Beim BLHV-Treffen wird der Frust deutlich: EU-Vorgaben, Kontrollen und Papierflut belasten Landwirte auch im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Viel über Entbürokratisierung wurde bei der Kreisverbandsversammlung des BLHV Villingen im Gasthaus „De’ Engel“ in St. Georgen-Brigach gesprochen.
Die drei Vorsitzenden Clemens Hug, Jochen Hauser und Felix Wentz berichteten über die Verbandsarbeit. Ein toller Erfolg sei ein Innovationstreffen mit dem Kinzigtal, bei dem es um Aktionen in Kooperation mit Landfrauen ging, so Hug.
Hauser sah Landwirte ob des drohenden Flächenverlusts beim Lückenschluss B523 als Verlierer.
Vorgaben der EU seien umzusetzen
Er versuche seit Beginn seiner Amtszeit, der Landwirtschaft zu helfen, so Bürgermeister Michael Rieger. Man achte auf sparsamen Flächenverbrauch, er sei aber für den Lückenschluss. Die Zusammenarbeit mit Landwirten funktioniere sehr gut.
Landrat Sven Hinterseh betonte, der Landkreis sei sehr stark von Landwirtschaft geprägt. Er sei daher dankbar über einen Berufsstand, der sich organisiere und die Stimme erhebe. Das Land sei immer bereit, ordentlich Mittel zu geben, die Landwirtschaftsschule spielen für Betriebe eine große Rolle.
Landwirte bräuchten keine guten Ratschläge
Ministerialdirektorin Isabel Kling lobte den „sehr konstruktiven Austausch“ mit dem BLHV. In der Region spreche man vor politischen Entscheidungen mit den Landwirten, leider müsse man aber Vorgaben der EU umsetzen. Von dort gebe es Zusagen zu weniger Kontrollen. Es sei höchste Zeit, Landwirten mehr zu vertrauen, denn die bräuchten keine guten Ratschläge oder tägliche Kontrollen.
Aufgabe des Ministeriums sei, die Arbeit so zu machen dass die Landwirtschaft Baden-Württembergs erhalten bleibe. Gesetzliche Rahmen böten Spielräume. Sie kritisierte, dass Prüfer persönlich an den Pranger gestellt würden, erwartete aber auch von der Gesellschaft, Dinge zu hinterfragen. Bei der Umverteilung von Geldern für die Landwirtschaft zu Sicherheit müsse man auch über Ernährung sprechen.
Angesichts diesbezüglicher Kostensteigerungen mahnte sie für die Landwirtschaft Ausnahmen beim Mindestlohn an und kritisierte den Einzelhandel für Werbung für Regionalität ohne den Sinn dahinter zu verstehen. Sie warb dafür, von Gästen neben der Kurtaxe einen Euro für die Landwirtschaft zu verlangen, die für Kulturlandschaft und ein schönes Wohnumfeld sorge.
Das sei der größte Fehler
„Den größten Fehler“ nannte Kling die Trennung von Landwirtschaft und Umweltschutz. Der sei wichtig, es gehe aber auch um Familienbetriebe und Tierschutz. Ein weiteres Problem sei Datenschutz. Kein Landwirt solle fünfmal das selbe Formular ausfüllen. Wichtig sei Beratung, und es sei keine Schande, sich zum Selbstschutz Hilfe zu holen. Zuletzt warb Kling dafür, sich trotz Protesten in der Wahlkabine der Verantwortung für das Land und die Demokratie bewusst zu sein.
Konrad Rühl, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, sprach über die Komplexität der Anträge für vielfältige Förderangebote, den Anstieg von Nebenerwerbslandwirten oder dass Direktzahlungen auf gutem Niveau gehalten werden konnten.
Das sagt der neue Amtsleiter
Positiv sei, so der Tenor bei den örtlichen Vertretern, dass Belange der Landwirte in der Bevölkerung immer mehr wahrgenommen würden. Wentz berichtete über die Fachschulkonzeption mit drei neuen Standorten und die Fortführung von Vorträgen zum Thema „Mentale Gesundheit“.
Markus Porm, neuer Leiter des Landwirtschaftsamts, sah als Schwerpunkte seiner Arbeit die Unterstützung der Landwirte bei Bürokratie, Fachschulen und Beratung. In Sachen Selbsthilfe gebe es eine Ansprechstelle, an die man sich anonym wenden könnten.