Verena Oehl beleuchtet die Vorgänge im Rathaus Lauterbach und dem Gemeinderat. Foto: Schwarzwälder Bote

Zur Situation rund ums Rathaus Lauterbach meint unsere Leserin Verena Oehl:

In der letzten Gemeinderatssitzung sprach Bürgermeister Jürgen Leichtle von einem Neuanfang. Er kündigte ein umfassendes Organisationsgutachten an, das die Verwaltung modernisieren, professionalisieren und „weg von ständiger Selbstbeschäftigung“ hin zu den wichtigen Zukunftsfragen führen soll. Das klingt gut – wer hätte da etwas dagegen?

 

Und doch konnte ich kaum glauben, was ich da hörte. Denn Leichtle inszeniert sich einmal mehr als jemand, der über den Dingen steht und nur das Beste für Lauterbach will. Dabei ist es doch gerade sein Verhalten, das die Verwaltung in eine tiefgreifende Krise gestürzt hat. Er ist nicht der Neuanfang – er ist der Ausgangspunkt der Probleme.

Offene Fragen und Vorgänge

Mich irritieren nicht nur die offen gebliebenen Fragen – sondern auch die Vorgänge, die bislang ohne Klärung geblieben sind: In kurzer Zeit haben mehrere langjährige Mitarbeitende die Verwaltung verlassen – ausdrücklich wegen Bürgermeister Leichtle und Kämmerer Karl-Heinz Villinger. Eine erfahrene Mitarbeiterin wurde ohne nachvollziehbare Grundlage freigestellt und mit Hausverbot belegt. Ihre Rückkehr wird kommentarlos hingenommen, die Probleme stehen weiter im Raum. Die Darstellungen von Bürgermeister Leichtle widersprechen deutlich den glaubwürdigen Aussagen mehrere Mitarbeitenden, die stichhaltige Argumente vorbringen. Das scheint niemanden zu beunruhigen. Selbstkritische Worte von Leichtle? Fehlanzeige. Stattdessen. Rückzug in die Opferrolle.

Dass der Personalrat nicht freiwillig, sondern auf Druck von Leichtle zurückgetreten ist, wird scheinbar ebenso hingenommen.

Bleibt das alles wirklich ohne Konsequenzen? Gilt das nun als erledigt? Der Gemeinderat schweigt – zumindest öffentlich. Eine klare Einordnung oder Haltung bleiben aus. Ja, vielleicht geschieht im Hintergrund etwas – aber das reicht nicht. In dieser Situation braucht es ein sichtbares, öffentliches Signal. Denn es geht längst nicht mehr nur um Personalien, sondern um Grundsätzliches: Wurde hier Macht missbraucht? Wird das einfach hingenommen? Welche Haltung vertritt der Gemeinderat? Welche Werte werden eingefordert? Stattdessen nehme ich in der Sitzung genervtes Gemurmel wahr, als noch mal nachgehakt wurde – als sei das Thema längst abgehakt.

Verhalten vom Bürgermeister verursacht Schaden

Doch wer jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen will – um das Image des Rathauses zu schonen oder das Thema abzuschließen – verkennt: Nicht das Nachfragen verursacht den Schaden, sondern das Verhalten von Bürgermeister Leichtle. Und Schweigen zementiert nur die Probleme.

Ein echter Neuanfang braucht mehr als ein Organisationsgutachten. Er braucht Ehrlichkeit. Aufarbeitung. Übernahme von Verantwortung. Echte Konsequenzen. Alles andere bliebt Fassade.

Verena Oehl, Lauterbach

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