Nach dem Angriff auf zwei Frauen am Montag beim Unteren Markt: Ein Kripo-Beamter (rechts) befragt Zeugen zu der Tat. Foto: Jürgen Lück

Drei Frauen wurden laut Polizei von einem Eritreer mit einem Metall-Poller angegriffen. Eine Frau (41) schwebt immer noch in Lebensgefahr. Das erzählt eine Angegriffene.

In der Gastronomie, vor deren Tür die nächtliche Poller-Attacke in der Bildechinger Steige passiert ist, herrscht gedrückte Stimmung. Das Bangen um die 41-Jährige, die immer noch in Lebensgefahr schwebt, und das schreckliche Geschehen steckt allen noch in den Knochen.

 

Auf einem Stuhl sitzt eine Frau. Sie sagt: „Ich bin das dritte Opfer der Poller-Attacke.“ Die Polizei hatte unserer Redaktion bestätigt, dass es neben den beiden Frauen (41,31) noch ein drittes Opfer gab: „Diesbezüglich wird auch eine Anzeige wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung mit vorgelegt. Was eine möglich Bedrohung angeht, so muss diese noch verifiziert werden.“

Das dritte Opfer der Poller-Attacke wirkt traumatisiert

Die Frau wirkt ernst. Traumatisiert. Immer wieder schaut sie auf ihr Handy. Sie ist in Kontakt mit dem Lebensgefährten der 41-Jährigen, die in Lebensgefahr schwebt. Sie sagt: „Bisher ist der Status unverändert.“ Alle, die von der Attacke betroffen sind, sind über die Meldungen empört, dass die 41-Jährige nicht mehr „akut in Lebensgefahr“ ist, wie Polizei und Staatsanwaltschaft verlautbart hatten. Sie sagt: „Ihr Freund sagt, dass sie weiterhin in Lebensgefahr schwebt. Sie liegt immer noch im Koma. Wir machen uns große Sorgen.“

Auf Facebook hat die Tat bei vielen Nutzern Betroffenheit ausgelöst, die sich in Nachrichten widerspiegeln. Der Partner der 41-Jährigen schrieb als Antwort an alle: „Es freut uns, dass jeder in Gedanken bei ...(Name des Opfers, Anm.d.Red.) ist und uns beistehen möchte. Sie ist immer noch im Koma.“ Jeden Tag, so berichtet der Mann, kommen neue Nachrichten, dies sei schön, aber auch belastend. „Da das Telefon nie ruhig ist, sobald sich was ändert, hört ihr von mir.“

Die einzige gute Nachricht, so die dritte Betroffene: „Die zweite Frau (31), die vom Poller getroffen wurde, ist inzwischen wieder daheim. Körperlich geht es ihr offenbar so weit gut.“

Einer der Metallpoller, die rund um den Brunnen am Unteren Markt stehen, soll die Tatwaffe gewesen sein. Foto: Jürgen Lück

Eigentlich will sie gar nicht über die Poller-Attacke reden. Sie sagt: „Ich will nicht, dass es falsch rüberkommt.“ Dann kommt es doch aus ihr heraus. Sie seien in dem Lokal gewesen, wo sich der mutmaßliche Täter und sein späteres Opfer aufhielten. Hätten gesehen, wie der 27-Jährige die 41-Jährige entdeckte. Wie er sofort aggressiv wurde wegen des Rauswurfs aus der Gastronomie, wo sie vorher als Bedienung Dienst hatte. „Ich sagte: So sind die Regeln – sie ist nur Angestellte. Er schrie mich an: Ich mach dich kaputt. Ich hatte Angst, doch die habe ich nicht gezeigt.“

Der Eritreer, der inzwischen wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft sitzt, sei dann aus dem Lokal gegangen.

Zeugin: „Er schlug auf die am Boden sitzende Frau ein“

Die Frau: „Wir sind rausgegangen. Er stand auf dem Zebrastreifen und ist sofort mit dem Eisending auf die beiden Frauen losgegangen.“ Der Tatverdächtige hatte einen der nicht befestigten Metallpoller vom Marktplatz-Brunnen aus dem Boden gerissen und war damit auf die Frauen losgegangen.

Die 41-Jährige habe geblutet, sich auf den Bürgersteig gesetzt und sich ans Haus angelehnt. „Der Mann hob das Eisending erneut. Ich sagte: Lass das, du bringst sie um. Er schlug ein zweites Mal auf die am Boden sitzende Frau ein.“ Sie erzählt, dass sie sich dann zurückzog und die Polizei rief.

Gibt es ein Video von der Poller-Attacke?

Sie sagt noch: „Ein Nachbar hat die Tat wohl von oben gesehen. Er soll gefilmt haben, die Ermittler haben das Video.“

Ein Polizeisprecher bestätigt: „Im Rahmen der Ermittlungen haben wir Beweismaterial gesichert. Weitere Informationen gibt es frühesten, wenn die Ermittlungen endgültig abgeschlossen sind.“

Am Donnerstag, 28. August, befragte ein Kripo-Beamter erneut Augenzeugen der Poller-Attacke an der Stelle, an der der Tatverdächtige auf die offenbar wehrlose, an die Hauswand gelehnte Frau erneut mit dem Metall-Poller einschlug.

Das weiß man bisher über den Tatverdächtigen

Das sagt die Polizei
 Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen von einem „Asylbewerber, der seit 2015 in Deutschland lebt und hier auch gearbeitet hat.“Er soll in der Raumschaft in einem Logistik-Unternehmen angestellt gewesen sein. Der Mann sitzt wegen des Verdachts der versuchten Tötung in Untersuchungshaft. Er wohnt in der Bildechinger Steige – nur wenige Meter vom Tatort entfernt.

In einigen Lokalen von Horb hatte er Hausverbot, so bestätigen Wirte: „Der hat immer gern an den Automaten gespielt. Wenn es nicht so lief, hat er aggressiv auf die Tasten gehauen und war laut. Dazu war er frech zu den Bedienungen. Er hatte wohl ein Frauenproblem.“ Seit ungefähr zwei Jahren habe es mit dem 27-Jährigen auch Vorfälle in Horber Gastronomien gegeben, bei denen die Polizei gerufen wurde.