Ein Smartphone mit der App des KI-Chatbots ChatGPT ist vor dem Logo des US-Softwareunternehmens OpenAI zu sehen. Das Landratsamt Freudenstadt fordert eine landes- oder bundesweite KI-Lösung für die Verwaltung. (Symbolfoto) Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Die Mitarbeiter des Landratsamts Freudenstadt sind umfangreich geschult, um KI zu nutzen. Doch die Behörde wünscht sich eine landesweit zentrale KI-Lösung.

In vielen Rathäusern des Landkreises kommt Künstliche Intelligenz (KI) bereits zur Anwendung. Auch das Landratsamt Freudenstadt beschäftigt sich nach eignen Angaben bereits seit Anfang 2023 mit dem Thema KI. „KI spielt aktuell eine wachsende, aber überwiegend unterstützende Rolle in der öffentlichen Verwaltung. KI wird aktuell als Hilfsmittel vor allem bei der Recherche allgemeiner Themen und der Zusammenfassung von Texten eingesetzt“, teilt Sabine Matt, Pressesprecherin des Landratsamts unserer Redaktion auf Anfrage mit.

 

Beispielsweise bei der Recherche von Gerichtsentscheidungen und bei der Darstellung von internen Geschäftsprozessen werde KI angewendet. Matt sagt: „Außerdem wird gerade ein Chatbot für den Zugriff auf interne Regelungen und ein datenschutzkonformer Chatbot für die Internetrecherche und Zusammenfassung von datenschutzrechtlich unproblematischen Inhalten eingeführt. Zudem prüfen wir den Einsatz eines Voicebots.“ Ein Chatbot ist ein textbasiertes Dialogsystem, das Chatten mit einem technischen System erlaubt.

Kritik des Landratsamts

Die Darstellung von Geschäftsprozessen und die einfachere Recherche und Zusammenfassung von Informationen sparten dem Landratsamt Zeit und somit Kosten, berichtet Matt. „Aber wir sind hier noch am Anfang, das heißt, es ist noch nicht messbar. Wichtig ist, dass wir den Weg weiterverfolgen und auch eine landesweite Lösung kommt, dann werden wir spürbare Erleichterungen erzielen.“ Das Landratsamt kritisiert, dass es mehr für die Verwaltung optimierte KI-Lösungen geben müsse, die zentral von Bund und Land zur Verfügung gestellt werden.

Auch wenn KI im Landratsamt genutzt wird, dürfen die Mitarbeiter KI nicht willkürlich anwenden. Matt sagt: „KI wird nicht für Entscheidungen eingesetzt. KI-Ergebnisse müssen immer auf die sachliche und rechtliche Richtigkeit überprüft werden.“ Alle Mitarbeitenden müssten vor der Nutzung von KI umfangreiche Online-Schulungen und Tests absolvieren, in denen die rechtskonforme Nutzung von KI, die Formulierung von optimalen Prompts (Eingabeaufforderungen, Anm. d. Red) und die inhaltliche Überprüfung der KI-Information thematisiert werden. „Egal wie weit die KI sich entwickelt und welche Prozesse sie übernehmen kann, am Ende muss ein Mensch die Ergebnisse prüfen, freigeben und verantworten“, erklärt Matt.

Keine rechtlichen Entscheidungen

Bewusst nicht eingesetzt werden solle KI bei allen Prozessen, deren Ergebnis rechtliche Entscheidungen sind, da hier das Risiko einer Fehlinterpretation beziehungsweise einer KI-Halluzination zu groß sei, und bei allen Prozessen, in denen datenschutzrechtliche und urheberrechtliche Probleme zu erwarten sind.

Trotz aller Hürden, die beim Thema KI noch überwunden werden müssen, blickt die Verwaltung des Landkreises optimistisch auf die Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Danach gefragt, wie das Landratsamt die Anwendung von KI in fünf Jahren sieht, sagt Matt: „Viele Standardprozesse könnten mit KI-Agenten erledigt werden. KI wird ein alltägliches Werkzeug für alle Mitarbeitenden sein. Es wird das Wissensmanagement sicherstellen, Prozesse beschleunigen und Prognosen vornehmen.“