Das 1987 angekaufte Werk "Kerlonau, route de la mer" des Mannheimer Künstlers Norbert Nüssle (1932 bis 2012), das 1983 entstanden ist, soll im kommenden Jahr in Verbindung mit einer Ausstellung zu "50 Jahre Große Kreisstadt" neben Werken anderer Künstler im Schloss gezeigt werden. Foto: Stadtmuseum

Von der Sache her eine Petitesse, vom Drumherum her aber ein Politikum: Der Antrag der Aktiven Bürger zu einer Ausstellung der städtischen Kunstsammlung zu 50 Jahre Große Kreisstadt im kommenden Jahr.

Schramberg - Eigentlich sei das Interesse der Stadt und der Aktiven Bürger hinsichtlich der Präsentation der städtischen Kunstsammlung ähnlich, räumte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr ein. Allerdings sei eine solche Ausstellung aufgrund der abschlossenen Planung für 2022 im kommenden Jahr nicht möglich – aber für 2024 geplant. Immerhin könnten zumindest einige Werke in Verbindung mit einer Ausstellung zu 50 Jahre Große Kreisstadt in einem zusätzlichen Raum im Schloss gezeigt werden, machte auch der für das Museum zuständige Stadtarchivar Carsten Kohlmann deutlich.

Aber von Anfang an: In dem von Johannes Grimm von den Aktiven Bürgern unterschriebenen Antrag geht es um eine Ausstellung der Kunstwerke, die die Stadt vor allem aus Schauen von Podium Kunst in den vergangenen 40 Jahren angekauft habe. Diese sollten im kommenden Jahr in der gesamten Stadt gezeigt werden. Dabei dachten die Aktiven Bürger auch an nicht genutzte Ladenlokale, Geschäfte, Räume in Verwaltungsgebäuden und anderes.

Die Vorlage zur Sitzung des Verwaltungsausschusses der Stadt nahm nach Ansicht der Aktiven Bürger diesen Aspekt allerdings nicht auf. Darin wurde auf die bereits abgeschlossene Planung für 2022 verwiesen und auf eine "Gesamtschau und einen Bestandskatalog, bearbeitet von einem Kunsthistoriker", der für 2024 angedacht sei. Diese Zeit sei als Vorlauf einfach notwendig, hatte dazu auch später in der Sitzung Kohlmann betont.

Da der Aspekt Kunst im öffentlichen Raum überhaupt nicht thematisiert worden sei – Grimm hatte in dem Antrag geschrieben: "Kunst ist kein Selbstzweck. Sie lebt im öffentlichen Raum, der Auseinandersetzung und Diskussion. Sie muss betrachtet, ständig durch die Beschreibung neu gesehen und weiter entwickelt werden" – hatten die Aktiven Bürger in einer Mitteilung am Mittwoch angekündigt, den Antrag zurückzunehmen.

Am Donnerstagmorgen hatte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr am Rande eines Pressetermins deutlich gemacht, dennoch über den Antrag abstimmen lassen zu wollen, weil gegenüber der Stadt selbst keine Rückknahme erklärt worden sei. Diesen formalen Vorgang hatten die Aktiven Bürger allerdings dann erst am Donnerstag um 14.29 Uhr, wie Eisenlohr mehrfach betonte, per E-Mail erledigt.

In ihrer Rücknahme zeigten sich die Aktiven Bürger "enttäuscht" über den Vorschlag der Oberbürgermeisterin, da das Ziel der Fraktion gewesen sei, "die Gesamtstadt in ihrer kulturellen Diversität und Offenheit" darzustellen.

Punkt abgesetzt

Aus kommunalrechtlichen Gründen müsse sie den Tagesordnungpunkt absetzen, hatte Eisenlohr am Donnerstag zu Sitzungsbeginn um 18 Uhr deutlich gemacht, allerdings angekündigt, unter Punkt Verschiedenes darauf einzugehen. Sie könne versichern, sagte sie dann, "dass die Verwaltung ein motiviertes und leistungsfähiges Team" sei, das versucht habe "›trotz abschlossen Ausstellungsplanung noch etwas hinzukommen", um den Aktiven Bürgern entgegenzukommen. Auch weil sie und die Verwaltung es "eine gute Idee fanden, die Kunstsammlung zu zeigen".

Als "schade" bezeichnete sie es, dass von den Aktiven Bürgern in der Ausschussitzung dieses Abends keiner dabei sei: "Einer fehlt mit Gründen, zwei ohne", sagte sie. Alle Räte hätten den Eid abgelegt, zum Wohle der Stadt zu wirken; so wünsche sie sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Stadtmuseum zu klein

Kohlmann sah in der Kunstsammlung "in der Tat einen Hidden Champion". Sie zu zeigen sei durchaus berechtigt. Er erwähnte nochmals die Gründe, warum es nicht möglich sei, die 70 vorhandenen Kunstwerke 2022 zu präsentieren. So gebe es beispielsweise derzeit noch keine selbstständige städtische Galerie. Eine Präsentation des Gesamtbestands ist aufgrund des Umfangs im Stadtmuseum nicht mehr möglich, dies würde das gesamte erste Obergeschoss erfordern, alle Sonderausstellungsräume eingeschlossen. Als Vorlauf für eine "große Ausstellung" nannte Kohlmann eines bis eineinhalb Jahre, deswegen würde die Ausstellungsplanung immer vor den Sommerferien des laufenden Jahres abgeschlossen. Hinzu komme, dass sich wegen Corona die gesamte Planung verschoben habe.

