Einen wertvollen Druckstock erhielt der Heimat- und Museumsverein Freudenstadt. Bei der Übergabe (von links): Oberbürgermeister Adrian Sonder, Louis-David Finkeldei, Reinhold Beck sowie Sieglinde, Matthias und Hans-Jörg Bäuerle. Foto: Hannes Kuhnert

Ein alter Druckstock der Freudenstädter Flurkarte ist jetzt hinter Glas im Stadthaus zu sehen. Die Platte stammt aus dem Vermächtnis von Vermessungsrat Horst Bäuerle.

Ein edles Stück Stadtgeschichte funkelt dem Besucher schon beim Betreten des Ludwig-Schweizer-Saals im Stadthaus kupfern entgegen. In Vitrine Nummer elf, gleich gegenüber dem Treppenaufgang, ist eine Replik des Druckstocks zur topographischen Karte Freudenstadt ausgestellt. Jetzt wurde sie dem Heimat- und Museumsverein (HMV) für Stadt und Kreis Freudenstadt übergeben.

 

Sie ist zugleich ein Stück Lebensgeschichte, meinte in einer kleinen Feierstunde zur Übergabe des Druckstocks Oberbürgermeister Adrian Sonder.

Die Platte stammt aus dem Vermächtnis von Vermessungsrat Horst Bäuerle aus Freudenstadt, der im Dezember 2024 im Alter von 88 Jahren verstorben war. Er hatte noch zeitlebens bestimmt, dass dieser Druckstock nach seinem Tod dem Heimat- und Museumsverein anvertraut werden solle, um ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Geschenk vom früheren Innenminister

Denn die historische Platte war einst selbst ein Geschenk. Der damalige Innenminister Dietmar Schlee (CDU) hatte sie Horst Bäuerle bei dessen Verabschiedung als Vorsitzender des Hauptpersonalrats beim Innenministerium Baden-Württemberg und in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um das Vermessungswesen im Land überreicht.

Zur Feierstunde waren neben Sieglinde Bäuerle, der Witwe des Verstorbenen, und der Söhne Hans-Jörg und Matthias Bäuerle auch Fabienne Janz von der Stadtverwaltung gekommen sowie Andreas Oeynhausen und Julian Gillich von der Leitung des Freudenstädter Vermessungsamtes.

Der Öffentlichkeit zugänglich

Kreisarchivar Louis-David Finkeldei ging kurz und knackig auf die lange Vermessungstradition in Baden-Württemberg ein, die im 19. Jahrhundert erstmals systematische und einheitliche Kartenwerke einführte. Der kupferne Druckstock sei Grundlage der Karte 7516 Freudenstadt, vom „württembergischen topographischen Bureau“ auf Grundlage der Landesvermessung in den Jahren 1861 bis 1869 erstellt. Sie dokumentiere auch die damalige städtebauliche Struktur Freudenstadts.

Oberbürgermeister Sonder dankte der Familie Bäuerle. Es sei ein schönes Zeichen, wenn Menschen öffentlich Verantwortung übernehmen und wie Horst Bäuerle Teile ihres Lebens der Stadtgemeinde widmen. Sonder erinnerte an die vielfachen Verdienste Horst Bäuerles für das Vermessungswesen und den Beamtenstatus in Land und Bund, für die er mehrfach ausgezeichnet worden war. „Er war sehr stolz, als er diese Platte geschenkt bekam“, ergänzte Sieglinde Bäuerle.

Hans-Jörg Bäuerle erinnerte daran, dass es seinem Vater ein wichtiges Anliegen war, dass die Kupferplatte als Teil seiner Lebensgeschichte nach seinem Tod der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde.

Vorsitzender steuert Flurkarte auf Papier bei

Dafür dankte namens des Heimat- und Museumsvereins dessen Vorsitzender Reinhold Beck. Er steuerte eine alte, auf Papier gedruckte Flurkarte Freudenstadts bei, die auf nachfolgenden Druckstöcken der kupfernen Platte erstellt worden war.