Die Bürgerinitiative in Oberweier hat sich erfolgreich gegen die PFC-Deponie gewehrt. Ihre Arbeit ist aber nicht zu Ende. Foto: /Bürgerinitiative

Zwölf Prozent des bisher untersuchten Ackerlands in Mittelbaden sind verunreinigt. Die vorgesehene PFC-Deponie in Oberweier kommt nun aber nach einem neuen Gutachten nicht mehr in Frage.

Rastatt/Baden-Baden - Und es werden immer mehr: Vor wenigen Tagen hat das Landratsamt Rastatt mitgeteilt, dass weitere 30 Hektar an Ackerland rund um Rastatt und Baden-Baden mit PFC verunreinigt sind. Damit ist man bei 1188 Hektar angelangt – das entspricht zwölf Prozent der bisher untersuchten Fläche. Aber 70 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurden noch gar nicht geprüft.

 

Das PFC, das als öl- und wasserabweisender Stoff in vielen Produkten enthalten ist, gilt als krebserregend. In Mittelbaden und auch rund um Mannheim sind die Probleme seit der Entdeckung im Jahr 2013 riesig. Vor allem die Stadtwerke Rastatt mussten Millionen von Euro investieren, um das Trinkwasser sauber zu halten. Als wahrscheinlichste Ursache für den Eintrag gilt, dass ein Kompostunternehmer den Bauern kostenlosen Dünger angeboten hat, der mit PFC-haltigen Schlämmen aus der Papierindustrie vermischt war. Der Firmenchef bestreitet die Vorwürfe.

Bisher wird das Material in andere Bundesländer gebracht

Ein großes Problem ist auch die Entsorgung des belasteten Materials, wenn ein Haus gebaut oder ein Radweg angelegt wird. Derzeit kann das für einen Häuslesbauer sehr teuer werden: Das Material werde nach Nordrhein-Westfalen oder Sachsen-Anhalt gebracht, ist zu hören, weil es in ganz Baden-Württemberg keine PFC-Deponie gibt. Bei angeblich 100 Euro pro Tonne könnten für ein Einfamilienhaus leicht 50 000 Euro als zusätzliche Kosten zusammenkommen. Im Landkreis selbst sei die Deponierung für nicht einmal die Hälfte möglich, sagen Gutachter.

Der Landkreis wollte zunächst das Material in die bestehende Deponie in Oberweier (ein Teilort von Gaggenau) bringen lassen; eine Machbarkeitsstudie war zum Schluss gekommen, dass dort neben normalem Bauschutt auch PFC-Material gelagert werden könnte. Eine Bürgerinitiative wehrt sich seither dagegen.

Mit Erfolg. Nun ist nämlich das gleiche Ingenieurbüro in einem erweiterten Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass zwei andere Deponien im Landkreis – Stollhofen (bei Rheinmünster) und Bühl – besser geeignet wären. Der zuständige Ausschuss des Kreistages hat deshalb nun entschieden, Oberweier als Standort einer PFC-Deponie nicht weiter zu verfolgen. Nun soll in einem nächsten Schritt der Auftrag für eine vertiefte Untersuchung neu vergeben werden; dabei können die Bürgerinitiative und die Öffentlichkeit mitsprechen. Denn das bisherige Verfahren war von Missverständnissen überschattet. Dietrich Knoerzer, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, sah darin sogar eine Nacht-und-Nebel-Aktion, in der Oberweier der Schwarze Peter zugeschoben werden sollte.

Die Deponie in Oberweier ist aus dem Spiel – aber nur beim PFC

Das Problem der Deponierung bleibt damit aber vorerst ungelöst. Mittlerweile hat das Thema eine landesweite Dimension. Das Umweltministerium hat im Frühjahr 2019 festgelegt, unter welchen Bedingungen PFC-Erdaushub obertägig überhaupt gelagert werden darf; keine Deponie im Südwesten erfüllt aber bisher diese Voraussetzungen. Pläne für eine zentrale PFC-Deponie gebe es dennoch nicht, betont Ralf Heineken, Sprecher des Umweltministeriums, denn die Abfallwirtschaft sei Sache der Kreise. Im Übrigen sei mit einer zentralen Deponie auch nichts gewonnen: „ Die Vor-Ort-Bedenken räumen Sie damit ja nicht aus, Sie verlagern nur die Zuständigkeit“, so Heineken.

Im Untergrund schlummert eine womöglich gefährliche Fracht

Für die Bürgerinitiative in Oberweier ist die Arbeit aber trotz des Teilerfolges nicht vorbei. Denn erstens sollen weiter große Mengen herkömmlichen Bauschutts nach Oberweier kommen und zwar auf eine bereits bestehende Deponie, in der auch unklare Stoffe, die womöglich dioxin- und ölhaltig sind, aus den 1970er Jahren lagern. Dietrich Knoerzer sieht die große Gefahr, dass die etwa 1000 bekannten Fässer unbekannten Inhalts unter dem Druck platzen könnten.

Das Gelände werde selbstverständlich genau untersucht, kontert Michael Janke, der Sprecher des Landratsamtes Rastatt. Nur wenn nach menschlichem Ermessen keine Gefahr von der Alt-Deponie ausgehe, könne darüber neuer Bauaushub gelagert werden.

Bürgerinitiative ohne Sankt-Florians-Prinzip

Zum zweiten will die Bürgerinitiative Oberweier nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip agieren. Sie ist derzeit dabei, ein bundesweit einmaliges Forschungsvorhaben an einer Universität anzustoßen, um einen „befriedeten Prozess“, so Knoerzer, für die Standortauswahl zu entwickeln. Dieser Prozess müsse neutral, transparent und sachorientiert ablaufen. Knoerzer geht sogar so weit zu sagen: „Wenn sich am Ende herausstellen würde, dass Oberweier der geeignetste Standort wäre, dann würden wir die Last akzeptieren.“