Die Landtagsabgeordnete Sandra Boser, Oberbürgermeister Markus Ibert (Mitte) und Johannes Maier vom Polizeirevier Lahr legten am Volkstrauertag einen Kranz auf dem Bergfriedhof nieder. Foto: Baublies

OB Ibert, Lahrer Gemeinderäte und Landtagsabgeordnete Sandra Boser haben am Volkstrauertag Kränze am Bergfriedhof und am Friedrich-Ebert-Platz abgelegt.

Schüler der Oberstufe der drei Lahrer Gymnasien und der Freien Evangelischen Schule haben im Pflugsaal mit „Ist Nie Wieder jetzt?“ kurze Szenen über die Erinnerung an Opfer von Kriegen dargestellt. In der ersten Szene lasen die Schüler abwechselnd Texte vor, die Eindrücke aus Kriegen seit dem Jahr 1914 bis zur Gegenwart wiedergegeben haben. Feldpostbriefe berichteten über Grauen, ein „Gemetzefeld“, mit vielen Toten und eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der Grausamkeit eines jeden Krieges.

 

Antje Goßler, die am Scheffelgymnasium die Theater AG leitet, erklärte am Ende dieser Szene, woher die Briefe kommen. Dazu stellte sie die rhetorische Frage, ob zu erkennen gewesen sei, aus welchem Krieg diese Texte stammen. In weiteren Szenen stellten die Schüler eindrucksvoll vor, wie hohl die Phrasen von Ehre, Ruhm und Vaterland sein können.

Oberbürgermeister Markus Ibert griff das auf, was die Schüler in den Szenen dargestellt hatten. Der Volkstrauertag hat sich längst weg vom Heldengedenktag nach 1918 zu einem Tag der Reflexion und damit zu einem Antikriegstag entwickelt.

Gedenktag soll eine Mahnung sein

„Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.“ Also dient dieser Gedenktag heute der Mahnung gegen „äußere Gewalttätigkeiten“ und „innere Konflikte und Gewalttätigkeiten“.

Ibert griff dabei auch einen aktuellen, traurigen Anlass erneut auf. Wie mehrfach berichtet, gab es einen Übergriff am 9. November auf dem Lahrer Friedrich-Ebert-Platz, als eine Gruppe das Gedenken der evangelischen Allianz zur Reichspogromnacht im Jahr 1938 störte.

OB verurteilt erneut den Übergriff am Gedenktag

Ibert erinnerte, dass das Gedenken der Allianz den Lahrer Einwohnern jüdischen Glaubens galt, die Opfer von Gewalt im Dritten Reich geworden sind. „Dass dabei ein israelische Flagge gezeigt wurde, ist kein zwangsläufiger Ausdruck einer zionistischen oder ethnischen Haltung.“ Die Flagge sei vielmehr ein Zeichen der Solidarität unter Juden überall auf der Welt. Damit verbunden sei immer auch die Erinnerung an den Holocaust. Der OB verurteilte diesen Übergriff erneut und unmissverständlich.

„Aber es gibt ein ebenfalls unerfreuliches Nachspiel“, so Ibert Andere politische Kräfte würden die Herkunft der mutmaßlichen Täter nutzen, um allen Menschen mit derselben oder einer ähnlichen Herkunft Schuld zuzuweisen. „Das, was man bezüglich der Deutschen nach 1945 mit Empörung zurückweisen würde – dass es eine Kollektivschuld oder Sippenhaft gäbe – wird hier unverblümt gefordert.“

Ibert verwies auf das Gedenken des Volkstrauertages, wie er heute verstanden wird – und kritisierte das beschriebene Verhalten: „Ja, auch hier wird Hass gesät; ja, auch hier ist Rassismus am Werk. Und ja, auch hier wird der innere Friede angegriffen.“ Er zeigte sich überzeugt, dass es eine „starke gesellschaftliche Mitte“ gebe, die „alleine diesen inneren Frieden bewahren kann.“

An drei Orten wurde den Toten gedacht

Das Streichertrio Anke-Bettina und Andrej Melik sowie Claudia Bühler begleitete die Gedenkstunde im Haus zum Pflug. Auf dem Bergfriedhof legten die Landtagsabgeordnete Sandra Boser, OB Ibert und Johannes Maier (Polizeirevier Lahr) Kränze nieder. Diese Zeremonie gab es auch am Friedrich-Ebert-Platz am Gedenkstein für alle Opfer von Gewalt.

Teilnehmer am Theater

Diese Schüler der Oberstufe der Lahrer Gymnasien haben die Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Pflugsaal mit kurzen, gespielten Szenen und Texten begleitet: Eilyn Cabrera Martinez, Luis Fehrenbacher, Greta Henninger, Louisa Metzger, Virginia Mihov, Maike Schertling, Ilvy Schluze, Gabriela Schamon, Leonie Zachmann, Ekrem Eristi, Matilda fels, Nora Khames, Leni Miessmer, Martha Schemel, Helene Schlegel, Arne Seifert und Jonathan Vogt.