlags nach den Tourismus nun in folgender Weise umgestalten: Sie will den Herausforderungen mit einer „Allianz der Willigen“ und einer klaren Strategie begegnen, um die vorhandenen touristischen Potenziale zu heben und Schramberg zurück auf Wachstumskurs bringen.
Als Stärken und Potenziale identifizierte Liedtke die familienfreundlichen Betriebe und Angebote der Stadt, die Lage und Zugehörigkeit zum Schwarzwald sowie der Destination Kinzigtal und die Natur mitsamt Wanderinfrastruktur. Daneben außerdem auch die von der Uhrengeschichte der Stadt entstandene Museumslandschaft, die allerdings nicht mehr zeitgemäß sei.
Das Einzugsgebiet Schrambergs umfasse 6,5 Millionen Einwohner im Umkreis von 90 Autominuten. Außerdem würden sieben Millionen Übernachtungen im Umkreis von 60 Autominuten stattfinden.
Als am aussichtsreichsten schätzt Liedtke anhand der Unterstützung der Strategieberatung Project M Angebote im Bereich des Familienerlebnis, Wanderns und der Industriekultur ein. Neben Familien soll die Zielgruppe der Best Ager-Paare und Special Interest-Gruppen als Gäste angesprochen werden.
Um das aktuelle Konzept mit den vorgesehenen strategischen Eckpunkten weiter auszuarbeiten, beantragt Liedtke zudem dieses durch die Münchner Strategieberatung Project M weiter auszuarbeiten und in finaler Fassung im Februar 2025 vorstellen zu lassen.