Andreas Schätzle (von links) und Nico Schiele vor dem dem Museum Hasemann-Liebich als Dauerleihgabe überlassenen Reiß-Gemälde „Heimwärts“ Foto: Dorn

Dem Schwarzwälder Postkartenmaler Fritz Reiß widmet das Gutacher Hasemann-Liebich-Museum noch bis zum 2. März eine eigene Sonderausstellung. Dabei verwirklichte Kurator Andreas Schätzle ein ganz eigenes Projekt, das 2021 inspiriert wurde.

Mit einer Vernissage wurde am Sonntag die Ausstellung um den Schwarzwälder Postkartenmaler Fritz Reiß im Hasemann-Liebich-Museum eröffnet. Kurator Andreas Schätzle hielt eine Eröffnungsrede, die in puncto Verve und Leidenschaft ihresgleichen suchte. So äußerten sich zumindest viele Besucher beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung.

 

Sammelleidenschaft wurde erst im Jahr 2021 geweckt

Schätzles Sammelleidenschaft hatte erst vor drei Jahren im Hasemann-Liebich-Museum durch einige Postkartenbilder von Reiß ihren Anfang genommen, in den Wochen und Monaten danach ließ er nichts unversucht, mehr über seinen neuen „persönlichen Rockstar der Schwarzwaldmalerei“ herauszufinden. An Reiß’ Ehrengrab auf dem Friedhof in Kirchzarten wurde der Kurator von einer alten Kirchzartenerin angesprochen und kam so in Kontakt mit der Gemeinde, der der Sammler Axel Steinhart seine umfangreiche Sammlung von Postkarten, Gemälden und Skizzen von Reiß vermachte.

Weitere Fundstücke ergaben sich durch Kontakte nach Amerika und zur dortigen Reiss-Gesellschaft. Fritz Reiß‘ zweiter Sohn Winold war 1913 in die USA emigriert und startete dort mit Porträtkunst über die Blackfeet-Indianer eine Künstlerkarriere, die ihn bis ins Museum of Modern Art in New York brachte. Zu seinem Vater Fritz gab es bis zum heutigen Tag keine eigene Ausstellung. Diesen Umstand nahm Schätzle als weiteren Antrieb für seine Suche nach Werken aus dem viele Stücke umfassenden Oeuvre des Künstlers. Nach nur drei Jahren auf der Düsseldorfer Kunstakademie stürzte sich Reiß in die Arbeit, „seine Familie mit Frau und vier Kindern wollte ernährt sein“ (Schätzle), Reiß` Besuch bei Wilhelm Hasemann in Gutach war in den 1890er Jahren sicher auch der Freundschaft und dem künstlerischen Austausch geschuldet. Am Ende des Monats musste aber auch die Miete für die Unterkunft der sechsköpfigen Familie in Höhe von 40 Reichsmark bezahlt werden.

Reiß illustrierte Kinderbücher („Jugendlust“ und „Hänschen’s Ferientage“ werden in der Ausstellung gezeigt), produzierte Schwarzwald-Postkarten in großer Zahl und schuf großformatige Werbebilder für unter anderem Hohner Musikinstrumente, Pfaff Nähmaschinen, die Brauerei Dinkelacker oder die Zeitung Schwarzwälder Bote in Oberndorf. Neben der „Brot-und Butter-Kunst“ finden sich in der Ausstellung aber auch liebevolle Skizzen wie „s` Mäxle“ oder das Bild eines Mädchens in Tracht. Über die Kontakte von Willy Scheurer erhielt das Hasemann-Liebich-Museum das großformatige Aquarell „Heimwärts“ als Dauerleihgabe. Darauf sind ein Schwarzwälder Paar in Arbeitstracht nach der Feldarbeit unter einem gewittrigem Wolkenhimmel zu sehen. Wie bei allen Ausstellungen im Hasemann-Liebich-Museum ist ein Ausstellungsraum wieder für eine Wechselausstellung mit Werken von Wilhelm Hasemann und Curt Liebich reserviert, wies Martin Moser vom das Museum betreuenden Kunstverein hin.

Öffnungszeiten

Die Sonderausstellung „Fritz Reiß“ ist vom 24. November 2024 bis zum 2. März 2025 an den Wochenenden und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.