Gut im neuen Job angekommen: der Altensteiger Bürgermeister Oliver Valha Foto: Jansen

Oliver Valha ist seit etwa 100 Tagen Bürgermeister in Altensteig. Wir haben mit ihm über schöne Erlebnisse, Herausforderungen und Pläne für die Sommerferien gesprochen.

Oliver Valha ist seit rund 100 Tagen Bürgermeister in Altensteig. Zeit, einen Blick auf die ersten Wochen bei seiner neuen Arbeit zu werfen.

 

Herr Valha, Sie sind jetzt 100 Tage im Amt. Wie geht es Ihnen?

Gut geht es mir. Ich fahre jeden Morgen gern nach Altensteig und ich denke, das ist ein gutes Zeichen, dass mir der Job Spaß macht.

Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Dadurch, dass ich auch schon vorher viel mit Bürgermeistern zusammengearbeitet habe, wusste ich ziemlich genau, was mich erwartet. Ich habe ja auch in einigen Themenbereichen schon meine Erfahrungen gesammelt.

Also nichts Neues?

Doch, zum Beispiel hatte ich mit den Stadtwerken vorher nicht diese Berührungspunkte. Das ist eines der Themen, in die ich mich intensiv einarbeite. Ich bin auch jemand, der dann Bescheid wissen will und das umfassend. Da muss ich mich bei gewissen Themen auch zurücknehmen.

Warum? Es ist doch nicht schlecht, tief in einem Thema drin zu sein.

Natürlich muss ich mich mit einem Thema auskennen. Am Wochenende lese ich aktuell sehr viel über Altensteig. Aber wenn man sich zu sehr in ein Thema hineinkniet, besteht die Gefahr, schließlich selbst die Dinge auszuarbeiten – das lässt die Zeit als Bürgermeister einfach nicht zu. Das ist ein schmaler Grat: Bescheid zu wissen, aber gleichzeitig nicht zu viel Zeit reinzustecken.

Welche Themen bekommen die meiste Aufmerksamkeit?

Wenn ich etwas relativ spontan entscheiden muss. Zum Beispiel beim Personal – wer wird wo eingesetzt. Außerdem bereitet die Verwaltung Vorlagen vor und bringt Themen in den Gemeinderat ein – diese muss ich dann als Vorsitzender auch gut vertreten können.

Fahrt zum Kindergarten muss am Morgen sein

Wie sieht eigentlich ein Tag bei Ihnen aus?

Jeden Morgen stehe ich auf, frühstücke, lese da bereits die E-Mails. Dann richten wir die Kinder. Ich fahre meinen Sohn jeden Morgen in den Kindergarten, das ist eine Zeit, die er auch sehr schätzt, das ist unser Ritual geworden. Wenn ich mal früher losmuss, wird’s kritisch. Wenn ich dann hier bin, stehen eigentlich durchgängig Termine an: interne Besprechungen, externe Treffen, Besuche. Ich treibe Projekte voran, aber lerne auch noch sehr viel kennen.

Kennenlernen ist ein gutes Stichwort. Sie haben in Altensteig Handball gespielt, die Stadt ist Ihnen nicht völlig fremd. Wie lernen Sie Altensteig jetzt kennen?

Das stimmt, bisher war ich in der „Handball-Bubble“. Jetzt lerne ich Altensteig in allen Facetten kennen. Zum Beispiel auch die Musik der Kantorei, von der ich ein großer Fan geworden bin. Es gibt hier so viele Ehrenamtliche, so viel Engagement, das finde ich schön.Ich führe gerade viele Mitarbeitergespräche, ich möchte alle Mitarbeiter persönlich kennenlernen. Im Rathaus müsste ich jetzt durch sein, jetzt kommen die Stadtwerke an die Reihe. Für die Stadt arbeiten etwa 400 Personen. Es ist großartig, dass ich auf mein Team vertrauen kann. Da hat mein Vorgänger auch gute Arbeit geleistet, dass er die richtigen Personen an die richtigen Positionen gesetzt hat

Sehen Sie Herrn Feeß manchmal?

Hin und wieder auf Veranstaltungen, aber ich denke, er genießt seinen wohlverdienten Ruhestand.

100 Tage sind nicht besonders lang. Was konnten Sie schon umsetzen?

Ich denke, wir haben bei der Kommunikation schon sehr viel erreicht und sie breit aufgestellt. Wir möchten möglichst alle Bürgerinnen und Bürger erreichen, um transparent und offen zu sein – über die Printmedien, den neuen WhatsApp-Infokanal und Social Media. Wir haben auch schon verschiedene Umfragen gemacht, das soll auch weiter intensiviert werden, um die Meinung der Bevölkerung einzuholen.

Was steht in der Zukunft an?

Über allem steht, die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen: Mit unseren tollen Schulen, Kindergärten und auch dem Straßennetz. Zumindest bei unseren Straßen haben wir Einfluss. Ich stehe mit dem Landkreis im Austausch, damit die Karl- und die Dorfer-Straße saniert werden. Wir haben Konzepte für Verkehrsberuhigung in der Innenstadt – aber das funktioniert nur, wenn diese Straßen saniert sind – denn dort wird sich der Verkehr hin verlagern.

Außerdem?

Auf dem Plan steht etwa die Sanierung der Markgrafenschule und der Feuerwehrgerätehäuser in Altensteig und in Walddorf. Die Herausforderung ist für uns alle, Prioritäten richtig zu setzen und diese großen Aufgaben einzutakten. Auch Fördermöglichkeiten spielen eine Rolle.

Was war das beste Ereignis bis jetzt?

Da gibt es nicht das eine Ereignis. Es war zum Beispiel ein toller Moment, als ich hier im Rathaus empfangen wurde und zu merken, dass die Kollegen offen für jemand neues sind und ich akzeptiert werde. Und ein Moment, als wir in Altensteigdorf auf einem Fest waren mit einer Schauübung der Jugendfeuerwehr. Auf dem Heimweg hat mein vierjähriger Sohn zu mir gesagt: „Papa, manchmal ist es richtig cool, dass du Bürgermeister bist.“ Das „Manchmal“ kann man ignorieren (lacht), aber das zeigt, dass auch die Familie angekommen ist und das macht mich sehr glücklich.

Das klingt alles sehr positiv. Gibt es auch Stolpersteine?

Als Stolperstein empfinde ich, wenn Menschen nur an ihrem eigenen Wohl interessiert sind, nur ihr Problem und eine einzige Lösung sehen – und nicht das große Ganze. Prioritäten werden sehr unterschiedlich gesetzt. Ich denke, es braucht die Bereitschaft zum Kompromiss und sich selbst ein wenig zurückzunehmen.

Etwa, wenn eine Veranstaltung im Ort stattfindet. 90 Prozent der Leute freuen sich darüber – und dann gibt es einige wenige Menschen, die grundsätzlich dagegen sind. Aber ich denke, das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Familienbesuche und Kinoabend

Jetzt sind Sommerferien. Was haben Sie vor?

Tatsächlich habe ich keinen Urlaub – also arbeite ich. Aber ich werde auch einige Tage frei nehmen, um Ausflüge mit meiner Familie zu machen, zum Beispiel zur Erzgrube. Und ich möchte meine Eltern in Offenburg besuchen und vielleicht auch mal wieder Handball trainieren. Und ich hoffe, dass ich es mit meiner Frau ins Altensteiger Sommerkino schaffe und wir dort einen Abend zu zweit verbringen.

Zum Abschluss: Die ersten hundert Tage in drei Sätzen!

Machen wir vier Worte: Spannend, herausfordernd, aber schön.