Der VfB will seinen Verteidiger langfristig binden und zeitnah über eine Verlängerung sprechen. Dabei wird es auch ums Thema Geld gehen. Ein Blick auf die Zahlen und den Zeitplan.
Bis zuletzt hatte Ramon Hendriks hoffen dürfen, die persönliche Krönung der Saison blieb dann aber doch aus: Die Weltmeisterschaft findet ohne den Niederländer in Diensten des VfB Stuttgart statt, der insgesamt 32 U-Länderspiele in seiner Vita stehen hat und nun den Sprung ins A-Nationalteam anvisiert. Dass sein Name zuletzt immer wieder rund um die stark besetzte Elftal fiel, sagt aber schon einiges über die Entwicklung der vergangenen Monate. In denen ging es für Hendriks steil nach oben.
Der Vertrag von Ramon Hendriks läuft noch bis 2028
In der zurückliegenden Saison avancierte der Verteidiger beim VfB zur festen Größe und absolvierte in Summe 50 Pflichtspiele – lediglich Angelo Stiller und Chris Führich setzte Trainer Sebastian Hoeneß zweimal häufiger ein. Das überrascht nicht wirklich beim Blick auf Hendriks’ Werte: Mit 67,7 Prozent gewonnenen direkten Duellen hatte er gemeinsam mit Luka Vuskovic vom Hamburger SV die beste Zweikampf-Quote aller Bundesliga-Profis, zur Kompromisslosigkeit kommt aber auch Tempo: Hendriks läuft so schnell kein Stürmer davon, 35,07 km/h Maximalgeschwindigkeit bedeuten den Spitzenwert unter allen Stuttgarter Innenverteidigern – eine wichtige Qualität für das von Hoeneß bevorzugte hohe Pressing, um nach eventuellen Ballverlusten Konter zu unterbinden.
Hinzu kommt: Hendriks kann auch als Außenverteidiger auflaufen, hat als Linksfuß ein gefragtes Profil für die Spieleröffnung, ist nicht verletzungsanfällig und mit 24 Jahren noch nicht am Ende seine Entwicklung. Zwar sind auch immer mal wieder Patzer und Ballverluste dabei, die wie am zweitletzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen (3:1) auch zu Gegentoren führen. In Summe aber ist das Gesamtpaket des Niederländers ein attraktives, weshalb er auch das Interesse anderer Vereine auf sich zog.
Der englische Erstligist Nottingham Forest blitzte im Winter mit einer mündlichen 15-Millionen-Offerte beim VfB ab, wenige Tage später betonte Hoeneß: „Wir haben große Pläne mit Ramon. Er hat die Entwicklung genommen, die wir uns vor anderthalb Jahren erhofft hatten.“ Seinerzeit war er im Sommer 2024 als unbeschriebenes Blatt für 750.000 Euro von Feyenoord Rotterdam gekommen, inzwischen beträgt sein Marktwert dem Portal transfermarkt.de zufolge 25 Millionen Euro. Tendenz steigend. „Er hat ein neues Level erreicht und kann auch noch weiter wachsen“, so Hoeneß, „auch seine Persönlichkeit ist top.“
Dass der VfB Hendriks langfristig binden möchte, liegt auf der Hand. Der große Zeitdruck besteht auf den ersten Blick nicht, da das Arbeitspapier des Niederländers noch bis Sommer 2028 läuft und keine Ausstiegsklausel enthält. Zugleich aber geht es ja bei Stammkräften im vorletzten Vertragsjahr immer auch um eine mögliche vorzeitige Verlängerung, um einen ablösefreien Abgang zu vermeiden. Oft werden diese Gespräche im Winter eineinhalb Jahre vor Vertragsende forciert, so lange will man aber beim VfB nicht warten.
Nach Informationen unserer Redaktion sind für diesen Sommer konkrete Verhandlungen über eine Ausdehnung des Vertrags geplant. Momentan pausiert der Trainingsbetrieb in Bad Cannstatt, weshalb auch in den kommenden Wochen Ruhe herrschen wird. Spätestens ab Juli dürften die Gespräche aber Fahrt aufnehmen, in denen dann auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielen.
Derzeit besitzt Hendriks unverändert sein Arbeitspapier aus dem Jahr 2024, das den jüngsten Leistungssprung noch nicht abbildet. Mit einem Grundgehalt von rund einer Million Euro befindet er sich im hinteren Drittel des teaminternen Rankings – und auch wenn der Innenverteidiger in seiner zweiten Saison beim VfB zuletzt durch Einsatzprämien mehr verdiente als in der ersten, besteht zweifelsohne noch Spielraum nach oben.
Zwar muss man beim VfB die Gehaltskosten im Blick behalten. Aber: Hendriks Leistungen und das internationale Interesse sprechen für sich, durch den Einzug in die Champions League sind neue Mittel vorhanden, außerdem fallen ja auch zwei Topverdiener von der Gehaltsliste: An Torwart Alexander Nübel und Verteidiger Dan-Axel Zagadou zahlte der VfB in den vergangenen Jahren jeweils mehr als drei Millionen Euro pro Saison, was sich nun ändert. Nübel wird den Club nach seiner auslaufenden Leihe verlassen, Zagadou höchstens zu deutlich reduzierten und leistungsbezogenen Bezügen verlängern. Bei Ramon Hendriks dürfte es dagegen finanziell in die andere Richtung gehen: nach oben – wie zuletzt sportlich auch.