Drangvolle Enge an den Bahnsteigen zu den Stoßzeiten: Im vergangenen Jahr verzeichnete der öffentliche Personennahverkehr einen Rekordzuwachs an Fahrgästen. Foto: dpa

Verkehrsverbund verteidigt Preiserhöhung und unterstützt Pläne zum Parkraummanagement.

Stuttgart – Thomas Hachenberger, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart, wehrt sich gegen die Kritik am VVS-Angebot und verteidigt die Preiserhöhung: „Dies ist notwendig.“

Welche Nachricht hat Sie zuletzt bei der Lektüre unserer Zeitung bewegt?
Es ging um die Erhöhung der Strompreise.

Was halten Sie davon?
Ich ruhe da in mir, weil ich die bestimmenden Faktoren für die notwendige Energiewende kenne. Zudem hat man ja die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln.

Verstehen Sie es, wenn sich Menschen über steigende Strom- oder Bahnpreise ärgern?
Die Preisentwicklung ist derzeit in vielen Bereichen überdurchschnittlich. Wir haben aufgrund hoher Energiepreise eine gewisse Inflation. Daher haben die Menschen weniger Geld in der Tasche und reagieren sensibel auf Preissteigerungen.

Wie verteidigen Sie Ihre Preispolitik?
Damit, dass wir ein gutes Angebot haben und dies so bleiben soll. Was auch an den Fahrgastzahlen messbar ist. Wir hatten vergangenes Jahr einen Rekordzuwachs von zwei Prozent. Das sind sechs Millionen mehr Fahrten, die nicht mit dem Pkw gemacht wurden. Wenn wir unsere Quantität und Qualität halten wollen, ist diese Preispolitik der Nutzerfinanzierung notwendig.

Wünschen Sie sich Subventionen, um Ihr ­Angebot noch attraktiver zu machen?
Ich würde mir wünschen, dass wir im ÖPNV mehr Finanzmittel zur Verfügung hätten. Allerdings weniger, um die Tarife zu senken. Ich halte es für wichtiger, den Nahverkehr auszubauen, um die Verkehrswende zu unterstützen.

Sie sprechen indirekt Dinge an, die Ihnen in der Diskussion um die wachsenden Pendlerströme vorgeworfen werden. In der Kritik stehen Takte, Preise und das Gesamtangebot.
Wenn manche einen Takt von 15 Minuten anmahnen, dann sage ich nur: Die SSB in Stuttgart haben bereits seit Jahren einen Zehn-Minuten-Takt. Aber wenn wir insgesamt bessere Takte wollen, muss man bereit sein, in die Infrastruktur zu investieren und die Mehrleistungen zu finanzieren. Dazu brauchen wir allerdings eine verlässliche ­öffentliche Co-Finanzierung. Unterm Strich stimmen unser Angebot sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis.

"Im Stadtverkehr Stuttgart sind wir im Bundesvergleich führend"

Ihre Kunden haben auch das Gefühl, andere Verkehrsverbünde hätten im Vergleich zum VVS die Nase vorn.
Widerspruch. Im Stadtverkehr Stuttgart sind wir im Bundesvergleich führend. Auch den europäischen Vergleich müssen wir nicht scheuen.

Haben Sie Vergleichswerte?
Die SSB stehen in einem bundesweiten ­Ranking, das viele Leistungsfaktoren wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit bewertet, durchgehend auf den ersten drei Plätzen. Und der VVS ist auch im vorderen Drittel dabei. Gleichwohl nehmen wir die Kritik der Kunden ernst und wollen besser werden.

Das werden jene gerne hören, die in überfüllten Verkehrsmitteln gegen Platzangst kämpfen.
Ja, in den Hauptverkehrszeiten sind wir sehr gut besucht . . .

. . . bedeutet das, dass Sie an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen sind?
Nein, wir haben noch Kapazitäten. Aber wenn die Nachfrage weiter so steigt, müssen wir über Anpassungen nachdenken.

Wie ist Ihre Haltung zu den Plänen der Stadt, die wachsenden Pendlerströme auf den ­Straßen durch ein flächendeckendes Parkraummanagement zu lenken?
Wir unterstützen diese Pläne der Stadt. Wir haben alleine durch das Parkraummanagement im Westen 600 neue Abonnements hinzugewonnen.

Welche Überschrift würden Sie gerne in Zukunft in Ihrer Zeitung lesen?
„VVS ist bereit für die Verkehrswende“.

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