Die Filiale in der Schramberger Straße besteht seit Juli 2023. Die Öffnungszeiten wurden bereits reduziert. Foto: Dold

Droht nach dem Verlust des Bankautomaten schon bald der nächste Rückschlag für Lauterbach?

Derzeit gibt es einen Antrag der Deutschen Post AG, die automatisierte Poststation in der Schramberger Straße 5 (Haus des Gastes) als Ersatz für eine Universaldienstfiliale zuzulassen. Unsere Redaktion hat beim Konzern nachgefragt, was es damit auf sich hat.

 

Marc Mombauer, Pressesprecher von DHL in Stuttgart, gibt Auskünfte auf Fragen zum Thema. „Dabei geht es grundsätzlich um die Anerkennung der Poststation als Filialersatz“, sagt er. Das entscheide die Bundesnetzagentur gemäß der Vorgabe des aktuellen Postgesetzes.

Der Gesetzgeber erkenne Poststationen als vollwertige Lösung an – nach individiueller Prüfung durch die Bundesnetzagentur.

„Die Poststation erbringt die gleichen Leistungen, die standardmäßig in einer Postfiliale nachgefragt werden“, sagt Mombauer. Hierzu zählt beispielsweise der Versand und die Abholung von Paketen oder der Kauf von Briefmarken. Auch Einschreiben können gebucht werden.

Lediglich ein Videochat

Für die Deutsche Post AG/DHL wäre der Betrieb der seit 2022 existierenden Poststation sicherlich deutlich günstiger als die Weiterführung der Filiale in der Schramberger Straße. Schließlich müssen dort Personal und Miete bezahlt werden. Allerdings: Dann würde es keinen unmittelbaren menschlichen Ansprechpartner geben. Lediglich ein Videochat würde zur Verfügung stehen.

Die Menschen seien froh über die seit Juli 2023 bestehende Postfiliale und würden gerne kommen, so die Information der Mitarbeiterin vor Ort. Insbesondere vor Weihnachten sei der Andrang groß gewesen. Die Poststation funktioniere manchmal nicht und dann müssten die Leute in die Filiale kommen.

Die Filiale hat drei Mal pro Woche geöffnet. Foto: Dold

Die Postfiliale ist seit Mai montags, mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der überschaubare Zeitraum macht es aber für die Gewinnung von Personal nicht gerade einfach. Zuvor gab es noch umfangreichere Öffnungszeiten an sechs Tagen pro Woche.

Derzeit keine Aussage

DHL-Sprecher Mombauer weiter: „Aus dem Verfahren um die Anerkennung der Poststation als Filialersatz lässt sich keine Aussage über die Entwicklung unseres Service-Netzes am jeweiligen Standort ableiten. Unsere Kollegen prüfen regelmäßig Wirtschaftlichkeit und Bedarf“.

Eine Prüfung in fünf Jahren könne beispielsweise ergeben, dass die Poststation sehr stark nachgefragt werde, die Filiale aber kaum genutzt werde – oder eben umgekehrt.

Zwischen den Zeilen heißt das also: Wird die Filiale frequentiert und nachgefragt, bleibt sie erhalten. Falls nicht, dürfte es über kurz oder lang nur noch die Poststation geben. Mombauer rührt derweil die Werbetrommel für diese: „Die Poststationen werden sehr gut angenommen, da sie intuitiv bedienbar, 24/7 verfügbar sind und sich an häufig frequentierten Standorten befinden“. Die Kundenzufriedenheit damit sei sehr hoch.

Mehrere Argumente

Bürgermeister Jürgen Leichtle informierte im Gemeinderat über das laufende Verfahren durch die Bundesnetzagentur. Hierzu sei die Gemeinde angehört worden.

In der Lauterbacher Stellungnahme sei auf mehrere Punkte hingewiesen worden, so Leichtle. Aus kommunaler Sicht ersetze die Poststation eine personenbediente Filiale nicht vollständig.

„Ältere Menschen, Personen mit Unterstützungsbedarf und Bürger mit Beratungsbedarf sind auf eine personenbediente Anlaufstelle angewiesen“, argumentierte der Bürgermeister.

Lauterbach habe eine besondere Siedlungs- und Topographiestruktur, was zu deutlich längeren und schwer zugänglichen Postfilialen in Nachbargemeinden führe. Hierzu zählte Leichtle die stark gestreckte Ortslage, die Hochtallage von Sulzbach und die Wohnlagen im Bereich Fohrenbühl. Leichtles Folgerung: „Eine rein kilometerbezogene Betrachtung wird der tatsächlichen Erreichbarkeit postalischer Dienstleistungen daher nicht gerecht“. Die Gemeinde erhalte daher eine personenbezogene Anlaufstelle für wünschenswert und für die örtliche Daseinsvorsorge wichtig.

„Über den Fortgang des Verfahrens wird informiert, sobald eine Entscheidung der Bundesnetzagentur vorliegt“, sagte der Bürgermeister.