Der 20-Jährige wurde im Maßregelvollzug im Zentrum für Psychiatrie Reichenau untergebracht. Von dort floh er. Foto: Patrick Pleul/dpa

Ein Mann ist aus einer Psychiatrie bei Konstanz geflohen. Es handelt sich um einen Straftäter, der in Trossingen einen versuchten Mord begangen hatte. So gelang ihm die Flucht.

Wo ist Montassar D.? Der 20-jährige Gewalttäter floh am vergangenen Samstag aus der Psychiatrie in Reichenau bei Konstanz. Die Polizei warnt vor einem möglichen psychischen Ausnahmezustand und aggressivem Auftreten des Geflohenen. Nach dem jungen Mann wird weiterhin gefahndet – derweil werden weitere Details und Spuren in der Region bekannt.

 

Denn bei D. handelt es sich um einen Täter, dem die Staatsanwaltschaft Rottweil einen versuchten Mord vorwirft. Der damals 19-Jährige hatte in einer Asylunterkunft in Trossingen einen Mitbewohner durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich verletzt.

Der Angriff auf den damals 34-Jährigen im Mai 2024 erfolgte laut Ermittlungen grundlos. In einer Gemeinschaftstoilette stach er nach Angaben der Staatsanwaltschaft so lange auf den Oberbauch des Opfers ein, bis er glaubte, ihn getötet zu haben. Nur die schnelle Alarmierung des Rettungsdienstes und eine Operation im Schwarzwald-Baar-Klinikum retteten dem 34-Jährigen damals das Leben.

Und Montassar D.? Er floh zunächst, konnte wenig später im Trossinger Stadtgebiet gefasst werden. Jenes Unrecht, das er getan hatte, erkannte er aufgrund einer psychischen Erkrankung jedoch nicht. Kurz nach dem fast tödlichen Angriff kam er in das Zentrum für Psychiatrie in Reichenau. Das Landgericht Rottweil ging von Schuldunfähigkeit aufgrund einer paranoiden Schizophrenie aus und ordnete den Maßregelvollzug in der Forensik an.

Keinerlei Hinweise auf eine bevorstehende Flucht

Und genau von dort kam es am vergangenen Wochenende zu der Flucht des 20-Jährigen. Wie konnte das passieren? Diese Frage richtet unsere Redaktion an Jan Bulla, den Ärztlichen Direktor der forensischen Psychiatrie. Dieser erklärt: „Es gab im Vorfeld keinerlei Hinweise auf die bevorstehende Flucht.“

Vielmehr habe sich der Zustand von Montassar D. „unter der Behandlung deutlich gebessert“. Die Verantwortlichen hätten deshalb bereits vor Genehmigung der ersten Lockerung keine Gefahr erneuter schwerer Übergriffe gesehen. Bulla: „Es gab vor der Entweichung keine besonderen Vorkommnisse. Auch die bewilligten Lockerungen sind bisher beanstandungsfrei verlaufen.“

Es passierte bei einem begleiteten Ausgang

Im Februar 2025 wurde der Gewalttäter aufgrund des stabilen Zustands in die gesetzlich geregelte, zweitniedrigste Lockerungsstufe eingestuft. Das bedeutet: Ihm wurden begleitete Ausgänge auf dem Klinikgelände ermöglicht. Und genau bei einem solchen Ausgang passierte es.

Insgesamt sechs Patienten nahmen daran teil, zwei Pflegefachkräfte begleiteten den Geländeausgang. „Herr D. rannte überraschend aus der Gruppe davon. Einer der beiden Pfleger versuchte ihn noch zu verfolgen, konnte ihn aber nicht mehr einholen“, so der Ärztliche Direktor. Umgehend wurde die Polizei alarmiert, die eine Fahndung einleitete – allerdings ohne Erfolg.

Den Gewalttäter keinesfalls ansprechen

Am Sonntag ging das Polizeipräsidium Konstanz schließlich an die Öffentlichkeit und veröffentlichte ein Bild sowie eine Beschreibung des flüchtigen Straftäters. Demnach ist Montassar D. 187 Zentimeter groß, hat eine schlanke Statur, einen dünnen Oberlippenbart, kurze schwarze lockige Haare und trägt keine Brille. Zum Zeitpunkt seiner Flucht trug er nach Angaben der Polizei eine schwarze Weste, eine schwarze Hose, einen grünen Pullover, blaue Schuhe und eine schwarze Mütze.

Könnte der junge Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen? „Wir gehen derzeit nicht von einer konkret vom Betroffenen ausgehenden Gefahr aus – können diese jedoch nicht ausschließen“, erklärt Bulla. Die Polizei rät in jedem Fall dazu, dem 20-Jährigen nicht zu nahe zu kommen oder ihn anzusprechen, sondern unverzüglich den Polizeinotruf 110 zu wählen.