In der Region Schopfheim kommen zu viele Einwohner auf einen Hausarzt. Dies will die Stadt zusammen mit der KVBW ändern.
Die gemeinsame Suche nach Lösungen, um dem drohenden Ärztemangel zu begegnen, stand im Zentrum des Gesprächsforums der Wirtschaftsförderung, der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) im Rathaussaal. Es gelte, attraktive Rahmenbedingungen für die bestehende Ärzteschaft zu schaffen.
Die Stadt und die KVBW wollen dazu an einem Strang ziehen, heißt es in einer Pressemitteilung der Verwaltung. Eingeladen waren zu der Veranstaltung Hausärzte aus dem „Mittelbereich Schopfheim“ mit insgesamt 17 Gemeinden sowie Bürgermeister. Um dem Rückgang der hausärztlichen Versorgung aktiv zu begegnen, habe Schopfheim zu Jahresbeginn eine eigene Förderrichtlinie zur Ansiedlung von Ärzten eingeführt.
Neben finanziellen Anreizen biete die Stadt Unterstützung bei der Praxisgründung, bei der Wohnungssuche sowie gesicherte Kita-Plätze für Ärzte, die sich in Schopfheim niederlassen möchten, heißt es weiter.
Bürgermeister Harscher betonte zudem die Bedeutung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Schopfheim für die ambulante Versorgung: „Die Sicherung und Weiterentwicklung des MVZ ist für uns ein wichtiger Baustein, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung langfristig zu gewährleisten“, wird er in der Mitteilung zitiert. Das MVZ, das unter anderem auf Orthopädie und Chirurgie spezialisiert ist, soll am Standort Schopfheim erhalten bleiben. Sollte sich das geplante MVZplus auf dem Kohlegässle-Areal räumlich nicht realisieren lassen, steht als alternative Fläche das Krankenhaus-Areal zur Verfügung.
Ungünstiges Verhältnis
Die KVBW sieht einen besonderen Handlungsbedarf. Laut ihrer Analyse weise der „Mittelbereich Schopfheim“ eines der ungünstigsten Arzt-Einwohner-Verhältnisse in Baden-Württemberg auf. Um gegenzusteuern, setzt die KVBW ihren Kommunalservice ein, der mit den kommunalen Akteuren vor Ort regionale Lösungen erarbeitet, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Der für den Regierungsbezirk Südbaden zuständige Sicherstellungskoordinator Dennis Haberland moderierte mit seiner Kollegin Nicola Sprung die Veranstaltung. Er stellte das Förderprogramm „Ziel und Zukunft“ vor, das den Mittelbereich Schopfheim umfasst, heißt es weiter.
Versorgung sichern
Das Programm beinhalte finanzielle und strukturelle Maßnahmen zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung, darunter die Unterstützung von Praxisneugründungen und ärztlichen Anstellungen. Auch die finanzielle Förderung der ärztlichen Weiterbildung mit bis zu 5800 Euro monatlich, sei aus Sicht von Haberland eine zielführende Maßnahme, um ärztlichen Nachwuchs für die Region zu gewinnen.
Stadt will gemeinsam handeln
Deutlich wurde im Verlauf der Diskussion, dass nachhaltige Lösungen nicht allein durch politische Programme entstehen, sondern dort, wo engagierte Akteure vor Ort gemeinsam handeln, teilt die Stadt mit. Dabei setze die enge Zusammenarbeit zwischen der KVBW und der Stadt Schopfheim an. Ziel sei es, praxisnahe Konzepte zu entwickeln, die sich an den spezifischen regionalen Gegebenheiten orientierten und auf die Bedürfnisse der Bürger eingingen.
Ärzteversorgung sichern
Der KVBW-Kommunalservice begleite diesen Prozess durch den Austausch mit kommunalen Entscheidungsträgern, die Analyse regionaler Versorgungsdaten und die Entwicklung von Handlungsperspektiven mit den Beteiligten vor Ort, schreibt die Stadt.
Stadt und KVBW wollen die besprochenen Maßnahmen nun gemeinsam weiterentwickeln und umsetzen, um die hausärztliche Versorgung in Schopfheim und den umliegenden Gemeinden langfristig zu sichern, heißt es.