Der Verein L’Art pour Lahr lädt zu einer besonderen Ausstellung. Dafür haben Mitglieder der Galerie (Abfall-)Produkte der Firma Willi Haller aus Sulz zu Kunst verwandelt.
Die Firma Willi Haller arbeitet mit Kunststofftechnik. Die Künstler haben überwiegend Abfallprodukte für die Ausstellung verwendet. Bei 24 Individuen sind die Ergebnisse, nachvollziehbarerweise, sehr unterschiedlich ausgefallen. Das war auf der sehr gut besuchten Vernissage in der Galerie unschwer zu erkennen.
„Yellow Submarine“ von Sibylle Krastel-Dibbern ist am ehesten ein Zufallsprodukt. Die Künstlerin hat eine eigentlich abstrakte Form eines Gegenstands, der beim Reinigen der Spritzgussform entstanden ist, lediglich mit zwei Kulleraugen versehen. Die Farbe Gelb und die angesetzten „Augen“ ergeben eine vollkommen andere Sichtweise. Der abstrakte Gegenstand hat nur durch diese eigentlich unwesentliche Veränderung plötzlich eine recht konkrete Aussage. Die Idee, den Namen „Yellow Submarine“ zu verwenden, ist nicht zufällig. Der Beatles-Hit aus dem Jahr 1966 war alleine aufgrund des Mitwirkens vieler verschiedener Popgrößen, Studiomitarbeitern und anderen selbst eine Art Gesamtkunstwerk und sicher auch ein Zufallsprodukt.
Doris Rabung hat die Skulptur „Schwarzwalddirndl“ aus Dichtringen, die die Firma herstellt, geschaffen. Die Dichtringe hat sie umhäkelt und daraus stilisierte Blüten mit anderen Hilfsmitteln kreiert. Das so verzierte Kleid und eine Handtasche zieren einen Torso, der für die Kleideranprobe verwendet wird. In unmittelbarer Nähe hat Andrea Katharina Jung den „gefallenen Engel Azrael“ aus ebendiesen Dichtringen geschaffen. Sie hat die Vorlagen in der Hälfte zerschnitten und daraus Flügel, Kopf und die gesamte Figur geschaffen. Zur Farbe Schwarz – Symbol für den gefallenen Engel – kommen Einsprengsel aus kupferfarbener Acrylfarbe. Der Engel schwebt mittels einer hölzernen Staffage.
Auch der Gedanke des Recyclings spielt eine Rolle
Eine andere Art von Kunst hat Felix Grundhöfer mit seinem Beitrag „Gestatten A.L. Armleuchtereinheit“ kreiert. Der Armleuchter ist kein Abfallprodukt wie viele der anderen Kunstwerke, sondern eine Konstruktion aus Resten, die während der Arbeitsprozesse anfallen. Die Einzelteile bleiben erkennbar, ergeben aber zusammengesetzt die sehr anschauliche Figur.
Matthias Düran von der Firma Willi Haller erklärte, dass die Künstler im Betrieb nachgefragt hatten. Von ihm stammt auch die Erklärung, wie gerade die vielen abstrakten Formen als Rohstoff für die Kunstwerke entstehen. Gabriele Rauch von der Galerie stellte die Idee der Produktkunst kurz vor. Es ginge darum, „Produktionsüberschüsse, Produktionsreste und Ausschussware von Firmen in einem künstlerischen Kontext neu aufzubereiten“. Neben dem „kreativen Reiz“ aller Künstler geht es auch um den heute aktuellen Begriff des Recyclings und um die Zusammenarbeit der Künstler mit der lokalen Wirtschaft.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung Produktkunst in der Galerie L’Art pour Lahr in der Obertortstraße ist donnerstags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr zu sehen. Besichtigungen sind nach Vereinbarung auch zu anderen Zeiten möglich. Die Finissage ist am 3. Januar.