Menschengestalten und Erdgeschichten: Liesa Trefzer und Kurt Mair in ihrer gemeinsamen Ausstellung. Foto: Jürgen Scharf

Die Doppelschau von Liesa Trefzer und Kurt Mair im Kunstverein Schopfheim ist Ausdruck einer inspirierenden Künstlerfreundschaft.

Wenn sich die Galeristin, die auch Künstlerin ist, und ihr Stammkünstler zu einer Doppelausstellung treffen, ist es mehr als ein Dialog zweier künstlerischer Positionen. Bei Liesa Trefzer und Kurt Mair gibt es eine langjährige professionelle und persönliche Verbindung.

 

In Trefzers Galerie am Brühl in Zell-Gresgen, die sie bis 2021 führte, war Kurt Mair, der an der PH Lörrach Kunsterziehung studiert hat, immer und oft ein gerngesehener Gast. Da ist es für viele Kunstfreunde ein schönes Wiedersehen, dass man beiden bei einer Ausstellung des Kunstvereins Schopfheim wiederbegegnet.

Das übergeordnete Thema dieser von der kunstverständigen Kuratorin Luis Lenz überlegt stimmig aufgebauten Schau heißt „Wandlungen – Menschengestalten – Erdgeschichten“.

Und man kann diese, wie Eröffnungsredner Dominik Baiker sagte, als künstlerisches Prinzip bei beiden Ausstellenden entdecken. Bei dem Maler Kurt Mair sind es die Wandlungen eines Motivs, hier ganz offensichtlich das wiederkehrende Motiv der Zitrone, aber auch des menschlichen Körpers; in der Keramik von Liesa Trefzer liegt die Wandlung schon im Material und im Herstellungsprozess.

Wandlung ist also das Verbindungsglied bei beiden. Es kommt aber noch mehr dazu an künstlerischen Annäherungen. Bei Mair der menschliche Akt, bei Trefzer die körperhaften keramischen Erdkörper: „Erde, die Gestalt angenommen hat“, wie es Baiker treffend ausdrückte.

Keramik findet sich in Stillleben wieder

Auffallend sind auch die keramischen Schalen, Gefäße von Liesa Trefzer, die sich in den Stillleben von Kurt Mair wiederfinden. Weitere Verbindungslinien sind Ästhetik und Harmonie. So sind Mairs Zitronen sehr ästhetisch in Farbe und Form, Trefzers Objektkeramiken und figurative Keramikkörper sehr harmonisch.

Bei Mair verwundert die Vorliebe für die leuchtend gelbe Frucht nicht, wohnt er doch im Land, wo die Zitronen blühen, und er kann sein Modell für die Stillleben direkt vom Baum pflücken. Das Interessante an seinen Arbeiten ist, dass er diese Schalen mit Zitronen oder Granatäpfeln mit weiblichen Akten kombiniert.

Neben dieser Aktreihe mit Früchten bleibt Mair seinem Stilprinzip der Historienmalerei treu. So interpretiert er Motive und Gesichter aus der Kunstgeschichte. Rembrandt ist hier der Übervater und schaut als solcher aus dem Selbstporträt über die Ausstellung.

Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ taucht als Wandlungsmotiv gleich drei Mal auf. Mair ist aber kein Historienmaler im klassischen Sinne, sondern ein moderner Maler, dessen fantasievolle Gemälde von historischen und modernen Motiven inspiriert sind.

Seine Akte entstehen nach Modell, wobei er sich auch selbst darstellt. Anders als Rembrandt malt er sich aber meist nicht im Porträt, sondern in Akt- und Bewegungsstudien wie dem melancholischen männlichen Dreifach-Akt mit Calla, der Blume der Reinheit.

Manche Figurenszene führt auch in Traumsphären, in verinnerlichte Bereiche, wo sich die Handlung nicht mehr äußerlich, sondern auf der psychischen Ebene der Figuren manifestiert.

Rembrandt als Vorbild bei der Lichtsetzung

Neben der vom Vorbild Rembrandt übernommenen Hell-Dunkel-Technik, dem klassischen Rembrandt-Licht - Mair setzt gezielt Lichter in die Gesichter – fällt in den Akten sein skizzenhaft malerischer Stil in unglaublich präziser, plastischer Zeichentechnik mit dem Bleistift auf, in der die Körper wie „modelliert“ wirken.

In der meisterlichen Bildniskunst dieses Menschenmalers wird auch sichtbar, dass die Bilder der letzten drei Jahre, die er in Schopfheim zeigt, farbiger geworden sind.

Raffiniert werden die Bilder dadurch, dass Kurt Mair in einer Art malerischer Montagetechnik Versatzstücke aus verschiedenen Epochen und Welten zusammenbringt: moderne Frauen, die er in eleganten Kompositionen in Bewegungen, Posen und Haltungen darstellt, und idealisierte Damen der Historie.

Dass der Maler zwei ihrer eigenen Keramikschalen in Stillleben verewigt hat, wird die Keramikkünstlerin Liesa Trefzer besonders freuen. Zumal sie sich in dieser Schau auf keramische Objekte und Gefäße konzentriert und ihre eigene Malerei und die Bildtafeln und Reliefs außen vor lässt. Die Wände gehören in dieser Werkschau Kurt Mair.

Ihre Erdkörper mit Einkerbungen und farbiger Gestaltung haben durchaus etwas Skulpturales und Gestalthaftes. Über die Gefäßform hinaus gehen die großen Truhen, geheimnisvolle Behältnisse mit figürlichen Spuren. Die Künstlerin, die auch Lyrikerin ist, sieht sie selber als Gedankenarchive, in denen Erinnerungen und Geschichten aufbewahrt werden. Es sind also Objekte, die weit über das Funktionale ins Philosophische hinausgehen. Die Betrachter können diese Truhen mit ihren eigenen Gedanken füllen.

Liesa Trefzer: Keramiktruhe als Gedächtnisspeicher. Foto: Jürgen Scharf

Ihre vielseitige keramische Gestaltung zeigt Liesa Trefzer in einer Regalwand mit Schalen und Dosen, die in ganz verschiedenartigen Brenntechniken und Glasuren gearbeitet sind. Die Präsentation dieser schönen Unikate wirkt wie eine Installation für sich im Raum. Jürgen Scharf

Die Ausstellung „Wandlungen – Menschengestalten Erdgeschichten“ läuft bis 30. Mai. Die Kulturfabrik ist Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Matinee mit Lyrik und poetischen Texten von Liesa Trefzer und musikalischer Begleitung von Eva Schindelin an der Harfe findet am 3. Mai, ab 11 Uhr statt. Finissage ist am 30. Mai ab 17 Uhr.