Auf dem Steinfirst, hoch oben im Friesenheimer Wald, sollen vier Windräder gebaut werden. Foto: Bohnert-Seidel

Die Gemeinde und das E-Werk Mittelbaden haben einen Vertrag für ein Windkraftprojekt unterzeichnet. Auf dem Gewann Steinfirst sollen sich in drei bis vier Jahren vier Windräder drehen.

Die Gemeinde Friesenheim und das E-Werk Mittelbaden sind sich einig: Auf dem Gewann Steinfirst in gut 600 Metern Höhe im Friesenheimer Wald sollen sich in drei bis vier Jahren vier Windräder drehen.

 

Windräder mit einer Nabenhöhe von 160 Metern und einer Endhöhe von knapp 240 sind in Planung. Bürgermeister Erik Weide betonte: „Der Vertrag regelt die langfristige Nutzung gemeindeeigener Waldflächen für die klimafreundliche Stromerzeugung.“ Politisch stehe der Gemeinderat mit großer Mehrheit hinter dem Projekt.

Mit dem E-Werk habe die Gemeinde einen lokalen Partner mit kurzem Dienstweg an der Seite.

Bürgerbeteiligung in Aussicht

In Aussicht gestellt wird auch eine Bürgerbeteiligung an den Windrädern über die bereits bestehende Bürger-Energie-Genossenschaft des E-Werks, die aktuell noch für Neuzugänge geschlossen sei. „Aber warum nicht auf ein bereits bestehendes gut funktionierendes System zurückgreifen“, betonten Weide und Martin Wenz, Prokurist im E-Werk Mittelbaden. Wenz erklärte: „Mit der Vertragsunterzeichnung ist ein weiterer Baustein für nachhaltige und regionale Energieversorgung gesetzt.“

Jährlich soll es 15 Millionen Kilowatt Strom geben

Über ein direktes Übertragungsnetz aus dem Wald dürfe sich auch die starke hiesige Wirtschaft freuen. Joachim Wagner, Rechnungsamtsleiter der Gemeinde Friesenheim, der gemeinsam mit Martin Wenz den Vertrag ausgearbeitet hat, betonte die für Friesenheim unverzichtbaren und wichtigen Pachteinnahmen und die zusätzlich fließende Gewerbesteuer. Bisher gelte es bei vier bereits vorhandenen Anlagen, die Einnahmen mit anderen Gemeinden als Grundstückseigentümer zu teilen. Dennoch kalkuliere die Gemeinde jährlich mit einer sechsstelligen Summe.

Mit der Vertragsunterzeichnung beginne das Genehmigungsverfahren mit ökologischer Begleitung, was etwa eineinhalb Jahre dauern wird. „Wenn es gut läuft, werden sich in drei bis vier Jahren die Windräder drehen“, stellt Wenz in Aussicht. Vier Windkraftanlagen inklusive dem Bau der nötigen Zuwegung und Netzstraßen werden in der Summe 40 Millionen Euro kosten. Auf dem Steinfirst wird von einer guten Windhöffigkeit ausgegangen. Maximal werden die Anlagen eine Fläche von knapp einem Dreiviertel Hektar in Anspruch nehmen. Sicher müsse am Anfang mehr Wald für die Zuwegung sowie für den Bau weichen, aber an die Errichtung der Windkraftanlagen sei auch eine umfangreiche Renaturierung geknüpft.

Eine Windkraftanlage der geplanten Größe wird jährlich 15 Millionen Kilowatt Strom erzeugen. Zum Vergleich: Eine Photovoltaikanlage auf einem Hektar Fläche erzeugt im Jahr eine Million Kilowatt. Man müsse damit rechnen, dass die Anlage nicht überall befürwortet werde, warf der Bürgermeister ein. Er schätzt einen möglichen Widerstand eher überregional ein. „Es hat schon ein Umdenken stattgefunden“, erklärte Wagner. Dass sich die gesamte Waldfläche in Gemeindeeigentum befindet, sei ein riesengroßer Vorteil.

Historie

2013 hatte der Gemeinderat die Aufstellung des Teilflächennutzungsplan für Windkraftanlagen beschlossen. Festgestellt wurde, dass es auf den Höhen des Friesenheimer Walds die notwendige Windhöffigkeit gibt. 2015 hatte sich der Rat dann einstimmig für Windkraftanlagen im Gemeindewald ausgesprochen. Geeignet sind dort die Flächen auf dem Rauhkasten/Steinfirst, Schnaigbühl, Ganshart/Geigenköpfle, Scheibenberg und Schutz. 2017 ruderte der Gemeinderat von dem Beschluss zurück und sprach sich mehrheitlich gegen neue Ausweisungen von Gebieten im Friesenheimer Wald aus. Im selben Jahr wurden vier Windräder auf dem Rauhkasten in Betrieb genommen. 2019 stimmte der Gemeinderat dann mehrheitlich für Windenergie auf ausgewiesenen Flächen. 2024 hieß es im Gemeinderat dann: Windkraft ja, aber nur im Wald und nicht in den Reben. Der Rat stimmte der Teilfortschreibung von Windkraft und Solarenergie zu.