Benjamin Luithle, Gewässerwart der Anglergesellschaft Villingen, steht nicht ohne Grund am Krebsgraben in Villingen.
Viel zu oft schimmert die Wasseroberfläche in Regenbogenfarben, weil Öl oder andere Schadstoffe in der Brigach und ihren Zuflüssen landen.
Benjamin Luithle trifft sich an einem Spätsommernachmittag mit unserer Redaktion am Krebsgraben, er hätte sich auch an der Brigach oder am Ziegelbach verabreden können. Doch der letzte Schadstoffeintrag, berichtet er, sei erst Mitte August gewesen.
Schmieröl oder Ähnliches müsse wohl in den Brigachzufluss hineingebracht worden sein, der Verursacher sei nicht ermittelt worden. Ein Passant habe die Regenbogenfarben auf der Wasseroberfläche entdeckt und sofort die Feuerwehr benachrichtigt, die eine Ölsperre eingerichtet habe.
Mehr Schadstoffe
„Die Schadstoffeintragungen haben deutlich zugenommen.“ Anzeigen, so hieß es aus der Pressestelle im Polizeipräsidium Konstanz, habe es dieses Jahr noch keine gegeben. Also nachfragen bei der Behörde, die für die Sauberkeit der Gewässer zuständig ist. Was sagt das Landratsamt zu den Beobachtungen von Gewässerwart Luithle?
„Zum Thema Schadstoffe in der Brigach in Villingen und ihren Zuflüssen können wir feststellen, dass das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz, im Jahr 2025 mehr Umweltalarme verzeichnen konnte als in den Jahren zuvor.“
Sie seien zuletzt im Jahr 2017 ähnlich hoch gewesen. Da sich die Zahlen jedoch seit 2016 im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich bewegen, lasse sich hieraus kein Trend ablesen.
Bundesweit sei aber ein Rückgang der Anzahl an Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen zu beobachten. Auch in Baden-Württemberg sei die Tendenz rückläufig, wobei sowohl bei der Anzahl der Unfälle als auch bei der freigesetzten Stoffmenge von Jahr zu Jahr größere Schwankungen zu beobachten seien.
Und der Fischbestand?
Welche Auswirkungen haben die wassergefährdenden Stoffe auf den Fischbestand? Die Anzahl der Schadensfälle lasse keine Rückschlüsse auf deren Schadwirkung zu. So habe der einzige Vorfall im Jahr 2016 zu einem großen Fischsterben geführt, während die häufigeren Schadensfälle in diesem Jahr keine so großen Auswirkungen erkennen ließen, heißt es aus der Behörde. Die mit Abstand am häufigsten beobachtete Ursache für Gewässerverunreinigungen im Schwarzwald-Baar-Kreis sei Öl (Heizöl, Diesel, Motoröl).
Dabei sei zu berücksichtigen, dass ein Ölfilm auf der Wasseroberfläche schon bei geringen Öl-Mengen durch seine schillernden Farben sehr gut erkennbar sei.
Meist erkennbar
Auch die sonst gemeldeten Gewässerverunreinigungen seien in der Regel aufgrund einer auffälligen Färbung oder Trübung des Gewässers mit bloßem Auge erkennbar. Daher könne davon ausgegangen werden, dass andere Gewässerverunreinigungen, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind und auch geruchlich nicht auffallen, gar nicht oder nur aufgrund offensichtlicher Schädigungen (Fischsterben) bemerkt werden.
Durch Schadstoffeinträge in die Gewässer könne es je nach Menge und Art des wassergefährdenden Stoffs zu einem direkten Fischsterben kommen. Gleichzeitig könne die Fischnahrung (Kleinlebewesen, Pflanzen) geschädigt werden. Die Auswirkungen hängen auch von den Abflussverhältnissen ab. „Bei viel Wasser im Gewässer ist auch die Verdünnung größer, so dass geringere Schäden drohen.“
Heiße Phase
Meine Worte, kommentiert Benjamin Luithle diese Aussage. Der knapp 40-jährige Gewässerwart der Anglergesellschaft Villingen hat noch gut die heiße Phase in Erinnerung, als das Landratsamt unter anderem die Wasserentnahme aus Quellen wie der Romäusquelle verbot und auch die Brigach Niedrigwasser führte, sich Kälte liebende Fischarten wie die Forelle in kühle Rinnen verzogen: Wenn Schadstoffe in einer solchen heißen und trockenen Phase ins Wasser gelangen, dann ist das Risiko hoch, dass einige Fischarten mit dem Bauch nach oben schwimmen.
Die Verunreinigungen
Was führt noch nach Luithles Erfahrungen zu den problematischen Verunreinigungen der Gewässer? Am Warenbach sei es Bohrschlamm gewesen, am Ziegelbach Farbverdünner. Im Ein-Zwei-Wochen-Rhythmus ließen sich solche Vorfälle beobachten. „Wohl meistens aus Unachtsamkeit.“
In Anzeigen schlägt sich dieses erhöhte Schadstoff Aufkommen nicht nieder. Denn mehr als eine „Anzeige gegen unbekannt“, erläutert Luithle, käme dabei nicht heraus. Die Verursacher zu ermitteln, sei äußerst schwierig, ergänzt er. Es sei denn, man habe eine konkrete Spur.
Die Anglergesellschaft wählt diesen Weg nur noch dann, wenn der „Schadstoffeintrag zu einem größeren Fischsterben führt“.
Gewässer werden besser
Wie schätzt die Behörde die Entwicklung in und auf den Gewässern ein? Trotz der immer wieder auftretenden Gewässerverunreinigungen durch einzelne Ereignisse und der damit verbundenen Gewässerschädigungen sei zu beobachten, dass die Gewässergüte in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt deutlich besser geworden sei.
Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass die Abwasserreinigung große Fortschritte gemacht habe und die oberirdischen Gewässer durch Renaturierungsmaßnahmen ein größeres Selbstreinigungsvermögen erhalten. Ganz allgemein sei aufgrund steigender Temperaturen damit zu rechnen, dass sich die Höhenlagen der einzelnen Fischregionen nach oben verschieben und beispielsweise Forellen zukünftig nur noch in höher gelegenen Gewässern vorkommen als heute. Die Arbeit des Landratsamts, Amt für Umwelt-, Wasser- und Bodenschutz, hat zum Ziel, die Gewässer des Landkreises in einen guten ökologischen und guten chemischen Zustand zu bringen. Erhebungen zum Fischbestand in den Gewässern führt die Behörde nicht.