Die Hausarztpraxis von Albrecht Grun in der Marktstraße geht in andere Hände über. Federführend ist jetzt „MeinLandarzt“, was Torben Müller gegründet hat.
Die Hausarztpraxis „MeinLandarzt“, ursprünglich im Jahr 2024 in Meßstetten gegründet, hat zu Jahresbeginn die Praxis von Albrecht Grun in der Ebinger Marktstraße oberhalb der Oberen Apotheke übernommen. Grun selbst ist weiterhin in der Praxis tätig, nun aber als angestellter Arzt, wie Torben Müller, Gründer von „MeinLandarzt“, im Gespräch mit unserer Redaktion informiert.
Die Praxisräume in der Ebinger Innenstadt wurden jüngst im Rekordtempo renoviert. Unter anderem neue Böden sind bereits verlegt, dazu Zwischentüren eingebaut worden. Weitere Arbeiten werden folgen. Für den Start zeigt sich Torben Müller mit dem neuen Standort Ebingen zufrieden. „Wir glauben an die fußläufige Anlaufstation in der Marktstraße und wollen einen Teil dazu beitragen, die Innenstadt wiederzubeleben.“ Denn klar sei auch: Hätte die Praxis von Grun geschlossen, hätte darunter auch die Obere Apotheke gelitten – und ein weiterer Leerstand gedroht.
Die Patienten müssen sich, kündigt Müller an, an das Konzept von „MeinLandarzt“ gewöhnen. Wert gelegt wird auf eine digitale Terminvergabe. Wer einen Termin buchen möchte, schreibt eine E-Mail oder ruft einen KI-Assistenten an. „Dadurch klingelt bei uns in der Praxis nie das Telefon“, erläutert Müller die Vorteile. Zurückgerufen werden die Patienten von einer Medizinischen Fachangestellten, die sich ausschließlich um die Terminvergabe kümmert. Sie beantwortet auch E-Mails. Terminanfragen würden in der Regel tagesaktuell beantwortet.
Termine für Akutpatienten
Für Akuttermine habe „MeinLandarzt“ eine separate Terminkategorie eingeführt. Bedeutet: Wer dringend einen Arzt sprechen möchte, bekommt auch kurzfristig einen Termin. Noch beschäftigt „MeinLandarzt“ mit Grun und Müller zwei Ärzte, das Team wird durch neun Medizinische Fachangestellte mit entsprechenden Zusatzqualifikationen ergänzt. Verstärkt wird das Team ab 1. Juni mit einer Assistenzärztin. Neben der Allgemeinmedizin setzt „MeinLandarzt“ den Fokus auf die Präventivmedizin. „Wir sind eine Adipositas-Schwerpunkt-Praxis“, erläutert Torben Müller. Großen Erfolg habe man beispielsweise mit der „Abnehmspritze“ in Kombination mit Ernährungsberatung und einer Modifikation des Lebensstils hin zu gesünderer Ernährung und mehr Bewegung. Verkehrsmedizinische Untersuchungen oder die psychosomatische Grundversorgung gehören ebenfalls zum Portfolio der Hausarztpraxis.
Torben Müllers Ziel war es schon lange, selbstständig zu werden. Studiert in Heidelberg, hat er die Facharzt-Weiterbildung an der Uni Basel absolviert. Erfahrungen als Oberarzt sammelte er bei verschiedenen Stationen in der Schweiz und in Lichtenstein. Als Chefarzt war er auch in Deutschland bereits tätig. Nach einiger Zeit in der Intensivmedizin, unter anderem auf Corona-Stationen, hat sich Müller entschlossen, in die Präventivmedizin zu wechseln.
Mit der Übernahme der Praxis von Grun durch „MeinLandarzt“ ist auch ein Arztstandort im Ebinger Zentrum vorerst gesichert. Unterstützt wurde die Übernahme auch durch das Förderprogramm Landärzte vom Land sowie der Stadtverwaltung.
Ärztemangel in Albstadt
Denn: Dass der Ärztemangel den ländlichen Raum im Zollernalbkreis mit voller Wucht treffen wird, scheint nur eine Frage der Zeit. Wie eine Auswertung aus dem Vorjahr zeigt, haben von 109 Hausärzten im Kreis bereits 38 ihren 65. Geburtstag gefeiert (Stichtag: 30. Juni). Das sind etwa 35 Prozent. 15 Hausärzte im Zollernalbkreis befanden sich zudem in der Altersspanne zwischen 60 und 64 Jahren. Nur 30 Ärzte waren jünger als 50 Jahre.
Auch Müller betont: „Der Ärztemangel wird uns alle treffen.“ Um die Patienten auch in Zukunft zu versorgen, müsse seiner Ansicht nach verstärkt auf digitale Unterstützung zurückgegriffen werden. Dies in den Bereichen Dokumentation und Abrechnung. Dazu prognostiziert er, dass dem nicht-ärztlichen Personal mehr Aufgaben übertragen werden. Etwa bei Bagatellerkrankungen, zum Beispiel eine Erkältung.