Fast zwei Wochen lang war die deutsche Rucksackreisende Carolina Wilga im australischen Outback verschollen. Ihre Rettung gilt als ein Wunder
Im australischen Outback verliert sich die Zivilisation schnell: staubige Pisten führen durch endlose Weite, im Busch gleicht eine Ecke der nächsten, die Landschaft ist menschenleer und erbarmungslos. Wer sich hier verirrt ist ganz auf sich allein gestellt. Genau das passierte der 26-jährigen deutschen Backpackerin Carolina Wilga.
Nachdem ihr Van in einem abgelegenen Naturreservat stecken blieb, verließ sie in Panik ihr Fahrzeug – und irrte fast zwei Wochen lang durch eine raue, einsame Landschaft. Am Freitagnachmittag wurde sie durch „reines Glück“, wie es eine Polizeibeamtin formulierte, lebend gefunden – ohne Schuhe, mit kaum Wasser oder Nahrung.
Orientierung nach der Sonne
Die Umstände ihres Überlebens sind bemerkenswert: Carolina Wilga hatte nur minimale Vorräte bei sich. Um sich zu orientieren, nutzte sie den Stand der Sonne. Nachts suchte sie Schutz, wo immer es möglich war – sogar in einer Höhle. Sie trank den Regen und Wasser aus Pfützen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und teils starkem Regen kämpfte sie sich, zumindest zum Ende hin, barfuß durch die teils dornige Buschlandschaft Westaustraliens. „Sie ist immer noch fassungslos, dass sie überlebt hat“, sagte Jessica Securo von der Polizei in Westaustralien.
24 Kilometer zu Fuß durch die Wildnis
Am 29. Juni hatte Wilga im kleinen Ort Beacon noch ein Geschäft besucht. Danach verlor sich ihre Spur. Laut Securo sei Wilga nur einen Tag bei ihrem fahruntüchtigen Wagen geblieben, bevor sie in Panik geriet und sich auf den Weg machte, um Hilfe zu suchen. Letztendlich legte sie rund 24 Kilometer zurück – allein, desorientiert, mit einem verletzten Fuß und unzähligen Mückenstichen. Das Gelände dort draußen könne gefährlich sein, „wenn man nicht weiß, was man tut oder wohin man geht – und es ist sehr leicht, sich zu verlaufen“, sagte Securo. Wilga habe „reines Glück“ gehabt.
Am Freitagnachmittag lief sie gegen 16.20 Uhr auf einer abgelegenen Schotterstraße, auf der nur selten Autos unterwegs sind. Dort gelang es ihr, eine Autofahrerin zum Anhalten zu bewegen. Am Steuer saß Tania, eine Farmerin aus der Region, die aus den Nachrichten vom Verschwinden der 26-Jährigen wusste. „‚Wunder‘ ist ein Wort, das oft überstrapaziert wird“, meinte die Farmerin. „Aber zwölf Tage zu überleben und querfeldein bis zu meiner Straße zu gelangen – das ist wirklich ein Wunder.“
Die Polizei berichtete, dass Wilga bei ihrer Rettung „erschöpft, dehydriert und hungrig“ gewesen sei. Sie litt unter Sonnenbrand und wies kleinere Verletzungen wie Schnitte und Prellungen auf. Noch am selben Tag wurde sie per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus nach Perth gebracht.
Traumatisiert und erleichtert zugleich
Wilga habe inzwischen mit ihrer Familie gesprochen, gut geschlafen, etwas gegessen und geduscht. „Sie war sehr traumatisiert und einfach nur überwältigt, dass sie gefunden wurde“, so Securo. Trotz der dramatischen Erfahrung plant Carolina Wilga laut Polizei, ihre Reise fortzusetzen. Sie wollte ursprünglich Westaustralien erkunden und dann weiter in den Norden und an die Ostküste.