Archäologische Sammlung

So kündigte er für 2022 auch eine neue Präsentation der archäologischen Sammlung an – mit einigen in Deutschland einzigartigen und seltenen Objekten, die sich "seit Jahrzehnten noch mehr im ›Dornröschenschlaf‹ als unsere Kunstsammlung befinden" und in ein "neues Licht" gerückt werden sollen. Auftakt im kommenden Jahr sei eine Ausstellung von Podium Kunst mit dem gebürtigen Schramberger Martin Kasper vorgesehen, "einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler, die aus unserer Stadt stammen".

Kooperation zu Naturpark

Für das Jahr 2023 gebe es so erstmals eine Kooperation mit dem Museum Mensch und Natur in Freiburg zur Neupositionierung der Großen Kreisstadt Schramberg im Naturpark Schwarzwald-Mitte-Nord. Auch dafür sei eine langfristige Planung und Organisation erforderlich.

Bei einer Präsentation der städtischen Kunstsammlung außerhalb des Stadtmuseums, so Kohlmann weiter, seien zudem grundsätzlich konservatorische Aspekte genau zu prüfen, in Leerständen müssten zum Beispiel die Schaufenster mit UV-Schutzfolien versehen werden – dies sei auch ein Kostenfaktor.

"Unabhängig von diesen Maßnahmen bleibt aber eine dauerhafte Präsentation der Kunstsammlung in einer zukünftigen Galerie der Stadt Schramberg eindeutig ein wichtiges kulturpolitisches Thema, über das in Verbindung mit der Zukunft der ›Museumslandschaft‹ zu entscheiden ist", betonte Kohlmann abschließend.

Großer Beifall

Kritik am Stil und der Arbeit der (in der Sitzung nicht anwesenden) Aktiven Bürgern übte im Anschluss Dominik Dieterle (CDU) unter großem Beifall der Ratsmitglieder. Er frage sich nach der jetzigen Vorgehensweise, wie die Aktiven Bürger politisch arbeiteten und die Stadt Schramberg positiv vertreten wollten. Am Tag der Abstimmung zögen sie ihren Antrag trotzig zurück. "Das Thema muss ihnen ja wichtig sein", meinte er und verwies darauf, dass sie "mit Abwesenheit glänzen". Er glaube, dass ihnen viele Themen nicht wichtig seien und ihnen städtische Themen nur Selbstzweck dienten. Den Antrag der Aktiven Bürger sehe er, um zu "instrumentalisieren und provozieren". Oft sei die Fraktion einfach abwesend und sonst sehe er "ein Kommen und Gehen". Zudem sprach er von einer "destruktiven Teilnahme oder sogar ohne jeglichen Beitrag" bei Sitzungen. Richtig wäre es hingegen gewesen, so seine Ansicht, in die Sitzung zu kommen und zu diskutieren.

Hinsichtlich des Antrags sieht Dieterle entgegen der Aussage der Aktiven Bürger nicht wirklich Vorschläge, diese seien "dem kurzen Antrag" nicht zu entnehmen. Der Forderung, die Kunstsammlung der Öffentlichkeit zu zeigen, sei die Verwaltung im Beschlussvorschlag, so seine Ansicht, "weitestgehend nachgekommen".

Zudem rate er, so Dieterle, "allen Fraktionen, insbesondere den Aktiven Bürgern, auch und gerade außerhalb der Sitzungsräume bei der Wahrheit zu bleiben". "Wir sollten und können den Stil und die Vorgehensweisen die die Fraktion der Aktiven Bürger so an den Tag legen, nicht akzeptieren", schloss er seine Ausführungen.

Kommentar: keine Friede-Freude-Eicherkuchen-Welt

Von Stephan Wegner

Wie groß ist die Motivation, auf politischer Ebene etwas anzustoßen, wenn man selbst davon ausgeht, dass alle gestellten Anträge keine Mehrheit finden? Ziemlich gering mit der Zeit. Nicht umsonst will auch jetzt nach der Bundestagswahl eigentlich jede Partei regieren. Nur dann kann etwas gestaltet werden. Dies machte jüngst auch Schrambergs CDU-Chef Thomas Brantner deutlich. Ähnlich ist dies im Kleinen – sprich dem Gemeinderat oder dessen Ausschüssen. Eine Fraktion, die über ihre drei eigenen Stimmen hinaus keine Mehrheiten sucht oder findet, wird zum politischen Außenseiter. Aber auch den darf es geben. Wir leben nicht in einer Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, in der alle Ideen umgesetzt werden können. Aber es ist wichtig, sich der Diskussion zu stellen. Auch wenn die eigene Meinung vielleicht im Ratsgremium nur selten goutiert wird.