Manuel Singler leitet mit 31 Jahren eine Kanzlei in Lahr – und hat große Ziele. Foto: Köhler

Manuel Singler hat den Anspruch, einer der besten Strafanwälte in der Region zu sein. Einige spannende Fälle hat er bereits erlebt. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt der 31-Jährige, was seinen Job ausmacht und zieht Parallelen zum Fußball.

Ein 79-jähriger Rentner streitet sich mit seiner Frau. Es kommt zum Kampf. Der Mann packt seine Frau am Hals und würgt sie. Kurze Zeit später ist sie tot – der Mann wird wegen Totschlags angeklagt.

 

Der „Würger-Prozess“ vor dem Offenburger Landgericht hat dieses Jahr viel Aufmerksamkeit erregt. Mit dabei: Manuel Singler – als Verteidiger des Angeklagten. „Das gehört definitiv zu meinen größten Fällen“, sagt der 31-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Prozesse wie dieser seien nicht einfach, doch Singler hat es sich bewusst so ausgesucht. Das Strafrecht fasziniert ihn.

Polizei und Berichte über Kriminalität – das fand Singler schon als Kind spannend, wie er erzählt. „Ich war auch ein ,Gerechtigkeitsfanatiker’. Wenn ich mich als Kind ungerecht gehandelt gefühlt habe, hat mich das beschäftigt und ich habe immer gekämpft“, erinnert er sich. Für seine Karriere sah er vor allem zwei Optionen: in die Fußstapfen seiner Eltern treten, die das Kippenheimer Bauunternehmen Singler führen, oder in die seines Großvaters, seinerzeit Inhaber einer Kanzlei. „Für das Handwerkliche war ich nicht so gemacht“, erzählt Singler lachend. Also orientierte er sich Richtung Jura. Schon mit 16 Jahren half er in der Kanzlei seines Großvaters Gerold Knobl aus, nach dem Abi folgte das Studium in Freiburg.

Im Referendariat hat er alle Seiten kennengelernt

Das Referendariat nach dem Examen war für Manuel Singler eine besonders lehrreiche Zeit. „Das ist sozusagen der Praxisteil der Ausbildung. Man durchläuft alle Stationen“, erklärt er. So habe er auch die Seite der Staatsanwaltschaft und die der Richter kennengelernt – Erfahrungen, von denen er regelmäßig profitiert. Denn er weiß, wie seine Verhandlungspartner argumentieren. Heute leitet Singler jene Kanzlei am Lahrer Schlossplatz, in der er als Jugendlicher ausgeholfen hat. Anfang des Jahres hat er sie mit Tatendrang übernommen.

„Ich wurde hier richtig gut aufgenommen. Ich kenne alle Mitarbeiter ja auch schon lange“, sagt er unserer Redaktion.. Mit der Übernahme habe er begonnen, die Kanzlei zu renovieren und die Digitalisierung voranzutreiben. „Mein Arbeitstag hatte dann schon einmal zwölf Stunden.“

Nun will sich der 31-Jährige, der leidenschaftlich Fußball spielt, als Anwalt für Strafrecht einen Namen machen. Auch wenn er schon in einigen prominenten Prozessen dabei war, sieht er sich noch am Anfang: „Ich habe den Anspruch, regional einer der besten Strafverteidiger sein. Die Leute sollen meinen Namen im Kopf haben, wenn es um Strafrecht geht“. Solche Ziele, solch ein Ehrgeiz seien als Anwalt wichtig.

„Mich interessiert: Warum begehen die Leute Straftaten?“, schildert der Kippenheimer seine Motivation. „Man findet sich in die Geschichte der Person ein. Und dann kommen spannende Sachen.“ Nur wenn er alle Umstände kennt, könne er sie auch dem Gericht darlegen und für eine im Verhältnis zur Tat möglichst milde Strafe argumentieren. „Manche Mandanten haben Rededrang“, berichtet der Anwalt. Bei anderen sei es schwieriger, Informationen zu entlocken, wiederum andere würden ihn glatt anlügen. Das erkenne er jedoch gut.

In seinem Beruf sieht der 31-Jährige auch eine therapeutische Aufgabe. Hauptziel des Strafrechts seien zwar eine gewisse Wiederherstellung des Unrechts und der Abschreckungsgedanke für andere. Doch es gehe auch darum, die Straftäter wieder in die Spur zu holen, sagt der Anwalt. Ist eine Strafe unausweichlich, bereitet Singler seine Mandanten darauf vor – und erklärt ihnen, wie es weitergehen kann.

Gewinnen heißt nicht nur Freispruch

Vor Gericht dann will der Kippenheimer – wie auf dem Fußballplatz – „immer gewinnen“. Das bedeute jedoch nicht immer, einen Freispruch zu erzielen. Vielmehr soll sein Mandant am Ende der Verhandlung sagen: „Ich bin erleichtert“. Das sei auch der Fall, wenn Singler eine Bewährungsstrafe herausholt oder die Geld- oder Freiheitsstrafe reduziert.

So betrachtet er auch den Ausgang des „Würger-Prozesses“ als Erfolg. Der Angeklagte wurde in eine psychiatrische Anstalt gebracht und macht dort laut Singler „Riesenfortschritte“. Sobald er nicht mehr als „gefährlich“ erachtet wird, könne er dort entlassen werden und beispielsweise in einem normalen Pflegeheim unterkommen. „Die Prognose ist sehr gut“, meint Singler.

Der 31-Jährige weiß bei all seinen Fällen ein Team aus erfahrenen und jungen Anwälten hinter sich. „Es ist eine familiäre Kanzlei. Jung profitiert von Alt und andersherum“, sagt er. Sein nächster großer Prozess wird ein Tötungsdelikt in Waldshut sein. Manuel Singler sieht sich auf gutem Weg, nicht nur Fußstapfen auszufüllen, sondern auch eigene zu hinterlassen.

Fachanwalt ist das Ziel

Manuel Singler hat in seiner Kanzlei zehn Mitarbeiter und ehrgeizige Ziele – nämlich die Zahl der Mandate sukzessive zu erhöhen. „Da sind wir in diesem Jahr schon auf gutem Weg“. erklärt er. Persönlich wird er nun in Angriff nehmen, den Titel des Fachanwalts für Strafrecht zu erhalten. Die nötige Praxiserfahrung hat er dafür schon.