Fehlalarm in der Seniorenresidenz – die Feuerwehr rückt trotzdem an. Foto: Ralf Klormann

Nicht immer brennt es, wenn es in Calw einen Feueralarm gibt. Demente Patienten in einer Seniorenresidenz etwa drücken grundlos auf den Auslöseknopf. Dennoch kommt es in diesen Fällen zum Feuerwehreinsatz. Muss das Heim die Kosten dafür tragen?

Wenn in Calw die Feuerwehrsirenen heulen, erfüllt das so manchen Bürger mit Sorge. Sie fragen sich etwa „Was ist geschehen? Ist jemand verletzt?“ Auch für unsere Redaktion ist dieser Klang ein Zeichen, aktiv zu werden, um zeitnah über die Einsätze der Feuerwehr berichten zu können. Alles beginnt mit einem Anruf in der Zentrale in Calw. In letzter Zeit hieß es dann aber gehäuft seitens der Feuerwehr am Telefon: „Entwarnung, nur ein Fehlalarm.“

 

Um dies jedoch festzustellen, rücken zunächst jedes mal Einsatzkräfte aus, gerüstet für den Ernstfall. Denn Alarm ist eben Alarm. In den vergangenen Wochen waren es vor allem Fehlalarme in Seniorenheimen, der letzte der Redaktion bekannt vor wenigen Tagen in der Seniorenresidenz Schönblick. Im Gespräch mit unserer Redaktion klärt der Calwer Stadtbrandmeister Markus Frank aber auf: „Es gibt keine Häufung in dieser Seniorenresidenz“, die falschen Alarme verteilen sich auf viele verschiedene Orte.

Jeder fünfte Einsatz durch Fehlalarm

Rund ein Fünftel aller Einsätze, konkret 77 von 354, so Frank kamen im vergangenen Jahr durch „ausgelöste Täuschungsalarme von Brandmeldeanlagen“ zustande. Gründe dafür können sein: ein Anstieg der Temperatur, Dampf beim Kochen, Staub in einer Fabrik. „Auch das passiert: Demente Menschen meinen, es ist etwas und drücken den Knopf vom Feuermelder“, so Frank – und so etwas kommt dann doch eher in Seniorenheimen vor. Eine Häufigkeit, so räumt Frank ein, gibt es generell im Bereich Pflege und Krankenhäuser, ebenso im Zentrum für Psychiatrie Calw.

„Täuschungsalarme“, so wie laut Frank Fehlalarme im Behördendeutsch bezeichnet werden, liegen immer dann vor, wenn es keine Flamme gibt. Und dies sei schließlich der Unterschied bei der Abrechnung. Kommt es zum Brand ist der Einsatz kostenfrei für die Betroffenen. „Alles andere, ob Rauch vom Schmoren oder ein Schwelbrand sind kostenpflichtig“, so der Stadtbrandmeister weiter.

Im Fall eines Seniorenheims etwa, in dem ein Patient aus Versehen den Alarmknopf drückt, zahlt also die Einrichtung für den Einsatz. Frank weiß, dass manche Betroffenen sehr unzufrieden damit sind. Er müsse an dieser Stelle jedoch darauf verweisen, dass die Regelung durch das Bundesland festgelegt ist, ebenso wie die Kosten, die auch in der Kostenersatzsatzung der Stadt Calw nachzulesen sind.

Was kostet der Feuerwehreinsatz?

Bei Alarmstufe zwei, etwa bei Firmen oder Einkaufszentren, rücken ein Führungsfahrzeug mit zwei Personen, zwei Löschfahrzeuge mit je neun Einsatzkräften und eine Drehleiter mit drei Personen aus. Bei Alarmstufe drei, – die greift, wenn Einrichtungen betroffen sind, in denen davon ausgegangen wird, dass nicht alle Betroffenen sich aus eigener Kraft aus dem vermeintlich brennenden Gebäude entfernen können, was etwa auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zutreffe – kommt ein weiteres Löschfahrzeug mit neun Kräften zum Einsatz.

Pro Stunde zahlt man je Einsatzkraft 22,20 Euro, je Führungsfahrzeug 98, je Löschfahrzeug im Schnitt 198 (je nach Größe) und je Drehleiter 290 Euro. Bei Alarmstufe zwei kostet der Einsatz den Verursacher des Täuschungsalarms pro Stunde in Summe um die 1100 oder 1200 Euro. Alarmstufe drei kostet entsprechend bis zu 435 Euro mehr. Immerhin so Frank, sind solche Einsätze meistens nach einer Stunde vorbei.

Neben den Täuschungsalarmen müssen auch die Verursacher „böswilliger Alarme“, wie bei Brandstiftung, die Einsätze selber zahlen. So musste etwa der 2023 als Feuerteufel von Calw bekannt gewordene Brandstifter „alle Einsätze zahlen, eine hohe fünfstellige Summe“, erzählt Frank.