Ärztemangel ist nicht erst seit Reinhard Warthas Tod und der Schließung der Notfallpraxis in Oberndorf ein brennendes Thema in der Neckarstadt. (Symbolfoto) Foto: Prostock-studio - stock.adobe.com

Angesichts der Unterschriftenaktion der SPD Oberndorf zur Gesundheitsversorgung zeigt sich der Bürgermeister verwundert. Denn: Eine Lösung habe man längst parat, nur eins fehle noch.

Kaum ein Thema hält den Landkreis Rottweil so im Würgegriff wie der Ärztemangel. Nachdem der Kreis nun aber vorerst von der Idee eines genossenschaftlichen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) abgerückt ist, sieht zumindest die SPD Oberndorf die Kommunen in der Pflicht und hat eine Unterschriftenaktion zur Gesundheitsversorgung gestartet. Zur Verwunderung von Bürgermeister Matthias Winter, der uns berichtet, dass für Oberndorf bereits eine Lösung erarbeitet wurde, die schon bald umgesetzt werden soll.

 

In der Neckarstadt beschäftigt das Thema Ärztemangel die Bürger besonders – nicht zuletzt seit dem Tod des Oberndorfer Kinderarztes Reinhard Wartha 2023 und der Schließung der Notfallpraxis im Juni 2025. Während der Landkreis vergangenes Jahr Bemühungen in Richtung genossenschaftliches MVZ startete, arbeitete die Stadt Oberndorf parallel an einer anderen Lösung.

Weil man ein „gewisses Versagen“ auf Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung feststelle, wohlgemerkt. Das hatte Winter bereits im November 2025 betont. Auch jetzt, vor dem Hintergrund der Formulierung der SPD Oberndorf, der Ball liege bei den Kommunen, stellt er nochmal klar: Für das Thema Ärzteversorgung sei die KV zuständig – niemand anders.

Überhaupt habe er die Mitteilung über die Unterschriftenaktion – deren Ziel ist laut Initiatoren, „dass sich die Stadt intensiv mit dem Thema Absicherung der Gesundheitsversorgung durch Hausärzte (kassenärztlich) im Raum Oberndorf befasst“ – „mit starker Verwunderung“ wahrgenommen. Denn es sei mitnichten so, dass man die Stadt zum Jagen tragen müsse, betont Winter. „Wir sind hinter den Kulissen längst an einer Lösung dran. Und es ist hinreichend bekannt, dass die Stadt etwas tut.“

Warten auf „grünes Licht“

Tatsächlich informierte Winter den Gemeinderat im November 2025 öffentlich darüber, dass es privatwirtschaftlich habhaftes Interesse gebe, sich in Oberndorf – bevorzugt im SRH Krankenhaus – anzusiedeln. Auch nicht-öffentlich habe man den Gemeinderat stetig über das Thema auf dem Laufenden gehalten, berichtet uns der Bürgermeister im Gespräch.

„Wir warten jetzt eigentlich nur noch auf grünes Licht“, meint Winter. Nur seien die Entscheidungswege auf Seiten des Krankenhauses leider länger.

Fest stehe, dass eine regionale Ärzteschaft nach Oberndorf expandieren wolle, und dass Räume im SRH Krankenhaus die ideale Lösung bieten würden. Parallel arbeite man, was die Örtlichkeit betreffe, aber auch an einem Plan B, erklärte Winter. So oder so: „Bis zum Sommer wollen wir Vollzug melden“.

Privatwirtschaftlich statt genossenschaftlich

Dann soll in Oberndorf ein privatwirtschaftlich organisiertes Medizinisches Versorgungszentrum an den Start gehen, das auch die Möglichkeit biete, lokale Ärzte einzubinden, erklärt Winter. Er sei generell ein Freund davon, wenn sich so ein Thema privatwirtschaftlich lösen lasse. Eine Genossenschaft sei aus seiner Sicht nur dann sinnvoll, wenn es gelte, „Marktwirtschaftsversagen“ auszugleichen.

Die SPD Oberndorf hatte in ihrer Mitteilung geschrieben, sie sei von einer Lösung durch private Investoren nicht überzeugt, solange bei dieser nicht auch die Versorgung von Pflichtversicherten berücksichtigt werde.

Genossenschaftliches MVZ

Der Landkreis Rottweil
wollte aufgrund der kritischen Situation bei der Ärzteversorgung ein genossenschaftliches MVZ auf den Weg bringen – auch wenn die Ärzteversorgung Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung ist. Die Firma Diomedes wurde damit beauftragt, Gespräche mit Kommunen und Ärzten zu führen, um deren Bereitschaft für ein solches zu ermitteln. Dabei ergaben sich, wie der Landkreis im März mitteilte, jedoch mehr Impulse in Richtung privatwirtschaftliche Lösungen, weswegen man das Modell nicht weiterverfolgen werde.